Viveka Chudamani – Vers 308

Deutsche Übersetzung:

308. Die Aktivitäten des Ego vor Augen haltend gib alle Anhaftungen an das Ich durch die Erfahrung der Höchsten Wirklichkeit auf. Durch die Selbstverwirklichung befreie dich von der Dualität (nirvikalpa), verweile in der Stille, in der Absoluten Wirklichkeit (brahman). Denn du hast jetzt dein unendliches Selbst (purnatman) erkannt /erfahren.

Sanskrit Text:

tato’ham-āder vinivartya vṛttiṃ
saṃtyakta-rāgaḥ paramārtha-lābhāt |
tūṣṇīṃ samāssvātma-sukhānubhūtyā
pūrṇātmanā brahmaṇi nirvikalpaḥ || 308 ||

ततो ऽहमादेर्विनिवर्त्य वृत्तिं
संत्यक्तरागः परमार्थलाभात् |
तूष्णीं समास्स्वात्मसुखानुभूत्या
पूर्णात्मना ब्रह्मणि निर्विकल्पः || ३०८ ||

tato’ham-ader vinivartya vrittim
santyakta-ragah paramartha-labhat |
tushnim samassvatma-sukhanubhutya
purnatmana brahmani nirvikalpah || 308 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tataḥ : dann, darauf (Tatas)
  • aham-ādeḥ : des Egos (Aham) usw. (Adi)
  • vinivartya : nachdem du eingestellt hast („eingestellt habend“, vi + ni + vṛt)
  • vṛttim : die Funktionen (Vritti)
  • saṃtyakta-rāgaḥ : als einer, der alles Verlangen (Raga) aufgegeben hat (Santyakta)
  • paramārtha-lābhāt : infolge des Erlangens (Labha) der höchsten Wirklichkeit (Paramartha)
  • tūṣṇīm : (innerlich) still (Tushnim)
  • samāssva : verweile (sam + ās)
  • ātma-sukhānubhūtyā : durch die Erfahrung (Anubhuti) der Glückseligkeit (Sukha) des Selbst (Atman)
  • pūrṇātmanā : als erfüllte (Purna) Seele (Atman)
  • brahmaṇi : im Absoluten (Brahman)
  • nirvikalpaḥ : frei von Dualität („nicht differenziert“, Nirvikalpa)     || 308 ||

Kommentar

Das ist wie eine Anleitung für zwischendurch. Du musst ja nicht warten, bis du die Gottverwirklichung erreicht hast. Halte dir kurz die Aktivitäten des Ego vor Augen. Zwischendurch kannst du einen Moment innehalten. Du kannst dir bewusst werden, wie sehr du dich mit deinen Gedanken und Emotionen identifiziert hast, dich identifizierst mit dem, was du getan hast oder zu tun hast. Es ist in Ordnung, wenn du im Alltag getrieben durch das Karma aktiv bist. So ähnlich wie ein Schauspieler, während der Abendvorstellung voll in seiner Rolle aufgeht. Aber danach, wenn die Zeit des Schauspiels vorbei ist, spüre einen Moment lang den Aktivitäten des Egos nach. Sei dir bewusst, was du denkst und fühlst. Lass einfach den Geist etwas schweifen, spüre die Gedanken, spüre den Atem. Beobachte.

Dann folgt das nächste: Gib die Anhaftungen an das Ich auf. Sei dir bewusst, dass dein Körper seine Funktionen hat. Dass Prana seine Funktionen hat. Die Psyche hat ihre Funktionen. Aber sei dir bewusst, dass du weder das Prana, noch der Körper noch die Psyche bist. Du bist das unsterbliche Selbst.
Shankara sagt in diesem Vers, dass du dich von der Dualität befreien sollst. Es geht Schritt für Schritt.
Erster Schritt: Nimm etwas Abstand. Beobachte. Zweiter Schritt: Höre auf, daran zu haften. Dritter Schritt: Gib die Dualität auf. Vierter Schritt: Verweile in der Stille, in der absoluten Wirklichkeit. Vielleicht willst du das machen. Vielleicht hast du jetzt einen Moment Stille. Einen Moment lang gehe in die Stille.
Vielleicht spürst du den Körper, den Atem oder das Herz. Vielleicht spürst du Gedanken, Empfindungen oder Gefühle. Jetzt löse dich davon. Sei dir bewusst, dass du nicht der Körper, nicht die Psyche, nicht die Empfindungen, nicht der Atem, nicht die Gedanken bist. Zuerst bist du der Beobachter, das ist wie eine Dualität. Du bist da und das Beobachtbare ist da. Und jetzt löse dich von der Dualität. Gehe in die einzige Stille und erfahre dich selbst als ewig und unendlich.

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