Viveka Chudamani – Vers 98

Deutsche Übersetzung:

98. Der Traumzustand unterscheidet sich von dem Wachzustand, bei dem die Sinne wirken. Im Traumzustand leuchtet das Selbst aus sich selbst durch. Buddhi, der Verstand, verarbeitet die latenten Eindrücke/ Erfahrungen vom Wachzustand und gibt sie im Traum wieder.

Sanskrit Text:

svapno bhavaty asya vibhaktyavasthā
sva-mātra-śeṣeṇa vibhāti yatra |
svapne tu buddhiḥ svayam eva jāgrat-
kālīna-nānā-vidha-vāsanābhiḥ || 98 ||

स्वप्नो भवत्यस्य विभक्त्यवस्था
स्वमात्रशेषेण विभाति यत्र |
स्वप्ने तु बुद्धिः स्वयमेव जाग्रत्-
कालीननानाविधवासनाभिः || ९८ ||

svapno bhavaty asya vibhaktyavastha
sva-matra-sheshena vibhati yatra |
svapne tu buddhih svayam eva jagrat-
kalina-nana-vidha-vasanabhih || 98 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • svapnaḥ : der Traumzustand (Svapa)
  • bhavati : ist (bhū)
  • asya : dieses (feinstofflichen Körpers, Idam)
  • vibhaktyavasthā : ein gesonderter (Vibhakti) Zustand (Avastha)
  • sva-mātra-śeṣeṇa : nur sich selbst (Svamatra) überlassen („als Rest“, Shesha)
  • vibhāti : er wirkt  („erscheint“, vi + bhā)
  • yatra : wo (Yatra)
  • svapne : im Traumzustand (Svapa)
  • tu : aber (Tu)
  • buddhiḥ : der Verstand (Buddhi)
  • svayam : aus sich selbst (Svayam)
  • eva : nur, ganz (Eva)
  • jāgrat-kālīna-nānā-vidha-vāsanābhiḥ : aufgrund der mannigfaltigen (Nanavidha) Eindrücke (Vasana) aus der Zeit (Kalina) des Wachzustandes (Jagrat)     || 98 ||

Kommentar

Patanjali der große Raja Yoga Meister sagt, dass Meditation über die Erkenntnis von Traum und Tiefschlaf helfen zur Erleuchtung zu kommen. So nutzt das auch Shankaracharya. Er analysiert jetzt den Traumzustand. Im Wachzustand siehst du die äußere Welt mit deinen Sinnen. Im Wachbewusstsein siehst, hörst, schmeckst, riechst und handelst. Du erlebst die Ergebnisse deines Karmas. Du lernst die Lektionen. Was passiert im Traumbewusstsein? Im Traumbewusstsein verlierst du die Wahrnehmungen des physischen Körpers. Jetzt ist die Frage: Welche Welt ist richtiger? Die Wachwelt oder die Traumwelt? Der chinesische Philosoph und Mystiker Zhuāngzǐ hat in einem seiner Werke geschrieben: Letzte Nacht habe ich geträumt, ich war ein Schmetterling. Bin ich jetzt ein Mensch der geträumt hat, er war ein Schmetterling oder bin ich ein Schmetterling der träumt ich bin Mensch. Die Traumwelt erscheint genauso wirklich, wenn du im Traum bist, wie die Wachwelt erscheint, wenn du wachst. Letztlich ist das ein gutes Zeichen dafür, dass du nicht der Körper bist, denn du existierst auch ohne Körperbewusstsein. Es ist eben auch ein Zeichen dafür, dass die Welt nicht so wirklich ist wie du dir das vorstellst. Denn du kannst dir auch im Traumzustand auch eine Welt vorstellen. Er sagt hier auch: Was macht der Mensch im Traum? Er verarbeitet die latenten Eindrücke und Erfahrungen vom Wachzustand.
Shankaracharya will dich auch davor bewahren, zu sehr vom Traum fasziniert zu werden. Es gibt Menschen die jeden Traum aufschreiben und dann irgendwo mehr über sich selbst herausfinden wollen. Du bist nicht deine Gedanken. Du bist nicht deine Gefühle. Du bist nicht dein Unterbewusstsein. Du kannst durch Analyse der Träume vielleicht mehr erfahren über deine Persönlichkeiten, Unterbewusstsein. Du kannst irgendwo herausfinden, warum sich deine Psyche sich so entwickelt hat, wie sie sich entwickelt hat. Aber das besagt nichts darüber, wer du bist. Du bist das unsterbliche Selbst. Letztlich werden im Traumzustand Eindrücke aus dem Wachzustand verarbeitet und so lernst du auch etwas im Traumzustand. Überbewerte auch nicht die Erfahrungen des Traumes. Auch wenn es mal luzide Träume gibt, wo du weißt, dass du geträumt hast. Auch wenn es mal Visionen im Traum gibt. Auch wenn es mal Berufungserlebnisse gibt. Überbewerte die Traumerfahrung nicht. Aber erkenne, dass aus der Analyse des Traumes du erkennen kannst, ich bin nicht der Körper. Die Welt ist nicht so wirklich wie du das denkst.

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