Viveka Chudamani – Vers 539

Deutsche Übersetzung:

539. Von Angst und Demütigung frei, haben die Weisen/ Wissenden zu Essen und trinken das Wasser der Flüsse, sie leben frei und unabhängig, ohne Furcht auf einem Verbrennungsplatz oder im Wald schlafend, ihr Gewand ist der Luftraum allein, der kein Waschen oder Trocknen braucht, die Erde ist ihr Lager, und sie wandern auf dem Pfad des Vedanta, während sie im Höchsten Absoluten verweilen.

Sanskrit Text:

cintā-śūnyam adainya-bhaikṣam aśanaṃ pānaṃ sarid-vāriṣu
svātantryeṇa niraṅkuśā sthitir abhīr nidrā śmaśāne vane |
vastraṃ kṣālana-śoṣaṇādi-rahitaṃ dig vāstu śayyā mahī
sañcāro nigamānta-vīthiṣu vidāṃ krīḍā pare brahmaṇi || 539 ||

चिन्ताशून्यमदैन्यभैक्षमशनं पानं सरिद्वारिषु
स्वातन्त्र्येण निरङ्-कुशा स्थितिरभीर्निद्रा श्मशाने वने |
वस्त्रं क्षालनशोषणादिरहितं दिग्वास्तु शय्या मही
सञ्चारो निगमान्तवीथिषु विदां क्रीडा परे ब्रह्मणि || ५३९ ||

chinta-shunyam adainya-bhaiksham ashanam panam sarid-varishu
svatantryena nirankusha sthitir abhir nidra shmashane vane |
vastram kshalana-shoshanadi-rahitam dig vastu shayya mahi
sancharo nigamanta-vithishu vidam krida pare brahmani || 539 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • cintā-śūnyam : ohne (Shunya) Sorgen (Chinta)
  • adainya-bhaikṣam : (sind) Almosen (Bhaiksha), die guten Mutes („ohne Niedergeschlagenheit“, erbettelt wurden, Adainya)
  • aśanam : das Essen (Ashana)
  • pānam : das Trinken (Pana)
  • sarid-vāriṣu : (ist) in den Wassern (Vari) der Flüsse (zu finden, Sarit)
  • svātantryeṇa : (ist) unabhängig (Svatantrya)
  • niraṅkuśā : (und) vollkommen frei (Nirankusha)
  • sthitiḥ : das Leben (Sthiti)
  • abhīḥ : ohne Furcht (Abhi)
  • nidrā : das Schlafen (Nidra)
  • śmaśāne : (geschieht) auf dem Verbrennungsplatz (Shmashana)
  • vane : (oder) im Wald (Vana)
  • vastram : die (aus Rinde usw. bestehende) Kleidung (Vastra)
  • kṣālana-śoṣaṇādi-rahitam : braucht weder („ist frei von“, Rahita) Waschen (Kshalana) noch Trocknen (Shoshana) usw. (Adi)
  • dik : der Luftraum (Dish)
  • vā : oder (Va)
  • astu : mag sein (as)
  • śayyā : das Bett („Lager“, Shayya)
  • mahī : (ist) die Erde (Mahi)
  • sañcāraḥ : der Wandel (Sanchara)
  • nigamānta-vīthiṣu : (ist) auf den Pfaden (Vithi) der Upanishaden (Nigamanta)
  • vidām : der Weisen („Wissenden“, vid)
  • krīḍā : das Vergnügen („Spiel“, Krida)
  • pare : (liegt) im höchsten (Para)
  • brahmaṇi : Absoluten (Brahman)     || 539 ||

Kommentar

Hast du vielleicht Angst vor dem sozialen Abstieg? Hast du vielleicht die Befürchtung, dass du gekündigt wirst? Hast du Angst, dass dein Unternehmen vielleicht pleitegeht? Hast du Angst, dass du etwas ethisch vielleicht nicht ganz Richtiges getan hast und es auffliegen wird, obwohl es schon Jahre zurückliegt?
Hast du Angst, dass dein Ruf ruiniert wird? Oder kommt eine Steuernachzahlung, die so hoch ist, dass du pleitegehst?
Hast du Angst auf der Straße zu landen, weil du die Miete nicht mehr zahlen kannst?

Lausche den Worten, was Shankara dazu sagt im Viveka Chudamani Vers 539:

„Von Angst und Demütigung frei, haben die Weisen/ Wissenden zu Essen und Trinken das Wasser der Flüsse, sie leben frei und unabhängig, ohne Furcht auf einem Verbrennungsplatz oder im Wald schlafend, ihr Gewand ist der Luftraum allein, der kein Waschen oder Trocknen braucht, die Erde ist ihr Lager, und sie wandern auf dem Pfad der Vedanta, während sie im Höchsten Absoluten verweilen.“

Es gibt in Indien das Konzept des Bettelmönches, des Wandermönches. Und diese sind glücklich und frei. Im schlimmsten Fall kannst du auch so leben. Vielleicht ist der Wandermönch in unseren Breiten nicht so einfach, aber es ist möglich. Im schlimmsten Fall lebst du von der Stütze. Im schlimmsten Fall mögen dich andere demütigen. Im schlimmsten Fall verlierst du deine Reputation. Es spielt keine Rolle. Du bekommst etwas zu essen in jedem Fall. Selbst wenn die Sozialhilfe nicht so hoch ist, reicht es zum Essen. Selbst du dir kein so großes oder ausreichend schönes Apartment leisten kannst, ein Dach über dem Kopf hast du und selbst wenn du mal das Leben eines Vagabunden ausprobieren willst, kann dich das glücklich machen.
Und so können die Wandermönche dir zeigen, dass du nichts brauchst. Auch in Indien haben die Wandermönche auch nicht unbedingt eine gute Reputation. Besonders nicht, wenn sie die formelle Einweihung nicht haben. Menschen, die am Straßenrand liegen, auf der Erde übernachten haben kein großes Ansehen. Aber manche davon sind vielleicht gottverwirklicht.

Und so bist du frei von Angst und Demütigung. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman, egal welchen Ruf du hast. Du hast genügend zu Essen, es muss ja nicht das tollste sein und selbst das Leitungswasser reicht. Du brauchst keine Smoothies usw. Notfalls schläfst du irgendwo am Straßenrand, in den Feldern, im Wald, kein Problem. Du brauchst auch keine tolle Kleidung. Wenn du den Pfad des Vedanta gehst, dann weißt du, dass dir nichts passieren kann. Und manchmal ist es gut, das Worst-Case-Szenario durchzuspielen. Du kannst sagen: Im schlimmsten Fall gehe ich in einen Yoga Vidya Ashram und werde dort Sevaka. Wenn mein Geschäft pleitemacht, meine Frau mich verlässt, wenn mein Vermieter mich rauswerfen, wenn meine Kinder mich loswerden wollen, wenn ein altes ethisches Problem mich auffliegen lässt und ich alles verliere, dann gehe ich in den Ashram oder im noch schlimmeren Fall lebe ich von der Stütze. Ich brauche nichts. Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman. Wenn du das einmal durchgespielt hast, dann brauchst du keine Angst mehr vor irgendetwas zu haben. Das Schlimmste ist nicht so schlimm. Denn egal was passiert, du bist das unsterbliche Selbst, der Atman.

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