Viveka Chudamani – Vers 76

Deutsche Übersetzung:

76. Die Antilope (kuranga), der Elefant (matanga), die Motte (patanga), der Fisch (mina) und die Biene (bhrngah) sind durch ihre eigene Wesensnatur (svaguna) gebunden an die Eigenschaften der 5 Sinne, wie z.B. an den Ton (shabda), die schließlich die Ursache ihres Todes wird. Was wird aus dem Menschen, der allen fünf Sinnesobjekten unterworfen ist?

Sanskrit Text:

śabdādibhiḥ pañcabhir eva pañca
pañcatvam āpuḥ sva-guṇena baddhāḥ |
kuraṅga-mātaṅga-pataṅga-mīna-
bhṛṅgā naraḥ pañcabhir añcitaḥ kim || 76 ||

शब्दादिभिः पञ्चभिरेव पञ्च
पञ्चत्वमापुः स्वगुणेन बद्धाः |
कुरङ्गमातङ्गपतङ्गमीन-
भृङ्गा नरः पञ्चभिरञ्चितः किम् || ७६ ||

shabdadibhih panchabhir eva pancha
panchatvam apuh sva-gunena baddhah |
kuranga-matanga-patanga-mina-
bhringa narah panchabhir anchitah kim || 76 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • śabdādibhiḥ : Klang (Shabda) usw. (Adi)
  • pañcabhiḥ : durch (jeweils einen der) fünf (Sinne nebst den zugehörigen Sinnesobjekten, Pancha)
  • eva : nur, allein (Eva)
  • pañca : fünf (Tierarten, Pancha)
  • pañcatvam : den Tod („die Fünfheit“, Panchatva)
  • āpuḥ : finden („haben erlangt“, āp)
  • sva-guṇena : den Umständen entsprechend („durch ihre jeweiligen Eigenschaften“, Svaguna)
  • baddhāḥ : gefangen („gebunden“, Baddha)
  • kuraṅga-mātaṅga-pataṅga-mīna-bhṛṅgāḥ : Antilope (Kuranga), Elefant (Matanga), Motte (Patanga ), Fisch (Mina) und Biene (Bhringa)
  • naraḥ : der Mensch (Nara)
  • pañcabhiḥ : (allen) fünf (Sinnen)
  • añcitaḥ : verhaftet („geschmückt mit“, Anchita)
  • kim : was (hat wohl zu erwarten, Kim)     || 76 ||

Kommentar

Die folgenden 5 Beispiele stammen aus der Avadhuta Gita von dem großen Weisen Dattatreya. Dattatreya sagt, er hatte 24 Gurus, und zu den 24 Gurus gehörten auch 5 Tiere. Aber nicht Tiere, die ihn unterrichtet haben weil sie große Einsichten hatten, sondern weil sie dumm waren und deshalb zugrunde gegangen sind.
Das erste Beispiel ist die Biene. Eines Nachts war es Zeit für sie, zurück zu kehren in den Stock. Aber in einer Blüte gab es noch einen wunderbar schmeckenden Nektar. Sie blieb etwas länger dort und die Blüte schloss sich über ihr. Sie kam nicht mehr hinaus. Ein Elefant kam des Nachts, zertrat die Blüte und die Biene mit.
Das zweite Beispiel ist der Elefant. Er hörte in der Ferne den nachgemachten Laut einer Elefantendame. Er rannte dorthin, um sie zu finden. Tatsächlich war es eine Falle und er stürzte in einen Graben, wurde gefangen genommen und dressiert.
Das dritte Beispiel ist die Motte. Die Motte sieht das Feuer, das wunderbar lichtvoll aussieht, fliegt hinein, verbrennt und geht zugrunde.
Das vierte Beispiel ist die Antilope. Es gibt z.B. die Moschusantilope. Sie strebt nach ihrem eigenen Duft. Sie rennt ihrem eigenen Duft hinterher, sucht ihren eigenen Duft und geht daran zu Grunde.
Das fünfte Beispiel ist der Fisch. Er sieht einen Regenwurm und denkt „den will ich haben“. Aber der Regenwurm ist am Angelhaken. Der Fisch beißt in den Regenwurm, wird vom Angler hinausgezogen und getötet.

So haben die meisten Tiere einen Sinn, der überwiegt. Nur der Mensch hat alle 5. Der Mensch kann durch alle 5 Sinne ins Verderben gebracht werden.
Er liebt z.B. bestimmte Nahrung und vergisst, dass diese ungesund ist und er deshalb durch zu viel davon essen Bluthochdruck oder Diabetes bekommt oder durch das falsche Essen auch Arthritis, Rheuma usw.
Der Mensch liebt es, schöne Sachen zu sehen, kauft sich alles Mögliche und ruiniert dadurch sich und seinen Planeten.
Er wird von Duftstoffen betört und macht dann alle möglichen Dummheiten.
Besonders stark ausgeprägt ist auch das Hören. Er hört etwas, was über ihn gesagt wird, wie Menschen über ihn sprechen, und findet das ganz grässlich.
Oder er liest etwas, er sieht irgendwelche Facebook-Nachrichten und schimpft darüber und findet alles ganz schlimm.

Abschluss:
Der Mensch ist so sehr ein Produkt von Sinneswahrnehmungen. In Höhen und Tiefen, so sehr ein Sklave. Willst du das wirklich? Willst du wirklich so bleiben? Wäre es nicht an der Zeit, aufzuhören von den Sinnesobjekten beherrscht zu werden? Willst du nicht frei sein? Überlege das.
Merke wann die Gier kommt, wann du von einem Sinnesorgan in die Irre geführt wirst oder von dem was du hörst oder liest und halte einen Moment inne. Du bist das unsterbliche Selbst. Bewahre dir die Würde.

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