Viveka Chudamani – Vers 397

Deutsche Übersetzung:

397. Solange der Mensch an seinem Körper hängt, der einem Leichnam gleicht, solange ist er unrein, leidet unter der Angst vor Geburt, Krankheit und Tod. Wenn er aber weiß, dass er das reine, glückselige und unveränderliche Selbst ist, lebt er frei von Leiden und Angst. Dies bezeugen auch die Veden.

Sanskrit Text:

śavākāraṃ yāvad bhajati manujas tāvad aśuciḥ
parebhyaḥ syāt kleśo janana-maraṇa-vyādhi-nilayaḥ |
yadātmānaṃ śuddhaṃ kalayati śivākāram acalaṃ
tadā tebhyo mukto bhavati hi tad āha śrutir api || 397 ||

शवाकारं यावद्भजति मनुजस्तावदशुचिः
परेभ्यः स्यात्क्लेशो जननमरणव्याधिनिलयः |
यदात्मानं शुद्धं कलयति शिवाकारमचलं
तदा तेभ्यो मुक्तो भवति हि तदाह श्रुतिरपि || ३९७ ||

shavakaram yavad bhajati manujas tavad ashuchih
parebhyah syat klesho janana-marana-vyadhi-nilayah |
yadatmanam shuddham kalayati shivakaram achalam
tada tebhyo mukto bhavati hi tad aha shrutir api || 397 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • śavākāram : (das was) die Form (Akara) eines Leichnams (Shava) hat
  • yāvat : solange wie (Yavat)
  • bhajati : verehrt (bhaj)
  • manujaḥ : (ein) Mensch (Manuja)
  • tāvat : genau solange (Yavat)
  • aśuciḥ : (ist er) unrein (Ashuchi)
  • parebhyaḥ : durch andere (Para)
  • syāt : wird es geben („wird sein“, as)
  • kleśaḥ : Leiden (Klesha)
  • janana-maraṇa-vyādhi-nilayaḥ : die Wohnstätte (Nilaya) von Geburt (Janana), Tod (Marana) und Krankheit (Vyadhi)
  • yadā : wenn (Yada)
  • ātmānam : selbst (Atman)
  • śuddham : für das reine (Shuddha)
  • kalayati : (er) sich hält (kal)
  • śivākāram : dessen Wesen („Form“, Akara) Glückseligkeit (Shiva) ist
  • acalam : Unbewegliche (Absolute, Achala)
  • tadā : dann (Tada)
  • tebhyaḥ : von diesen (Tad)
  • muktaḥ : frei, befreit (Mukta)
  • bhavati : (er) ist (bhū)
  • hi : gewiss (Hi)
  • tat : das (Tad)
  • āha : sagt (ah)
  • śrutiḥ : die Offenbarung, der Veda (Shruti)
  • api : auch (Api) || 397 ||

Kommentar

Der Körper ist der Veränderung unterworfen. Shankara sagt, der Körper gleicht einem Leichnam. Wenn Bewusstsein von dem Körper weg ist, was ist dann vom Körper noch übrig? Er ist ein Leichnam. Er wird von Insekten gefressen. Nichts ist mehr da. Das ist dieser wunderbare Körper. Wenn Bewusstsein vom Körper weg ist, zerfällt er. Wenn du dich mit dem Körper identifizierst, dann hast du Probleme. Der Körper ist dem Alter, Krankheit und Tod unterworfen. Du kannst gesünder leben und natürlich ist auch die Empfehlung, gesünder zu leben. Aber der Körper wird irgendwann Unfälle erleiden, Schmerzen erzeugen. Er wird Krankheiten haben und irgendwann sterben. Wenn du jetzt Angst vor Unfällen, Krankheit und Tod hast, dann ist dein Leben elendig. Erkenne, dass du jetzt diesen Körper hast. Du bist nicht der Körper, du hast diesen Körper. Du selbst bist unsterblich. Und wann immer du merkst, dass du Ängste hast, Schmerzen hast, mit denen du dich identifizierst, dann merke, dass du dich mit dem Körper identifizierst. Ich bin nicht der Körper. Ich bin das unsterbliche Selbst.

So ähnlich ist es, wenn du dich mit deinem Fahrrad identifizieren würdest. Wenn dein Fahrrad einen „Platten“ hätte, dann würde es dir schlecht gehen. Aber du bist nicht das Fahrrad. Du bist das unsterbliche Selbst. Deshalb mag dein Fahrrad einen „Platten“ haben – in Ordnung, repariere den „platten“ Reifen. Dein Fahrrad mag eine „Acht“ haben in einem Rad – in Ordnung, lass es richten. Dein Fahrrad mag einen gerissenen Bremszug haben – in Ordnung, kaufe dir einen neuen Bremszug. Das ist alles nicht tragisch. Vielleicht wird dir dein Fahrrad geklaut. Das ist auch nicht weiter tragisch. Kaufe dir ein Neues. Wenn du dir kein Neues leisten kannst, dann leihe dir eins für eine Weile oder geh zu Fuß. Das ist alles nicht weiter tragisch. Beim Körper ist es auch nicht anders. Es ist das Fahrzeug der Seele. Geht es kaputt, repariert man es. Geht es mal nicht so gut, schaue, was du für den Körper machen kannst. Aber wisse: Du bist nicht der Körper. Du bist das unsterbliche Selbst. Mache dir das insbesondere heute bewusst!

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