Viveka Chudamani – Vers 239

Deutsche Übersetzung:

239. Die Weisen haben Einsicht in die Höchste Wahrheit, wo es keine Unterscheidungen/ keinen Unterschied gibt zwischen dem Erkennenden, dem Erkannten und dem Erkennen (jnatri, jneya, jnana) / anders ausgedrückt: Erkennender, Erkanntes und Erkenntnis eins sind. Die Höchste Wahrheit ist unendlich, jenseits aller Vorstellungen, nichts als absolutes, ungeteiltes Bewusstsein.

Sanskrit Text:

jñātṛ-jñeya-jñāna-śūnyam anantaṃ nirvikalpakam |
kevalākhaṇḍa-cin-mātraṃ paraṃ tattvaṃ vidur budhāḥ || 239 ||

ज्ञातृज्ञेयज्ञानशून्यमनन्तं निर्विकल्पकम् |
केवलाखण्डचिन्मात्रं परं तत्त्वं विदुर्बुधाः || २३९ ||

jnatri-jneya-jnana-shunyam anantam nirvikalpakam |
kevalakhanda-chin-matram param tattvam vidur budhah || 239 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jñātṛ-jñeya-jñāna-śūnyam : (als) frei (von der Unterscheidung zwischen, Shunya) dem Erkennenden (Jnatri), dem Erkannten (Jneya) und dem Erkennen (Jnana)
  • anantam : unendlich (Ananta)
  • nirvikalpakam : nicht differenziert, transzendent (Nirvikalpaka)
  • kevalākhaṇḍa-cin-mātram : nichts als (Matra) absolutes (Kevala), ungeteiltes (Akhanda) Bewusstsein (Chit)
  • param : die höchste (Para)
  • tattvam : Realität (Tattva)
  • viduḥ : erkennen (vid )
  • budhāḥ : die Weisen (Budha)     || 239 ||

Kommentar

Die Weisen (Budha) erkennen (vid) die Realität (Tattva), die höchste Realität (Para Tattva) und zwar als nichts anderes (Matra) als das absolute (kevala), ungeteilte (akhanda) reine Bewusstsein (Chid). Es ist transzendent und nicht differenziert (nirvikalpakam), jenseits aller Gedanken und unendlich (ananta).
Shankara sagt in diesem Vers, dass die Weisen es erkannt haben. Es ist nicht nur eine Theorie. Du kannst es erkennen. Du kannst es mit Jnana erkennen und verwirklichen. Es gibt Nirvikalpa Samadhi, so wie er es ja eben beschrieben hat. Du kannst den Bewusstseinszustand erreichen. So wie du aus dem Traum aufwachen kannst und siehst, dass der ganze Traum unwirklich war und nur aus dem Bewusstsein des Träumenden bestanden hat, so kannst du aus dieser Welt auch aufwachen, in den überbewussten Zustand hineingehen und erkennen und erfahren, dass es nur ein Bewusstsein gibt. Und dann weißt du, dass die ganze Welt, die du vorher wahrgenommen hast, nur aus dem Bewusstsein des Träumenden besteht.

Mache dir bewusst, dass hinter allem ein unendliches Bewusstsein steht. Es ist ungeteilt. Vielleicht gelingt es dir in der Meditation, es zu erahnen. Vielleicht gelingt es dir, zwischendurch einen Moment inne zu halten und deinen Geist zu lösen von Worten und Bildern. Vielleicht magst du es gleich tun, einen Moment die Augen schließen, Worte zum Stillstand bringen, Bilder zum Stillstand bringen, nur Bewusstsein erfahren, unendliches, ewiges Bewusstsein.

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