Viveka Chudamani – Vers 328

Deutsche Übersetzung:

328. Deshalb meide das Wünschen und Begehren, die Ursache allen Übels – so wie ein von einer Krankheit geplagter Mensch unzuträgliche Nahrungsmittel verschmäht.

Sanskrit Text:

saṃkalpaṃ varjayet tasmāt sarvānarthasya kāraṇam |
apathyāni hi vastūni vyādhi-grasto yathotsṛjet || 328 ||

संकल्पं वर्जयेत्तस्मात्सर्वानर्थस्य कारणम् |
अपथ्यानि हि वस्तूनि व्याधिग्रस्तो यथोत्सृजेत् || ३२८ ||

sankalpam varjayet tasmat sarvanarthasya karanam |
apathyani hi vastuni vyadhi-grasto yathotsrijet || 328 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • saṃkalpam : das Wünschen, Begehren (Sankalpa)
  • varjayet : man vermeide (vṛj)
  • tasmāt : daher, deshalb (Tasmat)
  • sarvānarthasya : allen (Sarva) Übels (Anartha)
  • kāraṇam : die Ursache (Karana)
  • apathyāni : unzuträgliche (Apathya)
  • hi : wahrhaft (Hi)
  • vastūni : Nahrungsmittel („Substanzen“, Vastu)
  • vyādhi-grastaḥ : ein von einer Krankheit (Vyadhi) geplagter (Grasta) Mensch
  • yathā : (so) wie (Yatha)
  • utsṛjet : verschmäht (ut + sṛj)     || 328 ||

Kommentar

Angenommen dir ist übel, dann ist es ganz normal, dass du keine Nahrungsmittel zu dir nimmst und wenig essen willst. Du weißt, dass es bei manchen Erkrankungen gut ist, manche Sachen nicht zu essen. Wenn du z.B. Bluthochdruck hast, dann ist es vor allen Dingen wichtig nicht zu viel zu essen, nicht zu fett zu essen, nicht zu viel Zucker zu essen, sondern viel Gemüse, Salat und Obst zu essen, und die Lebensmittel, die dir nicht zuträglich sind, wegzulassen.
Wenn du Hauterkrankungen wie Neurodermitis hast, dann weißt du vielleicht, welche Speisen dir nicht zuträglich sind und hoffentlich lässt du sie dann weg.

Genauso wenn du Gott verwirklichen willst, dann weißt du, dass es die Ursachen allen Übels gibt, nämlich die Wünsche und das Begehren. Shankara sagt, dass der Weise Wünsche und Begehren meide als Ursache allen Übels. Wie meidest du Wünsche und Begehren? Indem du dir zunächst einmal bewusst machst, dass sie die Ursache von Übel sind. Das ist wichtig.
Swami Sivananda hat öfters und gern gesagt: „Einfach leben – erhaben denken.“ Aus gesellschaftlichen Konventionen heraus brauchst du vielleicht das eine oder andere. Aber entwickele nicht so starke Wünsche. Du kannst überlegen, wo du überall Wünsche hast. Vielleicht hast du den Wunsch, dass dein Haus auf eine bestimmte Weise gestaltet ist. Vielleicht wünschst du dir einen bestimmten Teppich, eine bestimmte Wandfarbe usw. Dann könntest du sagen: „Okay, ich kaufe mir nicht den Teppich, den ich gerne hätte. Ich färbe meine Wände nicht so, wie ich sie gerne hätte. Aus dem einfachen Grund heraus, dass ich nicht der Sklave meiner Wünsche werden will.“

Anderes Beispiel: Du liebst es, in ein bestimmtes Restaurant zu gehen. Vielleicht lebst du auch in einer Großstadt, wo es auch vegane Restaurants gibt. Da ist es gut, die vegane Szene zu unterstützen. Aber mache daraus keine zu feste Gewohnheit. Gehe zwischendurch dort nicht essen.

Oder wieder ein anderes Beispiel: Angenommen du hast eine Verhaftung an eine bestimmte Apfelsorte entwickelt. Dann löse das auf und iss eine andere Apfelsorte.

Oder angenommen du lebst mit einem anderen Menschen zusammen und magst Kloputzen nicht. Dann übernimm das Kloputzen.

Oder angenommen du hast einen bestimmten Job und da gibt es einen Teil, den du ganz besonders gerne hast, dann gib ihn an jemand anderes ab. Werde frei.

Und jetzt mache dir selbst eine Liste, welche Wünsche, welches Begehren habe ich? Welches werde ich bewusst mal eine Weile nicht erfüllen?
D.h. nicht, dass du nichts haben musst. Du kannst auch verhaftet sein an das sogenannte Nichthaben. Aber es heißt, dass alles, wo du starke Wünsche hast, du Schritt für Schritt überwinden solltest. Fange mit dem Einfachsten an. So erreichst du die unendliche Glückseligkeit.

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