Viveka Chudamani – Vers 135

Deutsche Übersetzung:

135. Paramatman, die höchste Wirklichkeit unterscheidet sich von Prakriti, der Urnatur, und deren Veränderungen. Sein Wesen ist reines Bewusstsein. Es ist das Absolute, durchdringt die physische und die astrale Welt/ manifestiert sich in der sichtbaren und unsichtbaren Welt, zeigt sich als die der Vorstellung des Ichs unterliegende Wesenheit im Wachzustand, Traumzustand und Tiefschlaf als der Zeuge von buddhi.

Sanskrit Text:

prakṛti-vikṛti-bhinnaḥ śuddha-bodha-sva-bhāvaḥ
sad asad idam aśeṣaṃ bhāsayan nirviśeṣaḥ |
vilasati paramātmā jāgrad-ādiṣv avasthāsv
aham aham iti sākṣāt sākṣi-rūpeṇa buddheḥ || 135 ||

प्रकृतिविकृतिभिन्नः शुद्धबोधस्वभावः
सदसदिदमशेषं भासयन्निर्विशेषः |
विलसति परमात्मा जाग्रदादिष्ववस्था-
स्वहमहमिति साक्षात्साक्षिरूपेण बुद्धेः || १३५ ||

prakriti-vikriti-bhinnah shuddha-bodha-sva-bhavah
sad asad idam ashesham bhasayan nirvisheshah |
vilasati paramatma jagrad-adishv avasthasv
aham aham iti sakshat sakshi-rupena buddheh || 135 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • prakṛti-vikṛti-bhinnaḥ : verschieden (Bhinna) von den Modifikationen (Vikriti) der Urnatur (Prakriti)
  • śuddha-bodha-sva-bhāvaḥ : dessen Wesen (Svabhava) reines (Shuddha) Bewusstsein („Erkenntnis“, Bodha) ist
  • sat : sichtbare, grobstoffliche („seiende“, Sat)
  • asat : (und) unsichtbare, feinstoffliche („nicht-seiende“, Asat)
  • idam : dieses (Universum, Idam)
  • aśeṣam : gesamte (Ashesha)
  • bhāsayan : in dem es zur Erscheinung bringt („beleuchtend“, bhās)
  • nirviśeṣaḥ : das absolute („ununterschiedene“, Nirvishesha)
  • vilasati : erscheint, zeigt sich (vi + las)
  • paramātmā : höchste Selbst (Paramatman)
  • jāgrad-ādiṣu : im Wachzustand (Jagrat) usw. (Adi)
  • avasthāsu : in den (drei) Bewusstseinszuständen (Avastha)
  • aham aham : ich, ich (Aham)
  • iti : als der Gedanke („so“, Iti)
  • sākṣāt : direkt, unmittelbar (Sakshat)
  • sākṣi-rūpeṇa : in Form (Rupa) des Zeugen (Sakshin)
  • buddheḥ : des Intellekts (Buddhi)     || 135 ||

Kommentar

Wieder beschreibt Shankaracharya mit wunderbaren Worten das höchste Selbst. Was ist das höchste Selbst? Was ist es wirklich? Und wie kann man es verstehen? Shankara sagt hier, das höchste Selbst ist prakritivikritibhinnah. Es ist verschieden von den vikritis, den Modifikationen, von prakriti. Prakriti ist die Natur. So vieles in der Natur, alles was der Veränderung unterworfen ist, ist letztlich die Natur. Shankara sagt also hier, das höchste Selbst ist verschieden von allen Veränderungen der Natur. Das ist immer wieder wichtig, auch wenn er sich wiederholt.
Das höchste Selbst – Sein Wissen Glückseligkeit – ewig und unendlich. Im Alltag passiert alles Mögliche, im Alltag geschieht so vieles, so vieles kommt und geht. Aber das sind alles Modifikationen der Ur-Natur. Daran kannst du nichts ändern, daran kann sich nichts ändern. Aber du selbst, du bist das Ewige und das Unendliche. Wieder und wieder möchte ich dich dazu ermutigen, nimm das was geschieht wahr, aber erkenne dich als das unsterbliche Selbst. Er sagt hier es gibt das sat, das Seiende, das Sichtbare, und es gibt asat, das Nichtseiende. Und dieses Universum (idam), wird in die Erscheinung gebracht durch das höchste Selbst. Das ist eines der großen Geheimnisse. Die Welt ist vom Selbst getrennt aber wird letztlich vom Selbst ins Sein gebracht. Die Welt hat kein Sein ohne das Selbst. Wenn es kein Bewusstsein gäbe, das die Welt wahrnimmt, gäbe es keine Welt. Damit es eine Welt gibt, braucht es Bewusstsein. So kannst du sagen wie es letztlich auch Patanjali im Yoga Sutra sagt, die Welt ist da für purusha (das Bewusstsein), oder wie Shankara sagen würde für paramatman (das höchste Selbst). Die Welt hat kein Sein ohne paramatman, aber der paramatman ist nicht von den Veränderungen der Welt beeinflusst.

In diesem Sinne, werde dir immer wieder bewusst: Ich bin das Unendliche und das Ewige, das Unveränderliche. Mache dir das bewusst und lebe daraus.

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