Viveka Chudamani – Vers 461

Deutsche Übersetzung:

461. Solange man sich für den Körper hält, ist das Karma dieses Lebens (prarabdha) wirksam. Die Identifikation mit dem Körper ist ein Irrtum. Prarabdha muss aufgegeben werden.

Sanskrit Text:

prārabdhaṃ sidhyati tadā yadā dehātmanā sthitiḥ |
dehātma-bhāvo naiveṣṭaḥ prārabdhaṃ tyajyatām ataḥ || 461 ||

प्रारब्धं सिध्यति तदा यदा देहात्मना स्थितिः |
देहात्मभावो नैवेष्टः प्रारब्धं त्यज्यतामतः || ४६१ ||

prarabdham sidhyati tada yada dehatmana sthitih |
dehatma-bhavo naiveshtah prarabdham tyajyatam atah || 461 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • prārabdham : das im aktuellen Leben wirkende („begonnene“, PrarabdhaKarma)
  • sidhyati : wirkt („ist gültig“, sidh)
  • tadā : dann (Tada)
  • yadā : wenn (Yada)
  • dehātmanā : mit einem mit dem Körper (Deha) identifizierten Geist (stattfindet, Atman)
  • sthitiḥ : das Leben, Dasein (Sthiti)
  • dehātma-bhāvaḥ : die Überzeugung (Bhava), der Körper (Deha) sei das Selbst (Atman)
  • na : nicht (Na)
  • eva : gewiss (Eva)
  • iṣṭaḥ : wird als richtig erachtet („gewünscht“, Ishta)
  • prārabdhaḥ : das im aktuellen Leben wirkende („begonnene“, PrarabdhaKarma)
  • tyajyatām : soll (als Idee) losgelassen, aufgegeben werden  (tyaj)
  • ataḥ : daher, deshalb (Atas)     || 461 ||

Kommentar

Kannst du den Kopfstand immer noch nicht? Oder darfst du ihn nicht machen wegen Hals- und Nackenproblemen? Oder gibt es eine andere Asana, die du noch nicht kannst und fühlst du dich deshalb frustriert? Was kannst du tun?
Lauschen wir, was Shankara dazu sagt. Kommentar zum 461. Vers des Viveka Chudamani. Shankara schreibt:

„Solange man sich für den Körper hält, ist das Karma dieses Lebens (prarabdha) wirksam. Die Identifikation mit dem Körper ist ein Irrtum. Prarabdha muss aufgegeben werden.“

Mit anderen Worten, ob du den Kopfstand kannst oder nicht, hängt letztlich vom Karma ab. Du kannst natürlich üben und lernst ihn irgendwann. Oder du kannst ihn nicht üben, weil du bestimmte Hals- oder Nackenprobleme hast. Es spielt keine allzu große Rolle.
Solange, wie du dich für den Körper hältst, mag es bestimmte Dinge geben, die du auf den Körper beziehst. Aber sei dir bewusst, dass du nicht der Körper bist. Ob du den Kopfstand kannst oder den Handstand, bei der Vorwärtsbeuge die Zehen berührst oder nicht, spielt keine Rolle. Natürlich ist es gut, dich um den Körper zu kümmern. Shankara hat ja an einer anderen Stelle gesagt, dass es gut ist dein Bewusstsein subtil zu machen. Dem subtilen Geist fällt es leichter, Brahman zu erfahren. Wenn Körper und Psyche und Prana subtiler geworden sind, dann fällt es leichter, dich auf Brahman einzustimmen. Und wenn du so Brahman erfährst, dann geht vieles leichter. Natürlich geht alles leichter, wenn du Brahman wirklich erfährst. Aber es spielt keine allzu große Rolle, ob der Körper etwas tun kann oder nicht. Identifiziere dich nicht mit dem Körper. Identifiziere dich nicht mit dem Kopfstand oder dem Schulterstand oder was auch immer. Übe mit dem Körper, um ein subtileres Bewusstsein zu bekommen und Brahman zu erreichen. Aber es braucht weder Kopfstand noch irgendeine andere konkrete Asana. Lasse los!

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