Viveka Chudamani – Vers 35

Deutsche Übersetzung:

35. „Oh Meister, oh Freund aller, die sich Dir ehrerbietig/ ehrfurchtsvoll hingeben, Du Ozean der Gnade und Barmherzigkeit, errette mich, den im Ozean der weltlichen Existenz versunkenen, mit einem Blick, der den Nektar der göttlichen Barmherzigkeit versprüht.“

Sanskrit Text:

svāmin namas te nata-loka-bandho
kāruṇya-sindho patitaṃ bhavābdhau  |
mām uddharātmīya-kaṭākṣa-dṛṣṭyā
ṛjvyātikāruṇya-sudhābhivṛṣṭyā || 35 ||

स्वामिन्नमस्ते नतलोकबन्धो
कारुण्यसिन्धो पतितं भवाब्धौ |
मामुद्धरात्मीयकटाक्षदृष्ट्या
ऋज्व्यातिकारुण्यसुधाभिवृष्ट्या || ३५ ||

svamin namas te nata-loka-bandho
karunya-sindho patitam bhavabdhau |
mam uddharatmiya-kataksha-drishtya
rijvyatikarunya-sudhabhivrishtya || 35 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • svāmin : oh Meister (Svamin)
  • namaḥ : Verehrung, Gruß (Namas)
  • te : (sei) dir (Tvad)
  • nata-loka-bandho : (du) Freund (Bandhu) der Menschen („Leute“, Loka) , die sich (vor dir) verneigen („verneigt sind“, Nata)
  • kāruṇya-sindho : (du) Ozean (Sindhu) des Mitgefühls (Karunya)
  • patitam : den gefallenen (Patita)
  • bhavābdhau : in den Ozean (Abdhi) der weltlichen Existenz (Bhava)
  • mām : mich (Mad)
  • uddhara : errette („ziehe heraus“, ud + hṛ)
  • ātmīya-kaṭākṣa-dṛṣṭyā : Blick (Drishti) deiner („eigenen“, Atmiya) Augen („Seitenblick“, Kataksha)
  • ṛjvyā : mit einem wohlwollenden („geraden“, Rijvi)
  • atikāruṇya-sudhābhivṛṣṭyā : (gleich einem) Nektar-Regen (SudhaAbhivrishti) unermesslichen  Mitgefühls (Atikarunya)     || 35 ||

Kommentar

Mit diesem Vers wendet sich der Schüler an den Meister.
Du musst es vielleicht nicht wie Shankaracharya ausdrücken, aber genau das soll deine Einstellung sein.
Immer wenn du ein Buch liest oder in einen Ashram zu einem Meister gehst, könntest du sagen: „Oh Meister, oh Freund aller. Nicht nur für mich, du bist für so viele da und Freund all derjenigen, die sich dir ehrerbietig und ehrfurchtsvoll hingeben.“

Natürlich braucht ein Meister keine Ehrerbietung. Aber in dem Moment wo du dich mit Ehrerbietung an einen Meister wendest, werden sich die Kanäle öffnen und du spürst Freundschaft.

Ich habe das schon sehr oft bei großen Meistern erfahren. In dem Moment, indem ich dem Meister mein Herz geöffnet habe, entstand eine Nähe, ein Gefühl des bedingungslosen angenommen Sein.

„Du Ozean der Gnade und Barmherzigkeit“ – Damit drückst du aus, dass du, auch wenn du dich bemühst, ein würdiger Schüler zu sein, die großen Lehren nicht wirklich verdienst. Du bist auf die Gnade, Barmherzigkeit, Liebe angewiesen und willst dich dafür öffnen.

„Rette mich, den im Ozean der weltlichen Existenz Versunkenen“ – Es gilt auch anzuerkennen, dass du selbst so viele Fehler hast und im Ozean versunken bist und aus dieser Versunkenheit herauskommen willst. Du bittest den Meister, dir dabei zu helfen.

„Errette mich mit einem Blick, der den Nektar der göttlichen Barmherzigkeit versprüht.“ – Ein Meister kann dich mit einem Blick in andere Bewusstseinsebenen bringen. Das nennt sich „Shaktipat“ oder auch „Gurum parampara Shakti“ oder „Shakti sancha“. Ein großer Meister kann Energie versprühen und ausstrahlen. Er strahlt sie die ganze Zeit aus. Du musst dich dafür öffnen.

Ich habe es mehrmals erfahren. Swami Vishnu hat mich nur angeschaut und ich bin in ein anderes Bewusstsein hinein gekommen. Ich habe ihm eine Frage gestellt, er hat mich nur berührt und die Antworten sind gekommen. Im Sivananda Ashram in Rishikesh habe ich mich in Swami Sivanandas Abwesenheit vor sein Bild gesetzt, zu ihm gesprochen, ihn angeschaut und plötzlich kam Segen und Gnade. Egal wo ich mich gerade befinde, wenn ich mich mit großer Hingabe an Swami Sivananda wende, spüre ich einen Schauer von Gnade und von Segen.

Auch du kannst dies erfahren. Nähere dich dem großen Meister mit Hingabe. Sei dir bewusst, dass du noch viel zu lernen hast, aber die Gnade oder Segen des Meisters macht vieles möglich.

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