Viveka Chudamani – Vers 45

Deutsche Übersetzung:

45. „Du erlangst höchste Erkenntnis durch das intensive Nachdenken/Kontemplation über die wahre Bedeutung der Veden und Upanishaden. Durch das höchste Wissen hört das Leiden des immerwährenden Geburtenkreislaufes auf.“

Sanskrit Text:

vedāntārtha-vicāreṇa jāyate jñānam uttamam |
tenātyantika-saṃsāra-duḥkha-nāśo bhavaty anu || 45 ||

वेदान्तार्थविचारेण जायते ज्ञानमुत्तमम् |
तेनात्यन्तिकसंसारदुःखनाशो भवत्यनु || ४५ ||

vedantarthavicharena jayate jnanam uttamam |
tenatyantika-samsara-duhkha-nasho bhavaty anu || 45 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vedāntārtha-vicāreṇa : durch intensive Kontemplation (Vichara) der Bedeutung (der Lehren, Artha) des Vedanta
  • jāyate : entsteht (jan)
  • jñānam : Erkenntnis, Wissen (Jnana)
  • uttamam : höchste(s, Uttama)
  • tena : durch diese(s, Tad)
  • ātyantika-saṃsāra-duḥkha-nāśaḥ : die vollständige (Atyantika) Vernichtung (Nasha) des Leids (Duhkha) des Daseinswandels (Samsara)
  • bhavati : entsteht („wird“, bhū)
  • anu : wiederum, daraufhin (Anu)     || 45 ||

Kommentar

Wie kommen wir zur Erleuchtung? – durch intensive Kontemplation, „vicara“.

Was musst du machen? – über die Bedeutung des Vedanta, „vedāntārthavicāreṇa“.
Das bedeutet übersetzt „Kontempliere über die Bedeutung der Lehren des Vedanta“. Eine andere Interpretation von „vedāntārthavicāreṇa“ ist „Kontempliere über die Bedeutung der Schriften des Vedanta“. Hier sagt Shankara „vedāntārthavicāreṇa“.

„Kontempliere, denke nach“ – Immer wieder Nachzudenken, ist etwas Wichtiges.

Shankara gibt eine lange Einleitung, da wir bereits beim 45. Vers sind und er noch nicht wirklich mit den Lehren begonnen hat.
Zuerst spricht er über die Eigenschaften eines Schülers. Danach folgt der Anfangsdialog zwischen Lehrer und Schüler, bei dem sich der Schüler an den Lehrer wendet. Dies dient als Symbol der Demut: Bevor du mit dem Studium von Vedanta beginnst, bevor du ein Buch liest, einen Vortrag besuchst, sei demütig und lasse dein Herz innerlich intensiv sprechen: „Möge ich Weisheit bekommen.“

Sei dir bewusst, dass es die Natur der Lehrer ist, dir helfen zu wollen. Die Gnade der Meister ist da.
Der Meister sagt somit: „Wie kommst du hin zur höchsten Glückseligkeit? – Durch das höchste Wissen.“

Angenommen du bist der Ansicht, ein armer Schlucker zu sein. Doch jetzt erfährst du, dass du bei deiner Geburt vertauscht wurdest und eigentlich der Erbe des reichsten Menschen der ganzen Gegend bist. Ab dem Moment bist du dir bewusst, reich zu sein, auch wenn sich noch nichts geändert hat.
Angenommen du wirst aufgesucht und es wird notariell bestätigt. Du bist dir dieser Tatsache bewusst, hast aber dessen ungeachtet noch kein Geld. Trotzdem ändert sich alles. Rechtes Wissen kann somit alles verändern.

Es ist kein theoretisches Wissen und sind keine Hirngespinste, aber die rechte Erkenntnis kann helfen aus allen Verhaftungen herauszukommen und den Blick auf das Leben vollständig verändern.

Shankara sagt demnach: „Durch das Nachdenken oder durch die Kontemplation über die Bedeutung des Vedanta entsteht „jñānam uttamam“ – die höchste Erkenntnis.“

Durch die höchste Erkenntnis kommt die vollständige Vernichtung von „duḥkha“ – von allem Leiden, vom Leiden Samsara. Demgemäß ist nicht nur irgendein Leiden gemeint, sondern allen Leidens. Wir wollen mit Vedanta nicht nur kleine Leiden überwinden, sondern das Leiden an sich überwinden.

Audio

Video

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.