Viveka Chudamani – Vers 72

Deutsche Übersetzung:

72. Der grobstoffliche Körper besteht aus sieben Substanzen (dhatu), nämlich aus Mark, Knochen, Fett, Fleisch, Blut, Unterhaut und Oberhaut. Er hat Glieder und Teile, wie Füße, Beine, Brust, Arme, Rücken und Kopf.

Sanskrit Text:

majjāsthi-medaḥ-pala-rakta-carma-
tvagāhvayair dhātubhir ebhir anvitam |
pādoru-vakṣo-bhuja-pṛṣṭha-mastakair
aṅgair upāṅgair upayuktam etat || 72 ||

मज्जास्थिमेदःपलरक्तचर्म-
त्वगाह्वयैर्धातुभिरेभिरन्वितम् |
पादोरुवक्षोभुजपृष्ठमस्तकै-
रङ्गैरुपाङ्गैरुपयुक्तमेतत् || ७२ ||

majjasthi-medah-pala-rakta-charma-
tvag-ahvayair dhatubhir ebhir anvitam |
padoru-vaksho-bhuja-prishtha-mastakair
angair upangair upayuktam etat || 72 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • majjāsthi-medaḥ-pala-rakta-carma-tvag-āhvayaiḥ : Mark (Majjan), Knochen (Asthi), Fett (Medas), Fleisch (Pala), Blut (Rakta), Unterhaut (Charman) und Oberhaut (Tvach) mit Namen (Ahvaya)
  • dhātubhiḥ : Körpergeweben (Dhatu)
  • ebhiḥ : diesen (Idam)
  • anvitam : besteht aus („ist versehen mit“, Anvita)
  • pādoru-vakṣo-bhuja-pṛṣṭha-mastakaiḥ : wie Füße und Unterschenkel (Pada), Oberschenkel (Uru), Brust (Vakshas), Arme (Bhuja), Rücken (Prishtha) und Kopf (Mastaka)
  • aṅgaiḥ : mit Körperteilen (Anga)
  • upāṅgaiḥ : (und) Gliedern („Nebengliedern“, Upanga)
  • upayuktam : versehene (Upayukta)
  • etat : dieser (Körper, Etad)     || 72 ||

Kommentar

In diesen 72. Vers spricht Shankara darüber, wer wir nicht sind.
Im 71. Vers hat er ja schon angekündigt: Jetzt geht es um die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst.
Zunächst der Körper: Bin ich der Körper? Natürlich, ich bin nicht der Körper.
Da geht er jetzt Schrittweise heran. Hier sagt er, analysiere erst mal den Körper. Das Analysieren hilft dir dich davon zu lösen.
Was ist dieser Körper? Er geht jetzt auf die Ayurveda Physiologie ein.
Er sagt, es gibt sieben Gewebetypen: Es gibt Mark (Majjan), es gibt Knochen (Asthi), es gibt Fett (Meda), es gibt Fleisch (Pala), es gibt Blut (Ragta), es gibt die Unterhaut (Charman) und es gibt die Oberhaut (Tvach). Das sind also die verschiedenen sieben Dhatus, die sieben verschiedenen Körpergewebe.

Du könntest den Körper natürlich auch noch anders einteilen. Du könntest auch sagen, es gibt sieben Arten von Gewebe und du könntest auch sagen, es gibt Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette.
Du könntest auch sagen, da sind Muskeln, da ist Bindegewebe, da sind Knochen usw..
Es gibt viele Möglichkeiten einzuteilen. Aber es hilft, wenn du einfach merkst, ja, diese Hand, angenommen ich nehme die Oberhaut weg, sieht nicht mehr so schön aus. Wenn ich die Unterhaut weg nehme, kann nichts mehr funktionieren. Was ist der Knochen?
Es gibt ja auch im Buddhismus und auch im Linkshändigen Tantra, so eine spirituelle Praxis:
Du meditierst vor einer Leiche. Dort siehst du, das ist der Körper. Oder auch vor einem Skelett. Ist jetzt nicht etwas was wir bei Yoga Vidya machen, aber du könntest dir das auch bewusst machen. Dieser Körper, was wird er sein, wenn der Körper tot ist? Was wird mit diesem Körper in 100 Jahren sein? Du kannst dir sogar vorstellen, er wird gegessen von Maden usw.. Oder du lässt ihn irgendwo und dann würden ihn Wölfe, Hunde oder Hyänen fressen. Das ist der Körper. Oder du begräbst ihn und danach gibt es irgendwelche Pflanzen, die den Kompost deines Körpers essen.
Das ist der Körper. Du bist nicht der Körper.
Er sag auch nur, der Körper hat Glieder, er hat Füße, Beine, Brust oder man könnte sagen Rumpf, steht hier wahrscheinlich im Originaltext. Du hast noch Arme, Rücken und Kopf.
Grad mal schauen, was hier so alles steht. Du hast also Füße und Unterschenkel (Pada), es gibt Oberschenkel (Uru), es gibt tatsächlich die Brust (Vakshahs), du hast Arme (Bhuja). Du hast einen Rücken (Prishtha) und du hast einen Kopf (Mastaka). Das ist keine vollständige Aufzählung. Shankara will dich jetzt nicht einführen in die Ayurveda Physiologie und Anatomie. Er will einfach nur sagen: Das ist die Einteilung. Du brauchst jetzt auch nicht zu sagen: „Oh, ich hab so viele Schmerzen“ Du kannst sagen: „Unterarm produziert grade schmerzhafte Empfindungen.“
Und anstatt zu sagen: „Oh ich sehe heute ganz schlecht aus!“ Kannst du sagen: „Oberhaut strahlt momentan nicht.“ Oder anstatt zu sagen: „Mir geht es so schlimm!“ Kannst du sagen: „Im Bauchbereich funktioniert etwas nicht richtig.“
Nicht ich, sondern Teile des Körpers. Er sagt, das sind Angay, das sind die Körperteile. Und es gibt Upangay, es gebt noch die Nebenkörperteile. Und so hat dieser Körper Körperteile, Nebenkörperteile, er besteht aus Gewebe usw.. Der Körper ist etwas physiologisches, er ist etwas anatomisches, biologisches. Er besteht aus dem, was du isst. Heute würden wir sagen, durch genetische Faktoren. Irgendwo wird dann das, was du isst, zusammengebracht. Aber du bist nicht dieser Körper.

Und vielleicht willst du bis zum nächsten mal nochmal darüber nachdenken: Du kannst den Körper analysieren und anstatt zu sagen: „Ich gehe dort hin.“ Kannst du zumindest innerlich sagen: „Ich bewege die Beine des Körpers und ich transportiere den Körper dann da hin.“ Anstatt zu sagen: „Ich hab Schmerzen.“ Kannst du sagen: „Unterer Rücken produziert Schmerzempfindungen.“ Oder anstatt zu sagen.: „Ich bin müde und kaputt.“ Kannst du sagen: „Der Körper ist müde. Der Körper braucht Regeneration.“ In diesem Sinne denke über den Körper nach und löse dich von der Identifikation mit dem Körper.

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