Viveka Chudamani – Vers 363

Deutsche Übersetzung:

363. So gereinigt durch ständige Praxis (nirantara abhyasa vasha), wenn der Geist (manas) in Brahman aufgeht, geht Samadhi vom Savikalpa zum Nirvikalpa Zustand über und führt direkt dazu, die Wonne von Brahman, die Nicht-Dualität, zu erfahren.

Sanskrit Text:

nirantarābhyāsa-vaśāt tad itthaṃ
pakvaṃ mano brahmaṇi līyate yadā |
tadā samādhiḥ sa-vikalpa-varjitaḥ
svato’dvayānanda-rasānubhāvakaḥ || 363 ||

निरन्तराभ्यासवशात्तदित्थं
पक्वं मनो ब्रह्मणि लीयते यदा |
तदा समाधिः सविकल्पवर्जितः
स्वतो ऽद्वयानन्दरसानुभावकः || ३६३ ||

nirantarabhyasa-vashat tad ittham
pakvam mano brahmani liyate yada |
tada samadhih sa-vikalpa-varjitah
svato’dvayananda-rasanubhavakah || 363 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • nirantarābhyāsa-vaśāt : aufgrund (Vasha) ununterbrochener (Nirantara) Übungspraxis (Abhyasa)
  • tat : der (Tad)
  • ittham : auf diese Weise (Ittham)
  • pakvam : geläuterte („reife“, Pakva)
  • manaḥ : Geist (Manas)
  • brahmaṇi : im Absoluten (Brahman)
  • līyate : verschwindet, löst sich auf ()
  • yadā : wenn (Yada)
  • tadā : dann (Tada)
  • samādhiḥ : (wird) der Zustand der Versenkung (Samadhi)
  • sa-vikalpa-varjitaḥ : frei (Varjita) von Differenzierungen (Savikalpa )
  • svataḥ : von selbst (Svatas)
  • advayānanda-rasānubhāvakaḥ : (und) führt zur Empfindung (Anubhavaka) des Geschmacks (Rasa) der Glückseligkeit (Ananda) der Nicht-Dualität (Advaya)     || 363 ||

Kommentar

Ich möchte die einzelnen Wörter etwas kommentieren. Shankara sagt: nirantarābhyāsa-vaśāt: aufgrund (Vasha) ununterbrochener (Nirantara) Übungspraxis (Abhyasa). Das ist zunächst einmal wichtig zu verstehen. In diesen Versen lehnt sich Shankara sehr eng an das Yoga Sutra an. Es gibt ja auch einen Kommentar von Shankara über das Yoga Sutra. Und einige Verse im Viveka Chudamani sind sehr ähnlich wie die Bhagavad Gita. Manche sind sehr ähnlich wie die Katha Upanishad und manche wie das Yoga Sutra.
Hier nutzt er gerade einige Yoga Sutra. Patanjali sagt, dass du durch Vairagya und Abhyasa zu Samadhi kommst. Abhyasa ist die beständige Praxis. Zunächst einmal nirantara, d.h. ohne Unterbrechung. Patanjali würde noch Virgakala dazu sagen. Virgakala heißt über einen längeren Zeitraum. Und dann auch noch satch atkala, d.h. mit aufrichtiger Hingabe und mit Enthusiasmus. Wichtig ist also, dass du beständig übst. Mache es nicht so, dass du ab und zu mal meditierst und dann wieder nicht meditierst. Es ist wichtig täglich zu meditieren. Mache auch keine Ausnahme von den Sattva Regeln. Das kleine Gläschen Rotwein ab und zu oder das kleine Bierchen manchmal oder mal ein Steak essen, behindern deinen spirituellen Fortschritt mehr, als du denkst. Swami Sivananda hat mal gesagt, dass ein Tag ohne Meditation, zwei Tage Rückschritt sind. Sei konsequent. Übe jeden Tag.
Aber beständige Praxis ist nicht nur Meditation, sondern übe beständig daran, deinen Geist subtil werden zu lassen. Asanas, Pranayama, deine Ausdrucksweise, dein Umgang mit anderen Menschen, deine Musik, dein Internetleseverhalten, all das mache subtil.
Dann sagt Shankara weiter, ittham, auf diese Weise, pakvam, wird geläutert, manaḥ, der Geist. Durch beständige Übungspraxis ohne Unterbrechung wird dein Geist gereinigt und geläutert. Vieles ist erst einmal Reinigung. Und dann liyate, verschwindet, löst sich der Geist auf im Absoluten, in Brahman. Indem du deinen Geist subtiler machst, löst sich dein Geist in Brahman auf. Und dann, tada, kommt der Zustand der Versenkung, Samadhi. Diesen Samadhi-Zustand gibt es in zwei Stufen. Sarvikalpa, d.h. mit Differenzierung und Varjita Sarvikalpa Samadhi, d.h. ohne alle Identifizierungen. Es gibt also verschiedene Samadhistufen.
Es gibt auch verschiedene Stufen in der Meditation.
Zuerst einmal gilt es dich hinzusetzen. Asana.
Dann gilt es dich auf deinen Atem zu konzentrieren – Pranayama.
Danach gilt es deinen Geist ins Hier und Jetzt zu bringen, in eine meditative Stimmung zu bringen – Pratyahara.
Dann gilt es ein Meditationsobjekt zu wählen – Dharana.
Dann gilt es in meditative Versenkung hineinzufallen – Dhyana. Und so meditiere regelmäßig und irgendwann kommst du in einen überbewussten Zustand, Sarvikalpa Samadhi. Dann gehe noch tiefer und überwinde Sarvikalpa und gehe in Nirvikalpa Samadhi. Was passiert in Nirvikalpa Samadhi? Er führt zu Anubhava, d.h. zur Verwirklichung von Ananda, Glückseligkeit, der Nichtdualität, Advaiya.
Übe und praktiziere. Beständige Praxis führt zur Gottverwirklichung, zur Selbstverwirklichung, zum Höchsten. Frage dich jetzt einen Moment lang: Praktiziere ich wirklich regelmäßig, täglich?

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