Viveka Chudamani – Vers 217

Deutsche Übersetzung:

217. Derjenige, der im Wachen, im Traum und im Tiefschlaf klar als Bewusstsein in Erscheinung tritt, der Eine, der ewig im Inneren als das Ich , die Gedanken und Gefühle mit ihren verschiedenen Formen und Veränderungen sieht, der sich immerdar (nitya) als Glückseligkeit (ananda) und Bewusstsein (cid-atman) offenbart: den erkenne als das Selbst (atman) in dem Herzen!

Sanskrit Text:

jāgrat-svapna-suṣuptiṣu sphuṭataraṃ yo’sau samujjṛmbhate
pratyag-rūpatayā sadāham aham ity antaḥ sphurann ekadhā |
nānākāra-vikāra-bhāgina imān paśyann ahaṃ-dhī-mukhān
nityānanda-cid-ātmanā sphurati taṃ viddhi svam etaṃ hṛdi || 217 ||

जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तिषु स्फुटतरं यो ऽसौ समुज्जृम्भते
प्रत्यग्रूपतया सदाहमहमित्यन्तः स्फुरन्नेकधा |
नानाकारविकारभागिन इमान्पश्यन्नहंधीमुखान्
नित्यानन्दचिदात्मना स्फुरति तं विद्धि स्वमेतं हृदि || २१७ ||

jagrat-svapna-sushuptishu sphutataram yo’sau samujjrimbhate
pratyag-rupataya sadaham aham ity antah sphurann ekadha |
nanakara-vikara-bhagina iman pashyann ahan-dhi-mukhan
nityananda-chid-atmana sphurati tam viddhi svam etam hridi || 217 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jāgrat-svapna-suṣuptiṣu : im Wachzustand (Jagrat), Traum (Svapna) und Tiefschlaf (Sushupti)
  • sphuṭataram : in völliger Klarheit („sehr klar“, Sphuta-tara)
  • yo’sau : derjenige, der („welcher“, Yad Adas)
  • samujjṛmbhate : erscheint, sich  manifestiert („sich ausdehnt“, sam + ud + jṛmbh)
  • pratyag-rūpatayā : in Form (Rupata) der Individualseele (Pratyanch)
  • sadā : immer (Sada)
  • aham aham : ich, ich! (Aham)
  • iti : als („so“, Iti)
  • antaḥ : im Innern (Antar)
  • sphuran : die aufblitzt („erscheinend“, sphur)
  • ekadhā : in einem fort (Ekadha)
  • nānākāra-vikāra-bhāginaḥ : die Anteil haben (Bhagin) an verschiedenartigen (Nanakara) Veränderungen (Vikara)
  • imān : diese (Ayam)
  • paśyan : (der) sieht („sehend“, paś)
  • ahaṃ-dhī-mukhān : das Ego (Aham), den Intellekt (Dhi) usw. („zum Anfang habend“, Mukha)
  • nityānanda-cid-ātmanā : in Form („Wesen“, Atman) von ewiger Glückseligkeit (Nityananda) und reinem Bewusstsein (Chid)
  • sphurati : der sich manifestiert („erscheint“, sphur)
  • tam : diesen (Tad)
  • viddhi : erkenne („wisse“, vid)
  • svam : Selbst (Sva)
  • etam : (als) das (Etad)
  • hṛdi : im Herzen (Hrid)     || 217 ||

Kommentar

Was ist das Selbst? Zunächst einmal spricht Shankara von jāgrat-svapna-suṣuptiṣu, also derjenige, der im Wachzustand (Jagrat), im Traum (Svapna) und im Tiefschlaf (Sushupti) immer da ist sphuṭataram in völliger Klarheit, der sich manifestiert und ausdehnt und dieser ist auch derjenige, der sich als Individualseele manifestiert oder erscheint also pratyag-rūpatayā, die Form annimmt der Individualseele.

Und das ist derjenige, der im Inneren erfahren wird als aham aham ich, ich! Im Inneren Antha und dieser blitzt auf sphuran und zwar immer, in einem fort ekadha.

Und dieser hat immer Anteile Bhagin an verschiedenartigen (Nanakara) Veränderungen (Vikara). Diese ayam sieht pasyam alle Manifestationen des Ego also Aham, Dhi, den Intellekt und alle anderen, also Manas, Chitta usw.

Dieses höchste Selbst hat als wahre Wesenheit Atman, das Selbst und zwar Nityananda, ewige Glückseligkeit und Chid Bewusstheit. Dann sagt er dieses tam, erkenne viddhi als svam, als das Selbst und zwar wo? Hridi im Herzen.

Das ist das Selbst. Du kannst es tief im Herzen erfahren. Du kannst es in der Tiefe deines Wesens erfahren. Da ist das Selbst. Wenn du ganz nach innen gehst, da ist das Selbst. Und wie erfährst du das Selbst?
Als unbedingte Freude, als Ananda, als Chid, als Bewusstheit und als unendliches Sein. Mit anderen Worten Sat-Chid-Ananda-Swarupoham – Meine wahre Natur ist Sein-Wissen-Glückseligkeit. Und warum bin ich Sein-Wissen-Glückseligkeit?

Zunächst einmal weiß ich, dass es mich geben muss. Warum muss es mich geben? Wenn ich frage: „Wer bin ich?“ Dann muss es jemanden geben, der diese Frage stellt. Wie Descartes gesagt hat: „Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich.“
In diesem Sinne dadurch, dass ich als Wesen denke, dadurch gibt es mich. Ich bin nicht die Gedanken, nicht der Geist, aber es gibt mich. Und warum gibt es mich? Weil ich selbst fragen kann, wer ich bin. Aber ich bin nicht einfach nur abstrakt, sondern ich bin auch bewusst. Nicht nur bin ich Sat im Sinne von Sein, es muss mich geben, weil ich frage, ob es mich gibt. Und nicht nur frage, ob es mich ganz abstrakt gibt, sondern ich bin auch Chid, Bewusstsein. Ich bin bewusst. Sat Chid.
Und das dritte ist das, was logisch nicht ganz so zugänglich ist. Warum bin ich Ananda – Freude? Hier kann man nur die Erfahrung analysieren. Wenn man die Erfahrung oder das Gefühl hat ganz bei sich zu sein, dann ist Ananda da. Und wenn wir die Erfahrung von Weite, von Ausdehnung, von Verbundenheit haben, also das Sat, dann ist Wonne da. Deshalb bin ich Sein-Wissen- und Glückseligkeit.
Warum bin ich unendliches Sein? Man könnte ja auch sagen, dass ich bin, aber muss ich unbegrenzt sein? Das Selbst ist derjenige oder dasjenige, das alles beobachtet.
Angenommen ich wäre begrenzt, dann könnte ich Grenzen beobachten. Ich könnte die Grenzen von innen und von außen beobachten. Wenn ich die Grenzen beobachten kann, dann bin ich nicht die Grenze.
Wenn ich beobachten könnte, wie ich eine gewisse Ausdehnung hätte, wäre ich jemand anderes als derjenige, der Ausdehnung hat.
Und wenn ich beobachten kann, wie ich begonnen habe, dann muss ich schon existiert haben, um das Entstehen von mir beobachten zu können.

In diesem Sinne muss das Selbst unendlich und ewig sein. Jede Grenze wäre beobachtbar und derjenige oder dasjenige, was beobachtet ist dann wiederum grenzenlos. Daher Sat-Chid-Ananda, das ist meine wahre Natur. Und diese wahre Natur kann auch aufblitzen als Freude. Sie bleibt immer erhalten im Wachen, Träumen und Schlafen. Sie ist immer da. Wenn du tief ins Herz gehst, dann erfährst du dich selbst als Freude. Vielleicht willst du das gerade machen?

In diesem Moment dich als Freude empfinden, indem du ins Herz gehst. Du kannst dich auch als Sat empfinden, indem du dein Bewusstsein ausdehnst und dich als Weite und Unendlichkeit erfährst. Oder du könntest auch sagen, dass du das unsterbliche Selbst bist und das erreichst du, indem du dir vorstellst, wer war ich, bevor es den Körper gab? Und wer bin ich ohne Körper und Psyche?

Audio

Video

Ein Gedanke zu „Viveka Chudamani – Vers 217“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.