Viveka Chudamani – Vers 147

Deutsche Übersetzung:

147. Diese Bindung kann weder durch Wurf- noch durch Hieb- und Stichwaffen, noch durch Wind, noch durch Feuer, noch durch unzählige Taten (karma-koti) gelöst werden, sondern nur einzig alleine durch das groß(artige) Schwert (mahasi) der Erkenntnis der Unterscheidung (viveka-vijnana), das von Gottes süßer Gnade (prasada) geschärft worden ist.

Sanskrit Text:

nāstrair na śastrair anilena vahninā
chettuṃ na śakyo na ca karma-koṭibhiḥ |
viveka-vijñāna-mahāsinā vinā
dhātuḥ prasādena śitena mañjunā || 147 ||

नास्त्रैर्न शस्त्रैरनिलेन वह्निना
छेत्तुं न शक्यो न च कर्मकोटिभिः |
विवेकविज्ञानमहासिना विना
धातुः प्रसादेन शितेन मञ्जुना || १४७ ||

nastrair na shastrair anilena vahnina
chhettum na shakyo na cha karma-kotibhih |
viveka-vijnana-mahasina vina
dhatuh prasadena shitena manjuna || 147 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • na : nicht (Na)
  • astraiḥ : durch (magische) Wurfwaffen (Astra)
  • na : nicht
  • śastraiḥ : durch Hieb- und Stichwaffen (Shastra)
  • anilena : durch den Wind (Anila)
  • vahninā : durch Feuer (Vahni)
  • chettum : durchtrennt werden (chid )
  • na : nicht
  • śakyaḥ : (diese Bindung an das Nichtselbst) kann (Shakya)
  • na : nicht
  • ca : auch (Cha)
  • karma-koṭibhiḥ : durch zehn Millionen (Koti) Handlungen (Karman)
  • viveka-vijñāna-mahāsinā : durch das mächtige (Maha) Schwert (Asi) der Erkenntnis (Vijnana), die auf der Unterscheidungsfähigkeit (Viveka) beruht
  • vinā : außer (Vina)
  • dhātuḥ : des Schöpfers (Dhatri)
  • prasādena : Gnade (Prasada)
  • śitena : geschärft (Shita)
  • mañjunā : durch die süße (Manju)     || 147 ||

Kommentar

Wie überwindest du jetzt diese Bindung? Wie gelingt es dir, alle Bindungen zu überwinden? Wie gelingt es dir, letztlich das Ewige und das Unendliche zu erfahren?
Er hat vorher über Bindung gesprochen. Du bist gebunden an diesen Körper. Du bist gebunden an Identifikation. Du bist gebunden an deine Selbstbilder. Du bist gebunden an die Identifikation mit Verhaftungen. Wie wirst du das los?
Er sagt: Bekämpfen nutzt nichts. Angenommen, du ärgerst dich und sagst: Oh, jetzt habe ich mich ja schon wieder so stark identifiziert. Und dann schimpfst du über dich selbst oder bestrafst dich oder fastest als Selbstbestrafung. Das bringt alles wenig. Er sagt auch, auch spirituelle Praktiken an sich reichen nicht aus. Es nutzt nichts, wenn du jetzt gute Werke usw. tust. Was du machen musst: erkennen.
Angenommen, du hast eine Prüfung geschrieben, du hast Abitur auf dem 2. Bildungsweg gemacht oder irgendwo studiert, und du denkst, du hast eine Fünf geschrieben, also eine schlechte Note. Irgendjemand hat dir das vielleicht sogar gesagt, und du bist jetzt todtraurig.
Wie überwindest du jetzt diese Trauer, dass du so ein schlechter Schüler warst, dass du die Prüfung nicht bestanden hast? Willst du sie überwinden, indem du jetzt fastest oder fünf Runden Pranayama machst oder irgendetwas anderes tust?
Nein, du wirst sie überwinden, indem du das richtige Wissen bekommst. Und nimm an, du hast die Prüfung eigentlich bestanden, aber du hast ein falsches Gerücht gehört. In dem Moment, wo du erfährst, wo du weißt, dass du die Prüfung bestanden hast, sind die Probleme vorbei. In dem Moment, wo du weißt, du hast gut abgeschlossen, bist du zufrieden.
Und genau so: Du bist das unsterbliche Selbst, du bist der Atman, du bist Satchidananda.
Wie wirst du glücklich? Du wirst nicht glücklich, indem du dich jetzt um deinen Körper kümmerst oder indem du mehr Geld bekommst oder indem du Menschen dazu veranlasst, freundlicher zu dir zu sein.
Du wirst glücklich, wenn du erkennst: Anandoham – Ich bin Wonne. Du wirst glücklich, wenn du erkennst: Ich bin nicht der Körper, ich bin nicht die Psyche, ich bin weder introvertiert noch extravertiert, weder Vata noch Pitta noch Kapha, ich bin weder Mann noch Frau, weder jung noch alt.
Das gilt es sich immer wieder bewusst zu machen und zu erkennen. Und wenn du es erkannt hast, dann bist du glücklich.
Nutze das Schwert der Unterscheidung, wie Shankara es nennt. Also, er sagt, auch nicht durch „Karma Kothibihi“, auch nicht durch Millionen („Kothi“) von Handlungen, egal was du auch machst, wirst du die Bindungen überwinden. Aber durch „Viveka vignana maha sina“. „Maha“ heißt großartig, „Asi“ heißt Schwert. Also, durch „Maha sina“, durch das machtvolle Schwert der Erkenntnis, „Vignana“, die auf Unterscheidung, „Viveka“, beruht. Damit gewinnst du das.
Aber ganz so einfach bekommst du das auch nicht. Es reicht auch nicht, es allein durch eigenes Bemühen zu machen. Er erkennt, es braucht auch „Prasadena“, Gnade, „Dhatu“, des Schöpfers.
Also, das Schwert der Unterscheidungskraft, der Erkenntnis wird geschärft durch die süße Gnade des Schöpfers.
Daher nutze deine Erkenntnis, nutze das Schwert der Unterscheidungskraft, aber sei dir bewusst, aus eigener Anstrengung geht es auch nicht. Eine gewisse Gnade ist auch dabei.

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