Viveka Chudamani – Vers 207

Deutsche Übersetzung:

207. Die Wonnehülle (anandamaya-kosha), Hülle der Glückseligkeit ist die Modifikation/Umwandlung der Unwissenheit, die auftaucht als Reflexion der Glückseligkeit (ananda-pratibimba) des Selbst. Freude etc. sind ihre Eigenschaften (priya-gunaka). Sie offenbart sich den Reinen als Früchte ihrer guten Taten als reine Glückseligkeit. Im Tiefschlaf ist sie für einen jeden auch ohne Anstrengung erfahrbar.

Sanskrit Text:

ānanda-pratibimba-cumbita-tanur vṛttis tamo-jṛmbhitā
syād ānanda-mayaḥ priyādi-guṇakaḥ sveṣṭārtha-lābhodayaḥ |
puṇyasyānubhave vibhāti kṛtinām ānanda-rūpaḥ svayaṃ
sarvo nandati yatra sādhu tanubhṛn-mātraḥ prayatnaṃ vinā || 207 ||

आनन्दप्रतिबिम्बचुम्बिततनुर्वृत्तिस्तमोजृम्भिता
स्यादानन्दमयः प्रियादिगुणकः स्वेष्टार्थलाभोदयः |
पुण्यस्यानुभवे विभाति कृतिनामानन्दरूपः स्वयं
सर्वो नन्दति यत्र साधु तनुभृन्मात्रः प्रयत्नं विना || २०७ ||

ananda-pratibimba-chumbita-tanur vrittis tamo-jrimbhita
syad ananda-mayah priyadi-gunakah sveshtartha-labhodayah |
punyasyanubhave vibhati kritinam ananda-rupah svayam
sarvo nandati yatra sadhu tanubhrin-matrah prayatnam vina || 207 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ānanda-pratibimba-cumbita-tanuḥ : in einer Erscheinungsform („Körper“, Tanu), die von einer Reflexion (Pratibimba) der Glückseligkeit (des Selbst, Ananda) unmittelbar berührt („geküsst“, Chumbita) wird
  • vṛttiḥ : (geistige) Modifikation („Fluktuation“, Vritti)
  • tamo-jṛmbhitā : eine aus der Unwissenheit („Finsternis“, Tamas) hervorgegangene (Jrimbhita)
  • syāt : ist („sei“, as)
  • ānanda-mayaḥ : die aus Wonne bestehende (Hülle, Anandamaya)
  • priyādi-guṇakaḥ : mit den Eigenschaften (Gunaka) Freude („Liebes“, Priya) usw. (Adi)
  • sveṣṭārtha-lābhodayaḥ : deren Ursprung (Udaya) das Erlangen (Labha) einer Sache (Artha) ist, die einem lieb ist („erwünscht“, Sveshta)
  • puṇyasya : von etwas Gutem, Verdienstvollem (Punya)
  • anubhave : bei der Erfahrung (Anubhava)
  • vibhāti : sie erscheint, manifestiert sich (vi + bhā)
  • kṛtinām : den Tugendhaften (Kritin)
  • ānanda-rūpaḥ : in Form (Rupa) von Glückseligkeit (Ananda)
  • svayam : spontan („von selbst“, Svayam)
  • sarvaḥ : ein jeder (Sarva)
  • nandati : Freude verspürt (nand)
  • yatra : in welchem Falle (Yatra)
  • sādhu : in einer friedvollen („guten“) Weise (Sadhu)
  • tanubhṛn-mātraḥ : solange er nur (Matra) einen (menschlichen) Körper hat (Tanubhrit)
  • prayatnam : Anstrengung, Bemühung (Prayatna)
  • vinā : ohne (Vina)     || 207 ||

Kommentar

Anandamaya Kosha ist die Hülle, die aus Wonne besteht. Was ist diese Hülle?
Sie ist virtti, eine Modifikation und zwar tamo-jṛmbhitā eine aus Unwissenheit, aus Finsternis hervorgegangene Hülle.
Sie ist ananda, Freude, Pratibimba, d.h. Reflexion der Glückseligkeit. In der Wonnehülle gibt es ananda-pratimba, die Reflexion der Wonne. Und zwar unmittelbar berührt, cumbita, tanuḥ, in einer Erscheinungsform vom Körper. Oder tanuh, auch ausgedünnt. Die Ananadamya Kosha priyādi-guṇakaḥ. Sie hat Eigenschaften der Freude und Liebe. Priya, Adi usw. Ihr Ursprung, Udaya, das Erlangen, Labha, einer Sache, Artha, die einem lieb ist, sveshta. Und das kann z.B. passieren, wenn man punyas angehäuft hat, also Verdienstvolles. Dabei entsteht anubhava, diese Erfahrung. So manifestiert sich, vibhati, die anandamaya kosha krtinam, den Tugendhaften. Und zwar als ananda-rupah, in Form von Glückseligkeit. Svayam, ganz von selbst, spontan. Aber ein jeder, sarva nandati, spürt diese Freude, ytara, in jedem Fall, sadhu, in einer friedvollen Weise, tanubhṛn-mātraḥ: solange er nur einen (menschlichen) Körper hat, in diesem Fall im Tiefschlaf. Prayatnam, Anstrengung, vina, ohne Bemühung.
Shankara will sagen, dass die anandamaya Kosha die Wiederspiegelung des Selbst ist. Anandoham – ich bin Freude – ist eine der großen Aussagen im Vedanta.
Sat-Chid-Ananda-Swarupoham – Meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit. Ananda, das bin ich und dieser Ananda ist deine wahre Natur. Dieses Ananda wird immer wieder reflektiert.
Er nennt hier drei Beispiele, wie Ananda kommen kann:

Die erste Möglichkeit ist, Ananda kann z.B. kommen, wenn du etwas erreicht hast. Du hattest einen Wunsch, er hat sich realisiert und du bist momentan glücklich. Warum bist du glücklich? Wegen der Sache? Nein, denn die gleiche Sache, wenn du sie längere Zeit hast, macht dich nicht glücklich. Was passiert wenn du einen Wunsch hattest, er sich erfüllt hat, dann hast du vorübergehend keine Gedanken und keine anderen Wünsche mehr. Der Geist ist ruhig. Ist der Geist ruhig dann strahlt die Freude des Selbst auf. Es ist noch nicht die reine Freude aber die Widerspiegelung der reinen Freude in der anandamaya Kosha. Eine Möglichkeit, Freude zu erfahren, ist, wenn du einen Wunsch hattest oder etwas wolltest, und es erreicht hast.

Die zweite Möglichkeit Freude zu erreichen, ist priya, also wenn du Liebe erfährst. Wenn du Liebe erfährst, dann gehst du aus deiner Individualität heraus. Wenn du zu einem Menschen oder einer Gruppe von Menschen, Liebe spürst oder wenn du eine Liebe im Wald verspürst oder zur Erde, zum Himmel, zu einem Göttlichen, dann strahlt dort Freude auf. In dem Moment, wo du aufhörst dich mit Individualität zu beschäftigen, wenn du von einer Individualität wegkommst, kommt Freude.

Die dritte Möglichkeit, Freude zu erreichen, ist punya. Punya, Verdienst, also wenn du das Richtige gemacht hast. Wenn du getan hast, was zu tun ist, wenn du einer Aufgabe gerecht geworden bist, wenn du es ethisch ausgeführt hast, ohne dich zu identifizieren, wenn du dich als Instrument gefühlt hast, auch dann entsteht Freude. Auch wenn du einfach entspannst entsteht Freude. Wenn du ganz entspannt bist, an nichts Besonderes denkst, ist in dem Moment auch Freude da. Wenn du konzentriert bist kommt ganz von selbst die Freude. Oder auch im Tiefschlaf kommt Freude, ist Freude da.

Wenn du also Freude erfahren willst, dann genieße den Moment, nachdem du etwas erlangt hast, eine Weile, aber denke nicht, dass die Freude da ist, weil du etwas erlangt hast, sondern weil du etwas erlangt hast, ist vorübergehend der Geist ruhig und weil der Geist vorrübergehend ruhig ist, spürst du die Freude von Anandamaya Kosha. Genieße Momente der Liebe und wisse, Momente der Freude sind Momente des Selbst. Die Freude kommt nicht, weil du den Menschen liebst, oder der andere dich liebt, sondern die Liebe ist eine Möglichkeit, dass deine Individualität vorübergehend weg ist. Und wenn die Individualität vorübergehend weg ist, dann leuchtet das Selbst auf. Das ist Liebe, das ist Freude. Wenn du ganz konzentriert bei Etwas bist, nicht daran denkst, was in der Zukunft wird, keine Gedanken hast über die Vergangenheit, wenn du ganz konzentriert bei etwas bist, oder einfach ganz loslässt, dann strahlt die Freude auf und wenn du das Richtige tust, wenn du das Gefühl hast, du hast nach bestem Wissen und Gewissen dich entschlossen und du hast das getan, um Gutes zu bewirken, ohne dich zu identifizieren, du fühlst dich als Instrument, dann ist Freude da. Und auch im Tiefschlaf ist Freude da und so überlege nochmals zum einen, wann erfährst du tiefe Freude? Stimmt diese Analyse in etwa? Und könntest du mehr Freude erfahren, wenn du diese Prinzipien in der einen oder anderen Weise umsetzt?

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