Viveka Chudamani – Vers 288

Deutsche Übersetzung:

288. Löse das begrenzte Ich – durch ununterbrochene Meditation über deine wahre Identität – auf und verschmelze mit dem Höchsten Selbst, wie der in einem Glas eingeschlossene Raum sich mit dem unendlichen Raum verschmilzt, wenn das Glas zerbricht. Verharre stets in der Stille / in dem Frieden des Selbst, oh Weiser!

Sanskrit Text:

ghaṭākāśaṃ mahākāśa ivātmānaṃ parātmani |
vilāpyākhaṇḍa-bhāvena tūṣṇīṃ bhava sadā mune || 288 ||

घटाकाशं महाकाश इवात्मानं परात्मनि |
विलाप्याखण्डभावेन तूष्णीं भव सदा मुने || २८८ ||

ghatakasham mahakasha ivatmanam paratmani |
vilapyakhanda-bhavena tushnim bhava sada mune || 288 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ghaṭākāśam : den Innenraum („Raum“, Akasha) eines Topfes (Ghata)
  • mahākāśe : in den Weltraum („großen Raum“, MahaAkasha)
  • iva : so wie (Iva)
  • ātmānam : das (individuelle) Selbst (Atman)
  • parātmani : in das höchste Selbst (Paratman)
  • vilāpya : nachdem du eingehen lassen hast (vi + )
  • akhaṇḍa-bhāvena : durch (diese) Einheit (Akhandabhava)
  • tūṣṇīm : (innerlich) still (Tushnim)
  • bhava : sei (bhū)
  • sadā : stets, immerdar (Sada)
  • mune : oh Weiser (Muni)     || 288 ||

Kommentar

So rät uns Shankara, was wir machen können. Dieser Körper ist nur ein Gefäß. In diesem Körper ist das Selbst, außerhalb des Körpers ist das Selbst. Wenn du ein Gefäß hast, dann gibt es einen Raum innerhalb des Gefäßes und einen Raum außerhalb des Gefäßes. Aber in Wahrheit ist der Raum innerhalb des Gefäßes mit dem Raum außerhalb des Gefäßes eins.
So ähnlich ist in diesem Körper und dieser Psyche das unsterbliche Selbst. Das ist deine wahre Natur.
Angenommen du hast Streitigkeiten mit jemanden. Wer hat Streitigkeiten? Du bist das unsterbliche Selbst. Du bist der Atman, du bist das unsterbliche Selbst. Du bist unendlich und nicht begrenzt auf diesen Körper. Welche Bedeutung hat ein Streit? Ein Gefäß kämpft mit einem anderen. Ein Körper streitet mit einem anderen. Das ist so ähnlich, wie wenn zwei Blätter eines Baumes miteinander streiten. In beiden Blättern ist der gleiche Baum. Es gibt keinen Grund sich dort zu streiten. Daher erkenne, dass du das unsterbliche Selbst bist und wenn es eine kleine Auseinandersetzung gegeben hat, wie es vielleicht karmisch angemessen ist, du um die richtige Sache gerungen hast, dann ist das etwas, was Körper und Psyche betrifft. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman, ohne Grenzen. Daher wenn du dich mal mit jemanden nicht so gut verstehst, du dich streitest, dann verlasse die Identifikation mit Körper und Psyche. Dehne deine Bewusstheit aus. Du bist auch in dem, mit dem du Streit hast. Du bist auch in den Mitbeteiligten. Du bist auch in denen, die nicht mit dem Streit beteiligt sind. Du bist das unsterbliche Selbst. Erkenne das. Du bist nicht nur in diesem Körper, sondern auch außerhalb des Körpers. Überwinde die Begrenzung des Körpers und erfahre dich als unsterbliches Selbst. Dann spielt Streit keine Rolle mehr.

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