Viveka Chudamani – Vers 304

Deutsche Übersetzung:

304. Wenn das Ichgefühl vollständig verschwunden ist, und die verschiedenen damit verbundenen Vorstellungen zerstört sind, findet man durch Erkenntnis des innersten Wesens zu Wahrheit: „Das bin ich.“ (idam aham asmi)

Sanskrit Text:

ahamo’tyanta-nivṛttyā
tat-kṛta-nānā-vikalpa-saṃhṛtyā |
pratyak-tattva-vivekād
idam aham asmīti vindate tattvam || 304 ||

अहमो ऽत्यन्तनिवृत्त्या
तत्कृतनानाविकल्पसंहृत्या |
प्रत्यक्तत्त्वविवेका-
दिदमहमस्मीति विन्दते तत्त्वम् || ३०४ ||

ahamo’tyanta-nivrittya
tat-krita-nana-vikalpa-samhritya |
pratyak-tattva-vivekad
idam aham asmiti vindate tattvam || 304 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ahamaḥ : des Egos (Aham)
  • atyanta-nivṛttyā : durch das vollständige (Atyanta) Verschwinden (Nivritti)
  • tat-kṛta-nānā-vikalpa-saṃhṛtyā : durch das Beenden (Samhriti) der durch dieses (Ego, Tad) hervorgebrachten (Krita) verschiedenen (Nana) Gedanken und Vorstellungen (Vikalpa)
  • pratyak-tattva-vivekāt : (und) durch die Erforschung („Unterscheidung“, Viveka) der inneren (Pratyanch) Wirklichkeit (Tattva)
  • idam : das (Absolute, Idam)
  • aham : ich (Aham)
  • asmi : bin (Asmi)
  • iti : in der Erfahrung („so“, Iti)
  • vindate : man findet (vid)
  • tattvam : die Wahrheit (Tattva)     || 304 ||

Kommentar

Ich-Gefühl (ahamah). Shankara sagt auf Sanskrit: durch das vollständige Verschwinden, Verschwinden( nivrtti), atyanta (vollständig), durch das vollständige Verschwinden des Ego (Ahama). Und wenn alle Gedanken und Vorstellungen verschwinden, wenn das Beenden durch das Ego ist tat (hervorgebracht) Krta nanan (Gedanken und Vorstellungen). Wodurch? Durch die Erforschung, die Unterscheidung (Viveka) der inneren (pratyanch) Wirklichkeit (Tattva) idam, da kommt das Absolute, aham (ich) asmi (bin) iti (so geschieht es) vindate (dass man findet) Tattva (die Wahrheit). Und was ist die Wahrheit? Idam (das) aham (ich) asmi (bin). Idam aham asmi – das bin ich. Das könntest du auch innerlich so sagen. Idam aham asmi. Das ist so ähnlich, wie wenn du aham brahma asmi sagst. Idam aham asmi, das bin ich. Und wie kommst du dorthin? Indem das Ego aufhört. Und wie hört das Ego auf? Dort hat Shankara ja in den letzten Versen so viele Tipps gegeben. Das Ego hört auf, indem du die verschiedenen Gedanken und Vorstellungen überwindest. Indem du mit deiner Buddhi darauf achtest, wie du dich damit identifizierst. Der Körper ist da. Er hat seine Höhen und Tiefen, er ist gesund und krank, er ist warm und kalt usw. Er ist mal durstig, mal hungrig, verbunden mit Prana, Lebensenergie, mal mit mehr Lebensenergie, mal mit weniger Lebensenergie, aber das ist der Körper. Du bist nicht der Körper. Und dann hast du den Geist. Der Geist hat Emotionen. Der Geist hat Gefühle. Der Geist produziert Gedanken. Die kannst du auch nicht ganz abstellen, aber du kannst aufhören, dich mit ihnen zu identifizieren. In dem Moment, wo du aufhörst dich mit dem Geist zu identifizieren, wird vieles leichter und schöner. Daher löse dich von der Identifikation mit dem Geist und dann erfährst du dein wahres Wesen.
Und so sagt Shankara hier, dass in dem Maße, in dem dein Ich-Gefühl stärker verschwindet, du mehr dein eigenes Selbst erfährst. Es ist nicht nur alles oder nichts. Es geht Schrittweise. Je mehr du an dich denkst, je mehr du überlegst, was du brauchst und je mehr du denkst, was andere von dir denken, umso mehr ist das Ego da. Je mehr das Ego da ist, umso mehr Probleme gibt es. Reduziere dein Ego. Und wie kannst du dein Ego reduzieren? Zum Beispiel indem du dir bewusst machst, dass nicht du, sondern der Körper handelt. Der Körper ist verbunden mit der Erde. Der Körper bekommt die Nährstoffe von der Erde. Der Körper bekommt den Sauerstoff von der Luft. Die Flüssigkeit vom Wasser, das er trinkt. Der Körper ist in ständiger Veränderung. Ich bin nicht der Körper, der Körper ist mein Instrument, mein Fahrzeug, mein Raumanzug, wie auch immer du es beschreiben willst. So wie du dir bewusst machst, dass du ein Fahrrad hast, so hast du einen Körper. So wie du vielleicht dein Auto mal fährst, fährst du auch diesen Körper. Ich bin nicht der Körper. Und wie es jetzt dem Körper geht oder nicht geht ist unerheblich. Ich erkenne immer mehr, dass moderne Aspiranten extrem körperorientiert sind. Wenn es dem Körper irgendwie schlecht geht, dann geht es ihnen grundlegend schlecht. Und es ist sogar schlimmer als früher. Wenn jemand heute eine Erkältung hat, denkt er, er hätte alles falsch gemacht. Anstatt zu sagen, dass da ein Körper ist, der sich Viren eingefangen hat, sein Abwehrsystem war nicht so gut. Ich versuche den Körper wieder zu heilen, gebe ihm ein bisschen Ruhe, trinke ein bisschen Kamillentee oder Eukalyptustee oder was auch immer und dann wird es dem Körper wieder gut gehen. So ähnlich wenn das Fahrrad einen Platten hat, dann repariert man den Reifen und angenommen die Kette geht nicht mehr richtig, dann muss man sie wieder ölen. Und angenommen der Bremszug würde nicht richtig funktionieren, dann müsste man die Bremsen wieder richtig einstellen. Genauso ist es mit dem Köper. Wenn er krank ist, dann helfen wir ihm. Identifiziere dich nicht so sehr mit dem Körper. Du bist nicht der Körper. Kümmere dich um ihn, aber wisse, dass du nicht der Körper bist. Genauso ist es mit der Psyche. Die Psyche geht durch Höhen und Tiefen. Du kannst zwar einiges tun, um die Psyche etwas mehr zu steuern, so wie du den Körper bis zu einem gewissen Maße steuern kannst, kannst du auch die Psyche bis zu einem gewissen Maße steuern. Aber du kannst auch nicht die Psyche vollständig steuern. Letztlich ist auch die Psyche nichts anderes als eine Rolle, die du bekommen hast. Innerhalb der Rolle kannst du einiges tun, aber du bist nicht die Rolle und du bist auch in der Psyche nicht so unabhängig.
Sei dir bewusst, dass du das unsterbliche Selbst bist. Es spielt auch keine allzu große Rolle, was mit dem Körper passiert. Es spielt keine so große Rolle, ob Menschen eine gute Meinung von dir haben. Es spielt keine so große Rolle, ob du gelobt wirst oder nicht. Das ist alles nicht so wichtig. Lerne, dich davon zu lösen. Dann ist weniger Ego da. Eine Manifestation des Egos ist auch, sich zu vergleichen. Bin ich besser oder schlechter als andere? Das Ego identifiziert sich mit etwas, vergleicht das dann mit anderen und will mehr haben und besser sein, höhere Wertschätzung haben. Erkenne das, löse dich davon und überwinde das Ego.

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