Viveka Chudamani – Vers 441

Deutsche Übersetzung:

441. Wessen Gemütszustand gleich bleibt, ob er von Guten verehrt oder von Bösen geplagt wird, gilt als zu Lebzeiten befreit.

Sanskrit Text:

sādhubhiḥ pūjyamāne’smin pīḍyamāne’pi dur-janaiḥ |
sama-bhāvo bhaved yasya sa jīvan-mukta-lakṣaṇaḥ || 441 ||

साधुभिः पूज्यमाने ऽस्मिन्पीड्यमाने ऽपि दुर्जनैः |
समभावो भवेद्यस्य स जीवन्मुक्तलक्षणः || ४४१ ||

sadhubhih pujyamane’smin pidyamane’pi dur-janaih |
sama-bhavo bhaved yasya sa jivan-mukta-lakshanah || 441 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sādhubhiḥ : von guten Menschen (Sadhu)
  • pūjyamāne : wenn dieser verehrt wird (pūj)
  • asmin : in Bezug auf diesen (Körper, Idam)
  • pīḍyamāne : wenn dieser gepeinigt wird (pīḍ)
  • api : (oder) auch (Api)
  • dur-janaiḥ : von bösen Menschen (Durjana)
  • sama-bhāvaḥ : Gleichmut („Gleichheit“, Samabhava)
  • bhavet : fortbesteht („ist“, bhū)
  • yasya : wessen (Yad)
  • saḥ : der (Tad)
  • jīvan-mukta-lakṣaṇaḥ : (hat) die Kennzeichen (Lakshana) eines zu Lebzeiten Erlösten (Jivanmukta)     || 441 ||

Kommentar

Wie reagierst du auf Lob oder Tadel? Wie reagierst du, wenn Menschen dir große Anerkennung geben? Wie reagierst du, wenn Menschen gegen dich lästern oder sogar Stimmung gegen dich machen? Wie viel macht dir das aus?

Shankara rät dir Folgendes:

sādhubhiḥ pūjyamāne’smin pīḍyamāne’pi dur-janaiḥ |
sama-bhāvo bhaved yasya sa jīvan-mukta-lakṣaṇaḥ || 441 ||

Wessen Gemütszustand gleich bleibt, ob er von Guten verehrt oder von Bösen geplagt wird, gilt als zu Lebzeiten befreit.

Ich erzähle dir zwei Geschichten. Eine ist die Geschichte von Buddha. Buddha hatte zu seinen Lebzeiten viele zu Mönchen oder Nonnen gemacht. Er hat sie inspiriert und viele haben ihr früheres Leben aufgegeben. Und da gab es einige Familienmitglieder, die das gar nicht toll fanden und den Buddha beschimpft haben. Sie haben ihn ein Jahr lang beschimpft, schlecht gemacht vor anderen usw. und der Buddha blieb ganz ruhig. Schließlich sagte ein Gegner: „Du hast noch nicht mal Selbstrespekt und ich beschimpfe dich schon so lange, du reagierst überhaupt nicht. Du sitzt da wie eine Statue.“
Und Buddha antwortete in größter Güte: „Wenn jemand dir etwas anbietet und du nimmst es nicht an. Wem gehört es dann?“
Der Mann antwortete: „Natürlich dem, der es schenken wollte. Wenn es abgelehnt wurde, dann gehört es weiter dem Gebenden.“
Buddha erwiderte: „Du hast mir Geschenke angeboten. Ich habe sie nicht angenommen.“

Eine zweite Geschichte ist von einem großen Heiligen namens Eknath. Eknath war ein ganz großer Heiliger und er hatte einige Schüler. Die Schüler haben regelmäßig Paduka Puja gemacht, d.h. sie haben ihn verehrt, Pada Puja gemacht und ihm große Anerkennung gegeben. Sie haben ihn an Guru Purnima Blumen dargebracht usw.
Eines Tages gab es einen anderen Menschen, der den Eknath ganz schrecklich fand. Er bespuckte ihn und sagte: „Du Bösartiger. Du Schlimmer.“ 108 Mal beschimpfte und bespuckte er ihn. Beim 108. Mal öffnete Eknath seine Augen besonders stark, er lächelte dem Mann besonders zu. Aus seinen Augen kam ein Licht heraus und der andere fiel in Samadhi.
Seine Schüler fragten ihn: „Was ist denn jetzt los? Warum hast du ihm Samadhi gegeben? Und uns, die wir dich die ganze Zeit so verehren, hast du kein Samadhi gegeben? Warum nicht?“
Eknath lächelte und meinte: „Er hat gemeint, was er gesagt hat. Er war voll konzentriert auf mich und so konnte ich ihm Samadhi geben.“

So sind die großen Meister und die großen Heiligen. Egal, was Menschen ihnen antun oder sagen, sie bleiben gleichmütig.
Wie gleichmütig bist du? Wie gehst du mit Lob und Tadel um? Wie gehst du mit Respekt und mangelndem Respekt um? Lerne, es mehr gelassen zu sehen.

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