Viveka Chudamani – Vers 173

Deutsche Übersetzung:

173. Der Geist (manas) schafft Verlangen (raga) nach mancherlei Sinnesgenüssen im Körper und in Gedanken. Es bindet den Menschen wie ein Tier mit einem Strick. Später erzeugt es eine Abneigung gegen die selben Sinnesobjekte, als ob sie Gift wären, und befreit so den Menschen von der Bindung.

Sanskrit Text:

dehādi-sarva-viṣaye parikalpya rāgaṃ
badhnāti tena puruṣaṃ paśu-vad guṇena |
vairasyam atra viṣa-vatsu- vidhāya paścād
enaṃ vimocayati tan mana eva bandhāt || 173 ||

देहादिसर्वविषये परिकल्प्य रागं
बध्नाति तेन पुरुषं पशुवद् गुणेन |
वैरस्यमत्र विषवत्सु विधाय पश्चा-
देनं विमोचयति तन्मन एव बन्धात् || १७३ ||

dehadi-sarva-vishaye parikalpya ragam
badhnati tena purusham pashu-vad gunena |
vairasyam atra visha-vatsu vidhaya pashchad
enam vimochayati tan mana eva bandhat || 173 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • dehādi-sarva-viṣaye : in bezug auf sämtliche (Sarva) Sinnesobjekte (Vishaya) wie den Körper (Deha) usw. (Adi)
  • parikalpya : (der Geist) erzeugt (pari + kḷp)
  • rāgam : Verlangen (Raga)
  • badhnāti : (und) bindet, fesselt (bandh)
  • tena : damit (Tad)
  • puruṣam : den Menschen (Purusha)
  • paśu-vat : wie (Vat) ein Tier (Pashu)
  • guṇena : mit einem Strick (Guna)
  • vairasyam : eine Abneigung (Vairasya)
  • atra : in bezug auf diese (Sinnesobjekte, Atra)
  • viṣa-vatsu : als wären sie vergiftet (Vishavat)
  • vidhāya : empfindend („hervorbringend“, vi + dhā)
  • paścāt : später (Pashchat)
  • enam : diesen (Menschen, Ena)
  • vimocayati : befreit, erlöst (vi + muc)
  • tat : derselbe (Tad)
  • manaḥ : Geist (Manas)
  • eva : genau (Eva)
  • bandhāt : aus der Gefangenschaft, Bindung (an den Daseinswandel, Bandha)     || 173 ||

Kommentar

Vergnügen und Schmerz ist im Geist. Gebundenheit oder Befreiung ist im Geist.

Du siehst plötzlich im Internet ein Kleidungsstück und denkst, das muss ich haben. Dann ruhst du nicht, bis du das gefunden hast, bis du es irgendwo dir gekauft hast. Du hörst irgendwo, dass es ein neues Smartphone gibt und ein neues Iphone oder vielleicht in der Zukunft gibt es etwas ganz anderes. Das brauche ich unbedingt. Oder du hörst, dass es eine neue Prämie gibt in der Firma wenn man irgendwo der Mitarbeiter des Monats ist und prompt willst du es haben. Der Geist sucht nach diesen Vergnügen.

Der Geist kann dann aber auch Abneigungen haben. Irgendwo jemand ist nicht freundlich zu dir und du ärgerst dich über diesen Menschen. Jemand schaut dich schräg an und du bist ganz enttäuscht. Jemand gibt dir nicht die Anerkennung, die du meinst zu brauchen und sofort bist du enttäuscht.

Shankara sagt dir, löse dich davon. Der Geist ist die Ursache dafür. Er kann sich aber wieder lösen. Und so will ich gerade noch einmal auf die einzelnen Worte eingehen.

Im Bezug auf sämtliche Sinnesobjekte wie den Körper, dehadi, Körper, sarva, alle, und vishaye also alle Sinnesobjekte, die sich auf den Körper beziehen und parikalpia, die auch sich auf den Gedanken beziehen. Raga, dort entsteht das Verlangen. Batnati, und das bindet, tena, den Menschen damit. Purusham, den Menschen, pashuvat, wie ein Tier, gunena mit einem Strick.

Also die Wünsche binden dich wie ein Strick. Und war binden sie dich auf zweierlei Weise. Eben zum einen, du wünschst, du willst es haben. Aber umgekehrt das Gegenteil von raga ist ja dvesha. Du magst etwas nicht. Letztlich aus Wünschen entsteht auch Ärger und Abneigung usw.

Du wünschst, dass etwas so ist. Das ist nicht so. Du ärgerst dich darüber. Das sind Schwächen des Geistes. Du könntest dich davon lösen. Und so sagt er hier vairasya. Das heißt, die Ablösung von rasa, vairasya, atya, in Bezug auf diese, vishavatsu, als wären sie vergiftet. Und dann vidaya, wenn man das empfindet, pashshat, dann kann dieser Mensch, vimushayati, befreit werden, erlöst.

Und zwar tat, der selbe Geist, eva, kann aus der Bindung führen und in die Bindung führen. Also es liegt an dir. Du kannst einfach dich in die Bindung hineinführen. Oder du kannst dich davon lösen. Mein Tipp, mache dir heute oder morgen bewusst wie häufig der Geist dich in die Bindung führt. Wie häufig dort Vergnügen und Schmerz heraus kommen. Wieviel Emotionen, Kränkung, Ärger, Eifersucht, Gier, und Angst dort entsteht. Mache dir immer wieder bewusst, das ist alles aus deinem eigenen Geist.

Du kannst dich lösen von diesem Geist. Ja, du kannst dich lösen davon. Also löse dich. Und wenn du dich gelöst hast, dann erfährst du dich selbst als Satchidananda, als Sein, Wissen und Glückseligkeit.

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