Viveka Chudamani – Vers 435

Deutsche Übersetzung:

435. Egal ob der Geist Angenehmes oder Unangenehmes, Erwünschtes oder Unerwünschtes erfährt, bleibt er unverändert durch Gleichmut – dies ist das Anzeichen für einen Jivan-mukta (zu Lebzeiten Befreiten).

Sanskrit Text:

iṣṭāniṣṭārtha-samprāptau sama-darśitayātmani |
ubhayatrāvikāritvaṃ jīvan-muktasya lakṣaṇam || 435 ||

इष्टानिष्टार्थसम्प्राप्तौ समदर्शितयात्मनि |
उभयत्राविकारित्वं जीवन्मुक्तस्य लक्षणम् || ४३५ ||

ishtanishtartha-sampraptau sama-darshitayatmani |
ubhayatravikaritvam jivan-muktasya lakshanam || 435 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • iṣṭāniṣṭārtha-samprāptau : beim Erlangen (Samprapti) von erwünschten (Ishta) und unerwünschten (Anishta) Dingen (Artha)
  • sama-darśitayā : durch das mit gleichen Augen Schauen (Samadarshita)
  • ātmani : im Geist (Atman)
  • ubhayatra : in beiden Fällen (Ubhayatra)
  • avikāritvam : das keiner Veränderung Unterworfensein (Avikaritva)
  • jīvanmuktasya : eines zu Lebzeiten Erlösten (Jivanmukta)
  • lakṣaṇam : (ist) das Kennzeichen (Lakshana)     || 435 ||

Kommentar

Woran erkennst du einen Jivanmukta, einen Lebendig-Befreiten? Darüber spricht Shankaracharya in diesen Versen. Er macht das nicht nur, damit du künftig genauer feststellen kannst, ob jemand lebendig befreit ist oder nicht, sondern auch damit du weißt, wie deine Zukunft ist und du dich darauf einrichten kannst. Dass du daran arbeiten kannst, dass du genauso sein wirst.
In diesem Sinne sagt er hier istanisartha, egal, ob du erlangst (Samprapti) erwünschte (Ishta) oder unerwünschte (Anishta) Dinge.
Du schaust das alles mit gleichen Augen an. Krishna sagt Ähnliches auch in der Bhagavad Gita. Er sagt, tue das, was du tun musst, so gut du kannst und dann lasse los. Was nachher dabei herauskommt, liegt nicht mehr bei dir. Was nachher dabei herauskommt ist letztlich das Karma. Der Bauer kann sein Feld pflügen. Er kann Getreide anbauen, aber dann muss er warten, wie das Wetter wird. Es nutzt nichts, wenn er sich anschließend ärgert oder sich ständig Sorgen macht. Eine gewisse Gleichmut ist notwendig. In diesem Sinne sei dir bewusst, dass du das unsterbliche Selbst bist. Du hast Aufgaben, die zu tun sind. Mache sie so gut, wie du kannst und lasse nachher los. Du kannst z.B. genauso jemanden fragen, ob das möglich ist. Vielleicht ist es möglich, vielleicht ist es nicht. Du könntest auch mit deinem Partner so ähnlich umgehen, mit deiner Partnerin. Äußere deine Wünsche, was du brauchst, was du willst, was du denkst, was richtig wäre, aber lasse anschließend los.
In diesem Sinne handle so gut, wie du kannst. Er sagt Ishta, Anistha. Das heißt es ist durchaus okay, wenn du Dinge hast, die du gern hast. Er sagt ja nicht, dass derjenige verwirklicht ist, der nichts hat, was er gerne hat. Er sagt nur, dass er beide mit Gleichmut betrachtet. Deshalb kannst du einen Vorschlag machen und dann lasse los. Oder ich war mal bei einem Vortrag, da wurde gesagt: Alle Gebete werden erhört, aber manchmal ist die Antwort nein.
In diesem Sinne entwickle Gleichmut, ob du das bekommst oder nicht.

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