Viveka Chudamani – Vers 315

Deutsche Übersetzung:

315. Genährt von diesen zwei – Gedanken an Sinnesobjekte und Ichbezogene Handlung – bewirken die vasanas weiter die Wiedergeburt. Das einzige Mittel, um diese drei – Anlage und Triebe, Gedanken an Sinnesobjekte und Ichbezogene Handlung – zu zerstören, ist, indem man alles – unter allen Umständen, immerdar …

Sanskrit Text:

tābhyāṃ pravardhamānā sā sūte saṃsṛtim ātmanaḥ |
trayāṇāṃ ca kṣayopāyaḥ sarvāvasthāsu sarvadā || 315 ||

ताभ्यां प्रवर्धमाना सा सूते संसृतिमात्मनः |
त्रयाणां च क्षयोपायः सर्वावस्थासु सर्वदा || ३१५ ||

tabhyam pravardhamana sa sute samsritim atmanah |
trayanam cha kshayopayah sarvavasthasu sarvada || 315 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tābhyām : durch diese beiden (Tad)
  • pravardhamānā : indem wächst, gedeiht (pra + vṛdh)
  • sā : der (geistige Eindruck, der Wunsch, Tad)
  • sūte : er bringt hervor ()
  • saṃsṛtim : den Daseinswandel (Samsriti)
  • ātmanaḥ : des Selbst (Atman)
  • trayāṇām : (dieser) drei (Traya)
  • ca : aber (Cha)
  • kṣayopāyaḥ : (es gibt) ein Mittel (Upaya) zur Vernichtung (Kshaya)
  • sarvāvasthāsu : in allen (Sarva) Zuständen (Avastha)
  • sarvadā : jederzeit (Sarvada)*     || 315 ||

*Anmerkung: Dieser Satz wird im folgenden Vers (316) fortgesetzt.

Kommentar

Genährt von diesen Zweien, Gedanken und Handlungen, werden die Vasanas stärker.
Es gibt Gedanken, die Vrittis. Es gibt Handlungen, die Karmas. Und es gibt Vasanas.
Angenommen du hast eine Neigung dazu, über andere zu schimpfen. Dann gibt es drei Dinge. Zunächst einmal gibt es Wünsche. Du hast den Wunsch, dass andere sich so oder so verhalten. Zum zweiten gibt es Gedanken. Du hast einen gewissen Gedanken und malst dir eine Situation aus, wie sie sein sollte. Und wenn das nicht geschieht, dann schimpfst du. Und so kommen alle drei zusammen. Vasana, die emotionale Komponente, vritti, sankalpa, die geistigen Eindrücke und die Handlung. Alles drei gehört zusammen. Wenn du eines dieser drei reduzierst, dann werden die beiden anderen auch reduziert.
Nehmen wir ein Beispiel. Angenommen du hast den Wunsch nach Schokolade. Da ist ein Wunsch, Vasana. Dann malst du dir öfters aus, dass das die allerbeste Schokolade ist. Vielleicht suchst du sogar heraus, welche Schokoladen gut sind. Vielleicht bist du Veganer und überlegst, was die besten veganen Schokoladen sind. Es gibt inzwischen eine große Auswahl für vegane Schokoladen. Als ich im Jahr 2011 Veganer wurde, gab es nicht so viele. Jetzt 2017 gibt es ein ganzes Universum von Schokoladen. Du kannst darüber nachdenken usw. Du kannst dir Informationen holen und dann folgt die Handlung. Handlung in diesem Fall heißt, du kaufst dir die Schokolade und isst sie. Indem du aus deinen Vasanas handelst, werden die Vasanas stärker. Wünsche werden nicht schwächer, wenn man sie erfüllt. In den meisten Fällen ist es so, dass Wünsche wachsen, wenn du sie erfüllst. Und so gilt es an allen dreien zu arbeiten.

Zum einen, wenn du bemerkst, dass du an Schokolade denkst, dann denke an ein Mantra, dehne deine Bewusstheit aus und beobachte die Gedanken, ohne dich zu identifizieren. Wenn du merkst, dass da eine Gier ist und du es unbedingt haben willst, dann lerne, die Emotionalität zu reduzieren, indem du merkst, dass von hier bis hier eine Energie ist, die sich als Gier oder Ärger manifestiert und sie dort wahrnehmbar ist, oder atme tief mit dem Bauch ein und aus. Oder wiederhole: Om-Zufriedenheit. Und dann beherrsche die Neigung, dir das tatsächlich zu kaufen und zu essen. Mache es einfach nicht. Wenn du das eine Weile machst, an allen drei Quellen zu arbeiten, verschwindet der Wunsch nach Schokolade.

Ein anderes Beispiel ist, wenn du zum Beispiel eine Neigung hast, ironisch-sarkastische Bemerkungen zu machen. Das kannst du in drei Schritten dir anschauen. Es gibt den gewissen Wunsch, sich über andere zu stellen. Eine Vasana, wichtiger zu erscheinen als andere. Darauf folgen die Gedanken, dass du Gedanken formulierst und schaust, was andere für Dummheiten machen, und anschließend entsteht daraus die Handlung. Du machst deine bissigen, spöttischen und ironischen Kommentare. All das verstärkt sich dann. Wunsch und Neigung, Vasana. Als zweites die Gedanken und als drittes die Handlung. Diese drei braucht es und diese drei schaffen dann Neigungen. Solange diese nicht überwunden sind, wirst du wieder und wieder widergeboren. Es gilt das zu unterbrechen.

Überlege, was eine starke Neigung von dir ist, die du immer wieder in Handlungen umsetzt und die nicht sattvig und positiv ist. Wie willst du sie angehen und überwinden?

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