Viveka Chudamani – Vers 214

Deutsche Übersetzung:

214. … Von dem all diese Dinge wahrgenommen werden, der aber selbst nicht wahrgenommen wird, diesen erkenne durch die allersubtilste Einsicht als das Selbst, den Zeugen.

Sanskrit Text:

sarve yenānubhūyante yaḥ svayaṃ nānubhūyate |
tam ātmānaṃ veditāraṃ viddhi buddhyā susūkṣmayā || 214 ||

सर्वे येनानुभूयन्ते यः स्वयं नानुभूयते |
तमात्मानं वेदितारं विद्धि बुद्ध्या सुसूक्ष्मया || २१४ ||

sarve yenanubhuyante yah svayam nanubhuyate |
tam atmanam veditaram viddhi buddhya susukshmaya || 214 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sarve : all (diese Dinge, Sarva)*
  • yena : von dem (Yad)
  • anubhūyante : wahrgenommen werden (anu + bhū)
  • yaḥ : der („welcher“, Yad)
  • svayam : selbst (Svayam)
  • na : nicht (Na)
  • anubhūyate : wahrgenommen wird (anu + bhū)
  • tam : diesen (Tad)
  • ātmānam : als das Selbst (Atman)
  • veditāram : den Zeugen („Erkenner“, Veditri)
  • viddhi : erkenne („wisse“, vid)
  • buddhyā : Einsicht (Buddhi)
  • su-sūkṣmayā : durch die allersubtilste (Su + Sukshma)     || 214 ||

*Anmerkung: Dieser Vers setzt den im vorangehenden Vers (213) begonnenen Satz fort.

Kommentar

„Von dem all diese Dinge wahrgenommen werden, der aber selbst nicht wahrgenommen wird, diesen erkenne durch die allersubtilste Einsicht als das Selbst, den Zeugen.“ So spricht der Guru zum Schüler. Man könnte auch sagen, dass Shankara uns das so sagt. Von dem (yena) all diese Dinge (sarva) wahrgenommen werden (anubhūyante), derjenige (ya), der selbst nicht (na) wahrgenommen wird (anubhūyate). Diesen (tam), erkenne (viddhi) als das Selbst (atmanam), als den Zeugen (Veditri). Das ist Einsicht (Buddhya) und zwar die allersubtilste.
Du bist derjenige, der alles wahrnimmt und selbst nicht wahrgenommen werden kann. Mache dir öfters diesen Prozess der Wahrnehmung bewusst. Wenn du siehst, sei dir bewusst, das ist der Prozess des Sehens und du siehst, was wahrgenommen wird. Du hast als Instrument das Auge, vielleicht noch eine Brille vorgeschaltet. Du hast als Instrument die Psyche, die Farben und Formen erzeugt, aber du nimmst es wahr. Ohne, dass du da bist als Bewusstsein, nutzt das ganze Auge nichts und die beste Brille nichts, der beste Film nichts, das beste Smartphone nichts. Du musst da sein. Du bist das, was wahrnimmt.
Es gibt auch das Beispiel mit den Ohren. Du kannst etwas hören. Du kannst einen Podcast von mir hören. Du bist das Bewusstsein, das hört.
Es gibt das Beispiel mit dem Fühlen. Was du fühlst, die Gefühle sind da. Die Emotionen, die Gedanken sind da, all das, was du wahrnehmen kannst. Der, der wahrnimmt bist du. Das Wahrgenommene bist du nicht und auch nicht das Instrument der Wahrnehmung. Du bist nicht der Baum, den du wahrnimmst, aber du bist auch nicht das Auge, durch das du wahrnimmst. Du bist das unsterbliche Selbst. Du bist nicht die Emotion, die du wahrnimmst und du bist auch nicht das Instrument der Emotionen, die in dir erzeugt werden, du bist das Selbst. Mache das den nächsten Tag noch immer wieder, heute, morgen bis zum nächsten Podcast. Es ist gut diesen Kanal jeweils einen Tag zu hören. Es ist wie ein 1 ½ jähriges Training. Jeden Tag eine Hörsendung. Du wächst in diesem Geist des Vedanta immer mehr.
Erfülle dir den Tag damit, dass du dir bewusst machst: Ich bin der Wahrnehmende. Ich bin nicht das Wahrgenommene. Mache dir das bewusst. Spüre es. Erfahre es. Löse dich immer vom Wahrnehmbaren. Löse dich von den Grenzen. Sei dir bewusst, dass du der Wahrnehmende bist, du bist nicht das Wahrgenommene.

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