Viveka Chudamani – Vers 507

Deutsche Übersetzung:

507. So wie die Sonne unbeteiligte Zeugin aller Vorgänge ist, wie das Feuer alles verbrennt, ohne zu unterscheiden, so wie das Seil mit der Schlange nur scheinbar verbunden ist, genauso verhält es sich mit der unveränderbaren Essenz des Bewusstseins.

Sanskrit Text:

raver yathā karmaṇi sākṣi-bhāvo
vahner yathā dāha-niyāmakatvam |
rajjor yathāropita-vastu-saṅgas
tathaiva kūṭa-stha-cid-ātmano me || 507 ||

रवेर्यथा कर्मणि साक्षिभावो
वह्नेर्यथा दाहनियामकत्वम् |
रज्जोर्यथारोपितवस्तुसङ्गः
तथैव कूटस्थचिदात्मनो मे || ५०७ ||

raver yatha karmani sakshi-bhavo
vahner yatha daha-niyamakatvam |
rajjor yatharopita-vastu-sangas
tathaiva kuta-stha-chid-atmano me || 507 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • raveḥ : der Sonne (Ravi)
  • yathā : (so) wie (Yatha)
  • karmaṇi : bei allen Handlungen (Karman)
  • sākṣi-bhāvaḥ : das Zeugesein (Sakshibhava)
  • vahneḥ : des Feuers (Vahni)
  • yathā : (so) wie
  • dāha-niyāmakatvam : das unterschiedslose („zwingende“, Niyamaka) Verbrennen (aller Dinge, Daha)
  • rajjoḥ : eines Seils (Rajju)
  • yathā : (so) wie
  • āropita-vastu-saṅgaḥ : die Beziehung („Verbindung“, Sanga) zu einer (fälschlich) übertragen (Aropita) Sache (Vastu)
  • tatha : genauso (Tatha)
  • eva : ganz (Eva)
  • kūṭa-stha-cid-ātmanaḥ : dem unbeweglichen, unveränderlichen (Kutastha) Selbst, das reines Bewusstsein ist (Chidatman)
  • me : (ist es mit) mir (Mad)     || 507 ||

Kommentar

Bist du vielleicht in einer Firma, in der bald Kürzungen oder Rationalisierungsmaßnahmen anstehen oder hast du vielleicht schon ein oder zwei Abmahnungen gehabt? Oder weißt du, dass aus deiner Abteilung Menschen entlassen oder deine Abteilung aufgelöst werden soll? Wie geht man vom Vedanta-Standpunkt aus damit um?

Vers 507 Viveka Chudamani:

„So wie die Sonne unbeteiligte Zeugin aller Vorgänge ist, wie das Feuer alles verbrennt, ohne zu unterscheiden, so wie das Seil mit der Schlange nur scheinbar verbunden ist, genauso verhält es sich mit der unveränderbaren Essenz des Bewusstseins.“

Mache dir nicht so viele Gedanken. Die Sonne ist unbeteiligte Zeugin aller Vorgänge auf der Erde. Das Leben auf der Erde existiert nur wegen der Sonne. Aber die Sonne scheint. Sie scheint auf der Erde, wo es Leben gibt. Die Erde scheint auf den Mars oder die Venus, wo es scheinbar nicht das gleiche Leben gibt wie auf der Erde. Die Sonne scheint, ob du freundlich oder unfreundlich zu ihr sprichst. Ob du die Sonne beschimpfst oder beleidigst, spielt keine Rolle. Die Sonne strahlt.
So ähnlich auch: Dein wahres Selbst ist SeinWissenGlückseligkeit. Auch wenn die Sonne hinter den Wolken verborgen ist, ist sie immer noch gleich. Selbst wenn du momentan nicht spürst, dass du Sein-Wissen-Glückseligkeit bist, du bist es trotzdem. Die Wolken gehen vorbei und die Sonne strahlt wieder. Die Wolken, die dein Bewusstsein trüben, ziehen vorüber und du wirst dein Selbst wieder erfahren. Das Feuer verbrennt alles, ohne genau zu überlegen, was es gerade verbrennt.
Und das Seil ist mit der Schlange nicht verbunden. Du erinnerst dich an diese Analogie, bei der jemand Angst hatte vor einer Schlange, obwohl dort nur ein Seil war. Das Seil ist nie zur Schlange geworden. So ähnlich auch sind deine Ängste irreal. Du brauchst nichts. Auch der Arbeitsplatz ist nicht so wichtig. Und im Westen schon gar nicht. Notfalls kannst du von der Stütze leben und vermutlich hast du auch andere Optionen noch. Du hängst nicht an diesem Arbeitsplatz. Du hast unendliche Möglichkeiten. Du brauchst nicht diesen konkreten Arbeitsplatz. Sei deshalb ruhig und beruhigt und selbst wenn dein Gemüt sich Sorgen macht und du dich vielleicht doch ärgerst, dann sei dir bewusst, dass du jenseits des Ärgers und jenseits des Gemüts strahlend wie die Sonne bist.

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