Viveka Chudamani – Vers 406

Deutsche Übersetzung:

406. Die Shruti/der Veda erklärt, dass die duale Welt nur eine Illusion/Täuschung (maya) ist. Nicht- Dualität (advaita) ist die Absolute Wahrheit. Dies können wir unmittelbar im Tiefschlaf erfahren.

Sanskrit Text:

māyā-mātram idaṃ dvaitam advaitaṃ paramārthataḥ |
iti brūte śrutiḥ sākṣāt suṣuptāv anubhūyate || 406 ||

मायामात्रमिदं द्वैतमद्वैतं परमार्थतः |
इति ब्रूते श्रुतिः साक्षात्सुषुप्तावनुभूयते || ४०६ ||

maya-matram idam dvaitam advaitam paramarthatah |
iti brute shrutih sakshat sushuptav anubhuyate || 406 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • māyā-mātram : (ist) bloße (Matra) Illusion (Maya)
  • idam : die (Idam)
  • dvaitam : Dualität (Dvaita)
  • advaitam : Nicht-Dualität (Advaita)
  • paramārthataḥ : (existiert) in letzter Wirklichkeit (Paramartha)
  • iti : so (Iti)
  • brūte : sagt (brū)
  • śrutiḥ : die offenbarte Schrift (Shruti)
  • sākṣāt : direkt, unmittelbar (Sakshat)
  • suṣuptau : im Tiefschlaf (Sushupti)
  • anubhūyate : (das) wird erfahren (anu + bhū)     || 406 ||

Kommentar

Es ist manchmal gut, sich bewusst zu machen, dass die Welt nicht so existiert, wie du sie siehst. Sehen, hören, riechen, schmecken sind menschliche Wahrnehmungsorgane. Die Welt existiert nicht in Farben und Formen. Wenn du Rot, Grün, Gelb, Blau usw. siehst, dann ist das alles subjektive Wahrnehmung. In Wahrheit – von einem physikalischen Standpunkt aus betrachtet – gibt es nur Schwingungen. Diese Schwingungen werden an einer Oberfläche reflektiert oder auch nicht reflektiert. Ein gewisses Spektrum wird reflektiert oder nicht und so siehst du Rot, Gelb, Grün oder Blau. Es gibt kein Rot, Grün, Blau. Es gibt keine Klänge. Es gibt vielleicht Luftmoleküle, die irgendwie schwingen. Diese Luftmolekülschwingungen treffen auf dein Ohr und werden interpretiert als Klang. Genauso auch gibt es keine Gerüche. Es gibt von einem physikalischen Standpunkt aus Geruchspartikel, die an deine Nase kommen und dann riechst du sie. Aber du riechst nicht ein Objekt, sondern du nimmst nur Geruchspartikel in der Nase auf. Wichtig ist, das zu verstehen. So schaffst du in deinem Geist ein Universum von Gerüchen und Geschmäckern usw. Und des Weiteren hast du Konzepte vom Universum. Du hast Vorstellungen. Du benennst es. Du siehst einen Menschen und interpretierst ihn. Letztlich ist das ganze Universum nicht so, wie du es dir darstellst. Ich will das jetzt nicht zu sehr ausbauen, denn ich habe ja auch einen 20 Lektionen umfassenden Kurs Vedanta Meditation und Jnana Yoga gegeben, in dem es einen sehr langen Vortrag gibt und bei dem ich nachweise, dass die Welt nicht existiert. Das kann man tatsächlich logisch nachweisen. Hier geht es ja mehr um kurze Verse. Du könntest jetzt diesen Vers, in dem Shankara sagt, dass die Welt eine Illusion ist, so nehmen, dass du dir dessen bewusst bist und du die Welt nicht so ernst nimmst, vor allen Dingen deine Vorstellungen nicht so ernst. Du könntest auch sagen, dass du in deiner eigenen Vorstellung von der Welt lebst. Drei Menschen erleben das gleiche Ereignis und interpretieren es verschieden. Sei fasziniert. Du lebst in deiner Welt. Dein Partner, Partnerin, Kollege, Kollegin, Chef, Chefin, Yogaschüler, Yogaschülerin, leben alle in ihrer eigenen Welt. Wir leben auf diese Weise nicht alle in der gleichen Welt. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von der Welt. Wenn du dir das einmal bewusst machst, dass jeder in einer anderen Welt lebt, in einer Vorstellungswelt, in seiner Interpretationswelt, seiner Identifikationswelt, dann weißt du: Es gibt keine absolute Welt. Es gibt nur Vorstellungen von der Welt und diese Vorstellungen sind unterschiedlich und sie interagieren miteinander. Aber hinter allen Vorstellungen von der Welt, gibt es das eine Bewusstsein, das sich über verschiedene Körper manifestiert, über unterschiedliche Psychen und so unterschiedliche Formen von der Welt entwickelt.

In diesem Sinne sei heute mal besonders neugierig und sei dir bewusst, wie unterschiedlich Menschen diese Welt interpretieren, wie unterschiedlich Menschen diese Welt sehen. Nimm das mit einem gewissen Humor zur Kenntnis und dann erkenne: Ja, diese unterschiedlichen Weltenwahrnehmungen sind alles Illusionen. Oder du könntest sagen, sie sind alle unterschiedliche Projektionen. Nur der Projektor, der Projizierende, das Selbst ist überall gleich.

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