Viveka Chudamani – Vers 415

Deutsche Übersetzung:

415. Verwirkliche Atman als Wesen der ewigen, reinen Erkenntnis und Glückseligkeit! Nimm großen Abstand von dem begrenzten stumpfsinnigen/ dummen, unreinen Körper! Dann denke nicht mehr an ihn, denn ein Ding, das erbrochen wurde, ruft nur Abscheu / Ekel hervor, wenn es daran erinnert wird.

Sanskrit Text:

satata-vimala-bodhānanda-rūpaṃ sametya
tyaja jaḍa-mala-rūpopādhim etaṃ su-dūre |
atha punar api naiṣa smaryatāṃ vānta-vastu
smaraṇa-viṣaya-bhūtaṃ kalpate kutsanāya || 415 ||

सततविमलबोधानन्दरूपं समेत्य
त्यज जडमलरूपोपाधिमेतं सुदूरे |
अथ पुनरपि नैष स्मर्यतां वान्तवस्तु
स्मरणविषयभूतं कल्पते कुत्सनाय || ४१५ ||

satata-vimala-bodhananda-rupam sametya
tyaja jada-mala-rupopadhim etam su-dure |
atha punar api naisha smaryatam vanta-vastu
smarana-vishaya-bhutam kalpate kutsanaya || 415 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • satata-vimala-bodhānanda-rūpam : (das Selbst, dessen) Wesen („Form“, Rupa) ewige (Satata) unbefleckte (Vimala) Bewusstheit (Bodha) und Glückseligkeit (Ananda) ist
  • sametya : nachdem du erkannt hast („betreten habend“, sam + ā + i)
  • tyaja : lasse hinter dir (tyaj)
  • jaḍa-mala-rūpopādhim : (körperliche) Begrenzung (Upadhi) deren Wesen (Rupa) unbewusste (Jada) Unreinheit (Mala) ist
  • etam : diese (Etad)
  • su-dūre : in weiter Ferne (Sudura)
  • atha : dann (Atha)
  • punaḥ : wieder (Punar)
  • api : auch (Api)
  • na : nicht (Na)
  • eṣaḥ : dieser (Körper, Etad)
  • smaryatām : soll erinnert werden (smṛ)
  • vānta-vastu : (denn) eine abgelegte („erbrochene“, Vanta) Sache (Vastu)
  • smaraṇa-viṣaya-bhūtam : die das Objekt (Vishaya) der Erinnerung (Smarana) geworden ist (Bhuta)
  • kalpate : bewirkt (kḷp)
  • kutsanāya : Reue, Abscheu („Schmähung „, Kutsana)     || 415 ||

Kommentar

Das sind etwas krasse Worte und ich selbst würde es etwas anders ausdrücken. Shankara will mit diesen krassen Worten etwas Wichtiges ausdrücken. Moderne Aspiranten überbewerten den Körper. Sie überbewerten die Gesundheit. Sie messen den Grad ihres spirituellen Fortschrittes an ihrem Körper und ihrer Gesundheit des Körpers. Shankara sagt: „Höre auf damit!“ Du bist nicht der Körper.

Im ganzheitlichen Yoga sagen wir, dass du dich um den Körper kümmern und ihn gesund halten sollst. Im ganzheitlichen Yoga sagen wir auch, kümmere dich um deine Psyche. Entwickele deine geistigen Kräfte.
Im ganzheitlichen Yoga sagen wir auch, dass Gesundheit und Krankheit des Körpers auch von der Psyche beeinflusst werden. So kannst du durchaus über körperliche Probleme manchmal auch sagen, was in deiner Psyche ist. Du kannst an deinem Körper arbeiten, um an deiner Psyche zu arbeiten und an deiner Psyche arbeiten, um an deinem Körper zu arbeiten.
Es gibt aber eine gewisse Gefahr, dass moderne Aspiranten ihren Körper wieder zu ihrem Gott machen und, dass sie den Körper praktisch verehren. Und den Körper zum Maß von allem machen. Aber das ist eine unsinnige Sache. Man kann über den Körper an der Psyche arbeiten und über die Psyche am Körper arbeiten, aber dann löse dich von beidem. Du bist nicht der Körper. Du bist nicht die Psyche. Kümmere dich um den Körper wie um ein Instrument! Krishna sagt in der Bhagavad Gita, dass der Körper der Tempel der Seele ist. Er sagt es nicht genauso, sondern er sagt: „Ich bin im Körper. Quäle nicht den Körper. Wer den Körper quält, der quält mich, der ich im Körper bin.“

In diesem Sinne ist in deinem Körper das Selbst. Aber du bist das Selbst. Du bist nicht der Körper. Und so wie du nicht die Kleidung bist, bist du nicht der Körper. Mache dir das immer wieder bewusst! Erkenne dich als ewige reine Erkenntnis, reine Erkenntnis und Glückseligkeit! Identifiziere dich nicht mit dem Körper!

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