Viveka Chudamani – Vers 362

Deutsche Übersetzung:

362. So wie Gold durch das Erhitzen im Feuer seine Fremdstoffe verliert und seinen eigenen Glanz gewinnt, so verliert auch der Geist durch Meditation seine Verunreinigungen, namentlich Sattva, Rajas und Tamas, und erreicht die Natur von Brahman.

Sanskrit Text:

yathā suvarṇaṃ puṭa-pāka-śodhitaṃ
tyaktvā malaṃ svātma-guṇaṃ samṛcchati |
tathā manaḥ sattva-rajas-tamo-malaṃ
dhyānena santyajya sameti tattvam || 362 ||

यथा सुवर्णं पुटपाकशोधितं
त्यक्त्वा मलं स्वात्मगुणं समृच्छति |
तथा मनः सत्त्वरजस्तमोमलं
ध्यानेन सन्त्यज्य समेति तत्त्वम् || ३६२ ||

yatha suvarnam puta-paka-shodhitam
tyaktva malam svatma-gunam samrichchhati |
tatha manah sattva-rajas-tamo-malam
dhyanena santyajya sameti tattvam || 362 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yathā : so wie (Yatha)
  • suvarṇam : Gold (Suvarna)
  • puṭa-pāka-śodhitam : das in dem Prozess des Einhüllens und Erhitzens (Putapaka) gereinigt (Shodhita) wurde
  • tyaktvā : verliert („aufgegeben habend“, tyaj)
  • malam : (seine) Verunreinigungen (Mala)
  • svātma-guṇam : (und) den Glanz („Vorzug“, Guna) seines eigenen Wesens (Svatman)
  • samṛcchati : erreicht (sam + )
  • tathā : genauso (Tatha)
  • manaḥ : der Geist (Manas)
  • sattva-rajas-tamo-malam : die Verunreinigung (Mala) der (Eigenschaften der Urnatur) Güte (Sattva), Leidenschaft (Rajas) und Dunkelheit (Tamas)
  • dhyānena : durch die Meditation (Dhyana)
  • santyajya : indem er verliert („aufgegeben habend“, sam + tyaj)
  • sameti : erreicht (sam + ā + i)
  • tattvam : die Wahrheit, (höchste) Realität (Tattva)     || 362 ||

Kommentar

Viveka Chudamani wird dem großen Meister Shankaracharya zugeschrieben. Er lebte um 800 n.Chr. Wir sind jetzt in einem Teil des Viveka Chudamani, in dem es um spirituelle Praktiken geht. Deshalb gibt es manche traditionellen Vedantins, die sagen, dass das vielleicht Verse sind, die nicht direkt von Shankara stammen. Shankara geht es um atmajnana, die Erkenntnis des Selbst und diese Verse, in denen er darüber spricht, dass der Geist subtil gemacht werden soll, dass Samadhi erreicht werden muss, beständige Meditation geübt werden soll, scheinen etwas anders zu sein.
Aber Shankara war ein Praktiker und er hat letztlich den ganzheitlichen Yoga gelehrt. Es gibt Werke, die dem Shankara zugeschrieben werden, die auf Pranayama gehen. Sie gehen darum, viel Pranayama zu üben.
Shankara hat mit Sicherheit einige Hymnen zur Verehrung von Shiva, zur Verehrung der Göttlichen Mutter und Krishna geschrieben. Wir singen zum Beispiel das Achutashtakam, die acht Strophen zur Verehrung von Krishna. Wir singen das Lingashtakam, die acht Strophen zur Verehrung von Shiva und so ähnlich gibt es auch die Lalita Sahasranam und die Kommentare von Shankaracharya und es gibt auch Saundarya Lahari, ein Werk über Tripura Sundari. So hat Shankara viele Werke geschrieben und hier im Viveka Chudamani bringt er eigentlich alles zusammen. Jetzt geht es um die Meditation.
Er sagt: Gold wird durch Erhitzen im Feuer gereinigt. Golderz ist nicht rein. Um daraus strahlendes Gold werden zu lassen, muss das Gold erhitzt werden, dann fließt das Gold heraus. Das sammelt man dann und dann kann man daraus wunderbaren Schmuck machen. So ähnlich gibt es in deinem Geist Sattva, Rajas und Tamas.
Es gibt tamassige Teile, wie z.B. mangelndes Selbstvertrauen, Müdigkeit und Schwere, Trägheit, Grobstofflichkeit.
Es gibt in deinem Geist Rajas, wie z.B. Unruhe, Gier, leichte Reizbarkeit, Ärger, Wünsche, Identifikationen, Besser-sein-Wollen als andere, etwas erreichen wollen usw.
All das gilt es zu überwinden und dazu trägt auch die Meditation bei. Wenn es dir bisher nicht gelingt, das höchste Selbst zu verwirklichen und du nach all diesen über 300 Versen immer noch nicht dein Selbst erkannt hast, dann nimm den Ratschlag von Shankara an und meditiere. Meditation und andere spirituelle Praktiken machen deinen Geist subtil. Und wenn deine Meditation oder deine Asanas und Pranayama manchmal nicht so sind, dass du das Gefühl hast, eine Bewusstseinserweiterung zu bekommen oder dein wahres Selbst zu verwirklichen, sei dir zumindest bewusst, dass beständige Praxis dir hilft, deinen Geist subtiler zu machen. Es erhöht dein Sattva und tatsächlich weiß man, dass Menschen, die regelmäßig meditieren, etwas ruhiger werden, etwas zufriedener werden, etwas mehr Freude haben. Langfristig gesehen immer mehr. Daher übe täglich Meditation und Asanas. Je mehr Meditation du übst, je mehr Asanas und Pranayama du übst, desto schneller wird dein spiritueller Fortschritt sein. Daher übe, mache dein Bewusstsein subtiler, dann wird dir nachher die Erkenntnis des Selbst leicht fallen.

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