Viveka Chudamani – Vers 300

Deutsche Übersetzung:

300. Befreit von den Fesseln des Ego, sowie der Mond befreit wird von der Dunkelheit der Mondfinsternis, erlangt der Mensch zu seiner wahren Natur. Er wird rein / makellos, vollendet, ewig glückselig und strahlt aus sich heraus/selbstleuchtend.

Sanskrit Text:

ahaṅkāra-grahān muktaḥ sva-rūpam upapadyate  |
candra-vad vimalaḥ pūrṇaḥ sadānandaḥ svayaṃ-prabhaḥ || 300 ||

अहङ्कारग्रहान्मुक्तः स्वरूपमुपपद्यते |
चन्द्रवद्विमलः पूर्णः सदानन्दः स्वयंप्रभः || ३०० ||

ahankara-grahan muktah sva-rupam upapadyate |
chandra-vad vimalah purnah sadanandah svayam-prabhah || 300 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ahaṅkāra-grahāt : aus dem Griff (Graha) des Egos (Ahankara)
  • muktaḥ : befreit (Mukta)
  • sva-rūpam : seine wahre Natur (Svarupa)
  • upapadyate : (man) erlangt (upa + pad)
  • candra-vat : wie (Vat) der Mond (Chandra)
  • vimalaḥ : makellos (Vimala)
  • pūrṇaḥ : vollkommen („voll“, Purna)
  • sadānandaḥ : immer glückselig (Sadananda)
  • svayaṃ-prabhaḥ : aus sich selbst heraus leuchtend (Svayamprabha)     || 300 ||

Kommentar

Du magst dich fragen, warum du das Ego überwinden sollst. Die Yogaschriften sprechen davon, das Christentum spricht davon, die mystischen Traditionen oder auch überall, wo es darum geht, Gott zu erfahren, wird davon gesprochen. Erkenne dein Ego. Womit identifizierst du dich? Wo sind deine Ängste? Wo sind deine Sorgen? Wo hast du Bindungen?
Und dann geht es darum, die Bindungen zu überwinden. Aber warum solltest du die Bindungen überwinden? Warum solltest du überhaupt dein Ego überwinden?

Shankara sagt es wie folgt im 300. Vers:

ahaṅkāra-grahān muktaḥ sva-rūpam upapadyate |
candra-vad vimalaḥ pūrṇaḥ sadānandaḥ svayaṃ-prabhaḥ || 300 ||

„Befreit von den Fesseln des Egos, sowie der Mond befreit wird von der Dunkelheit der Mondfinsternis, erlangt der Mensch zu seiner wahren Natur. Er wird rein / makellos, vollendet, ewig glückselig und strahlt aus sich heraus/selbstleuchtend.“

Anhankara-grahan muktah. Muktah heißt befreit. Befreit aus graha, dem Griff des Ahankara, des Egos. Das gilt es erst einmal zu erkennen. Du bist im Griff des Egos.
Das ist wichtig. Es ist nicht deiner würdig. Ich will nicht im Griff des Egos sein. Ich bin eigentlich frei und das Ego packt mich, greift mich und das ist unsinnig und das will ich nicht.
Svarupa, man kommt zu seiner wahren Natur. Upapadyate, man erlangt sie und man erlangt sie, wenn man erkennt, dass man befreit wird von der Dunkelheit der Mondfinsternis. Und dann erlangt der Mensch seine wahre Natur. Und die Natur ist svayam-prabhah aus sich selbst heraus leuchtend, sadananda immer glücklich, purnah, vollkommen, vimala, makellos. Führe dir das vor Augen. Du bist jetzt und in diesem Moment vollkommen. Du bist jetzt und in diesem Moment reine Vollkommenheit. Du bist jetzt und in diesem Moment makellos, du leuchtest aus dir heraus. Du brauchst nichts. Du bist von nichts abhängig. Du bist reine Freiheit. Du hast alles, was du brauchst in dir. Befreie dich aus den Griffen des Ego, das denkt es braucht dieses und jenes. Natürlich muss auch der Befreite in dieser Welt seinem Dharma folgen und seine Aufgaben erledigen und seiner Verantwortung gerecht werden, aber brauchen tust du nichts. Erwarte nichts vom Äußeren. Tue deine Aufgabe, deine Pflicht und erkenne, dass du das unsterbliche Selbst, der Atman bist.

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