Viveka Chudamani – Vers 254

Deutsche Übersetzung:

254. Das was jenseits von Herkunft, Religion, Familie und Abstammung, frei von Namen, Formen, Verdienst oder Mangel ist, jenseits von Raum, Zeit und Sinnesobjekte ist – das ist Brahman, die Absolute Wirklichkeit. „Tat tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

Sanskrit Text:

jāti-nīti-kula-gotra-dūragaṃ
nāma-rūpa-guṇa-doṣa-varjitam |
deśa-kāla-viṣayātivarti yad
brahma tat tvam asi bhāvayātmani || 254 ||

जातिनीतिकुलगोत्रदूरगं
नामरूपगुणदोषवर्जितम् |
देशकालविषयातिवर्ति य-
द्ब्रह्म तत्त्वमसि भावयात्मनि || २५४ ||

jati-niti-kula-gotra-duragam
nama-rupa-guna-dosha-varjitam |
desha-kala-vishayativarti yad
brahma tat tvam asi bhavayatmani || 254 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jāti-nīti-kula-gotra-dūragam : jenseits (Duraga) von Kaste („Geburt“, Jati), Religionszugehörigkeit („Etikette“, Niti), Familie (Kula) und Abstammungslinie (Gotra) ist
  • nāma-rūpa-guṇa-doṣa-varjitam : frei von (Varjita) Name (Naman) und Form (Rupa), Vorzug (Guna) und Fehler (Dosha) ist
  • deśa-kāla-viṣayātivarti : über Raum (Desha), Zeit (Kala) und Dinge („Objekte“, Vishaya) hinausgeht (Ativartin)
  • yat : was (Yat)
  • brahma : das Absolute (Brahma)
  • tat : das (Tad)
  • tvam : du (Tvam)
  • asi : bist (Asi)
  • bhāvaya : (darüber) meditiere (bhū)
  • ātmani : im Geist (Atman)     || 254 ||

Kommentar

Das ist der Beginn einer Versreihe, die den Refrain hat brahma tat tvam asi bhāvayātmani. Brahman (DAS) tat tvam asi (bist du) Bhavayatmani. Darüber meditiere atmani (in deinem Selbst). Also meditiere darüber. Worüber sollst du meditieren?
Meditiere darüber, dass du tat tvam asi bist, Brahman bist. Und was ist Brahman? Brahman ist das, was jenseits von jati ist, also jenseits von deiner Geburt, von deinem Stand, in den du geboren worden bist, jenseits von niti, einer Religionszugehörigkeit und Etikette, jenseits von Kula, von Familie, von Gotra, der Abstammungslinie. Du bist derjenige, der Abseits von all dem ist, duraga.
Mache dir das bewusst.

Identifiziere dich nicht mit deiner sozialen Schicht, identifiziere dich nicht mit deiner Religion, identifiziere dich nicht mit deiner Familie, deinen Eltern, Kindern usw. Du bist jenseits von nama (Name). Identifiziere dich also nicht mit deinem Namen, deinem spirituellen Namen, deinem Vornamen oder Nachnamen. Du bist all das nicht. Identifiziere dich nicht mit den Namen und auch nicht mit Namen, die andere Menschen dir geben. Identifiziere dich nicht, wenn Menschen sagen, dass du das großartig gemacht hast oder dumm gemacht hast, du dumm bist. Das sind alles nur Worte (Nama).

Identifiziere dich auch nicht mit Rupa (deiner Form). Manche Menschen denken sie sind zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein. Ich habe eine zu große Nase, zu kleine Nase, zu dicke Nase usw.
Identifiziere dich nicht mit dieser Form.

Identifiziere dich auch nicht mit Guna. Guna sind Eigenschaften. Im Sinne von du fühlst dich gerade sehr subtil oder aufgeregt oder ängstlich. Das sind alles Gunas.

Identifiziere dich auch nicht mit Dosha. Was ist Dosha? Dosha wird hier oft übersetzt mit Fehler. Aber Dosha im Ayurveda ist das vorherrschende Temperament. Es gibt Vata, Pitta, Kapha. Es gibt Menschen, die sich mit ihrem Dosha identifizieren. Sie sagen: „Ich bin halt Vata. Ich bin so leicht und beschwingt. So bin ich halt.“ Oder sie sagen: „Ich bin halt Pitta. Ich bin feurig, temperamentsvoll.“ Oder sie sagen: „Ich bin Kapha. Ich bin gemütlich.“ Identifiziere dich damit nicht.

Identifiziere dich nicht mit deinem Namen, deiner Form, deinem Aussehen und identifiziere dich auch nicht mit deiner Psyche, mit Guna und Dosha.

Identifiziere dich aber auch nicht mit dem Raum, also dem Ort, wo du bist und allem, was in der Zeit (Kala) veränderbar ist.

Identifiziere dich nicht mit den Objekten, mit denen du zu tun hast. Du bist jetzt ein Körper. Bist du das? Nein, das bist du nicht. Aber Menschen identifizieren sich nicht nur mit ihrem Körper, sondern auch mit dem Raum, wo ihr Körper ist. Indem du sagst, ich bin Rheinhesse, ich bin Bayer, ich bin Sachse, ich bin Europäer sagst du was Falsches. Du bist kein Rheinhesse, Bayer, Sachse, Europäer. Du bist nichts, was im Raum ist.

Du bist nichts von dem, was sich in Kala, der Zeit, ändert. All das bist du nicht.

Du bist auch nicht die Objekte, die mit diesem Körper in Beziehung stehen. Du bist nicht Auto, Kleidung, Beruf usw. Du bist nicht die Familie, die mit dem Körper zu tun hat. All das bist du nicht.

Shankara sagt hier, dass du darüber hinausgehen sollst. Werde dir bewusst, womit du dich vielleicht identifizierst. Werde dir immer wieder bewusst, welche Probleme aus Identifikationen herauskommen. Identifizierst du dich mit deinem Namen und wie andere dich nennen, wie freundlich oder unfreundlich sie dir begegnen?
Identifizierst du dich mit deinem Körper und wie er aussieht? Identifizierst du dich mit seiner Psyche und seinem Temperament? Identifizierst du dich mit Familie usw., mit deiner Abstammung? Identifizierst du dich mit der Gegend aus der du kommst? Identifizierst du dich mit Objekten, die mit dem Körper in Beziehung stehen?
Lass los! Lass los! Lass los!
Immer wieder sagt Shankara hier duragam (lass los!) Ativartin gehe darüber hinaus. Du bist Brahman, das Absolute. Tat Tvam Asi – Das bist du. Meditiere darüber (bhavaya) atmani in der Tiefe deiner Seele. Meditiere darüber, löse dich von Verhaftungen und Identifikationen.

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