Viveka Chudamani – Vers 316

Deutsche Übersetzung:

316. … überall, bei jeder Gelegenheit – einzig und allein als die Absolute Wirklichkeit (brahmamatra) sieht. Durch die Stärkung des Verlangens mit Brahman eins zu sein, werden diese drei vernichtet.

Sanskrit Text:

sarvatra sarvataḥ sarvaṃ brahma-mātrāvalokanaiḥ |
sad-bhāva-vāsanā-dārḍhyāt tat trayaṃ layam aśnute || 316 ||

सर्वत्र सर्वतः सर्वं ब्रह्ममात्रावलोकनैः |
सद्भाववासनादार्ढ्यात्तत्त्रयं लयमश्नुते || ३१६ ||

sarvatra sarvatah sarvam brahma-matravalokanaih |
sad-bhava-vasana-dardhyat tat trayam layamashnute || 316 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sarvatra : überall (Sarvatra)*
  • sarvataḥ : in jeder Hinsicht (Sarvatas)
  • sarvam : von allem (Sarva)
  • brahma-mātrāvalokanaiḥ : durch das Betrachten (Avalokana) als nichts als (Matra) das Absolute (Brahman)
  • sad-bhāva-vāsanā-dārḍhyāt : aufgrund der Festigkeit (Dardhya) des Verlangens (Vasana) nach der Wahrheit (Sadbhava)
  • tat : diese (Tad)
  • trayam : drei Dinge („Dreiheit“, Traya)
  • layam : zum Verschwinden (Laya)
  • aśnute : kommen („gelangen“, )     || 316 ||

*Anmerkung: Dieser Satz beginnt im vorangehenden Vers (315).

Kommentar

Im letzten Vers hat Shankara davon gesprochen, dass es diese Dreiheit gibt: Wunsch, Gedanke und Handlung. Du hast einen Wunsch, aus dem Wunsch kommt der Gedanke, aus dem Gedanken kommt eine Handlung. Oder du denkst an etwas, dadurch wird dein Wunsch aktiviert und es kommt eine Handlung. Die Wünsche können erst einmal entstehen, z.B. dadurch, dass du irgendwo liest, es gibt ein neues Smartphone. Du liest das. Du liest die Bewertungen. Dann entsteht langsam ein Wunsch. Dieser Wunsch wird stärker. Es entsteht eine Handlung. Vielleicht machst du das ein paar Mal, dass du immer das neueste Smartphone hast und so entsteht, wann immer du hörst, dass es ein neues Smartphone gibt, in dir sofort der Wunsch, es zu kaufen. Das ist wie eine Getriebenheit. Du überlegst nicht mehr, ob du das wirklich brauchst. Könnte ich das Geld nicht anders verwenden? Z.B. um jemand anderen zu unterstützen, um einem gemeinnützigen Verein zu helfen, spirituelles Wissen zu verbreiten, um Menschen, die Hunger haben, zu unterstützen oder was auch immer. Nein, du kaufst es sofort. Du bist beherrscht davon. Im vorigen Vers, im 315. Vers, hat Shankara gesagt, dass du an allen drei Stellen ansetzen sollst. Beherrsche deine Handlungen. Beherrsche deine Gedanken. Beherrsche deine Wünsche. Wünsche beherrschen heißt, deine Emotionalität zu ändern, denn wenn diese Gier da ist und du es unbedingt willst, dann lerne, dass du deine Emotionalität beruhigen kannst. Wenn die Gedanken da sind und du dir das vorstellst, visualisierst, Worte formulierst, ändere das. Beherrsche deine Handlungen. Tue nicht einfach das, was du willst.
Und hier im 316. Vers sagt Shankara noch etwas: Sei dir bewusst, dass du die absolute Wirklichkeit bist. Stärke das Verlangen in dir, diese absolute Wirklichkeit zu verwirklichen. Wenn du das tust, dann fällt es dir leicht das Göttliche jederzeit wahrzunehmen.

Jetzt überlege, an welchen Handlungsneigungen du scheinbar hilflos ausgeliefert bist und an denen du arbeiten willst. Denke darüber nach. Es heißt natürlich nicht, dass du immer alles beherrscht. Der Mensch hat Wünsche, Triebe, Gedanken, er handelt, alles ist ein kosmischer Traum, aber manches kannst du und solltest du beherrschen.

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