Viveka Chudamani – Vers 132

Deutsche Übersetzung:

132. In diesem Körper, in der Reinheit der dem Menschen innewohnenden Göttlichkeit (sattvatmani), in der Tiefe der Erkenntnis, in dem Raum des Unmanifesten (avyakrita akashe) leuchtet das strahlende Licht – wie die Sonne hoch am Himmel – mit seinem Glanz und erhellt die ganze Welt.

Sanskrit Text:

atraiva sattvātmani dhī-guhāyām
avyākṛtākāśa uśat-prakāśaḥ |
ākāśa uccai ravi-vat prakāśate
sva-tejasā viśvam idaṃ prakāśayan || 132 ||

अत्रैव सत्त्वात्मनि धीगुहाया-
मव्याकृताकाश उशत्प्रकाशः |
आकाश उच्चै रविवत्प्रकाशते
स्वतेजसा विश्वमिदं प्रकाशयन् || १३२ ||

atraiva sattvatmani dhi-guhayam
avyakritakasha ushat-prakashah |
akasha uchchai ravi-vat prakashate
sva-tejasa vishvam idam prakashayan || 132 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atra : hier in diesem (Körper, Atra)
  • eva : genau (Eva)
  • sattvātmani : in der Reinheit (der Qualität Sattva) des Geistes (Atman)
  • dhī-guhāyām : in der Höhle (Guha) des Intellekts (Dhi)
  • avyākṛtākāśe : im Raum (Akasha) des Unmanifesten (Avyakrita)
  • uśat-prakāśaḥ : (das Selbst) von lieblichem (Ushant) Glanz (Prakasha)
  • ākāśe : am Himmel („im Raum“, Akasha)
  • uccaiḥ : hoch oben (Uchchais)
  • ravi-vat : wie (Vat) die Sonne (Ravi)
  • prakāśate : strahlt, leuchtet (pra + kāś)
  • sva-tejasā : mit seinem eigenen (Sva) Glanz (Tejas)
  • viśvam : Universum (Vishva)
  • idam : dieses (Idam)
  • prakāśayan :  in dem er zur Erscheinung bringt („beleuchtend“, pra + kāś)     || 132 ||

Kommentar

Shankaracharya beschreibt in diesen wunderbaren Worten das Selbst. Es ist gut diese immer wieder zu hören, es sind jetzt immer wieder Verse in denen es im Grunde genommen immer wieder um das Gleiche geht. Er sagt atraiva, hier in diesem Körper, was auch heißen soll, du musst nicht warten bis du tot bist um Gottverwirklichung erfahren. Nein, du kannst es jetzt erfahren, in diesem Körper. In der Tiefe des Körpers ist was? Aiva, genau, ātman, das Selbst. Wann ist das Selbst erfahrbar? In sattvā, wenn du selbst rein bist, dann erfährst du das Selbst. Wo erfährst du das Selbst? Dhīguhāyāṁ, in der Höhle in Guha, des Intellekts deines Verstandes. Gehe ganz tief in dich selbst. Gehe in die Grundlage deines Wesens. Dort findest du das Selbst. Du findest es also tief in dir. In deinem Körper in deinem in deinem Selbst, in deinem Intellekt, auch avyākritākāśa, im Raum des unmanifesten, akāśaḥ, im unendlichen Raum. Du kannst tief nach innen gehen in die tiefe deines Wesens, dort erfährst du dein Selbst. Oder dehne deine Bewusstheit weit aus. Auch dort erfährst du das höchste Selbst. Ob ganz tief in dir oder im unendlichen Ewigen. Du erfährst das höchste Selbst. Uccai, hoch oben, du kannst es aber auch tief unten erfahren. Ravivat, strahlend, leuchtend, prakāśate, wie die Sonne, wie ravi. Dieses Selbst strahlt, svatejasā, mit großem Glanz. Viśvam idaṁ, auch das Universum, prakāśayan, wird beleuchtet und kommt in Erscheinung. Wo kannst du also das höchste Selbst erfahren? In der Mitte deines Körpers. Wo kannst du das höchste Selbst erfahren? Hinter deinen Gedanken und Emotionen. Wo kannst du das höchste Selbst erfahren? Im unendlichen und ewigen. Auch in der ganzen Welt, sie ist letztlich auch das höchste Selbst. Du kannst auch das als Übung machen. Gehe vielleicht zu einem Baum und spüre den Baum und in der Tiefe des Baumes kannst du das Selbst aufleuchten spüren. Verbinde dich mit einem Menschen. Verbinde dich mit deinem Herzen. Die Freude, die du da erfährst, da leuchtet das Selbst auf. Schaue aus dem Fenster, schaue in die Weite. Was du dabei spürst, wenn du dein Bewusstsein in die Weite bringst und nichts Konkretes siehst, sondern dich ausdehnst, dort ist das höchste Selbst. Geh in die Meditation. Geh in die Tiefe deines Wesens. Dort ist das Selbst. Wenn Gedanken in der Meditation sind, nimm das Selbst als denjenigen und dasjenige wahr, das hinter allen Gedanken ist. Wenn du aus der Meditation herausgehst. Schaue und erfahre das höchste Selbst in dem was du siehst. Es gibt nur das höchste Selbst.

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