Viveka Chudamani – Vers 121

Deutsche Übersetzung:

121. Tiefschlaf ist der Zustand, in dem die Gesamtheit der geistig-seelischen Kräfte/ des Verstandes (buddhi) wie Samen in latenter Form vorhanden ist, und wo alle Arten der Wahrnehmung und der Erkenntnis ruhen. Die allgemeine Feststellung / Aussage in diesem Zustand ist: „Ich wusste von nichts.“

Sanskrit Text:

sarva-prakāra-pramiti-praśāntiḥ
bījātmanāvasthitir eva buddheḥ |
suṣuptir etasya kila pratītiḥ
kiñcin na vedmīti jagat-prasiddheḥ || 121 ||

सर्वप्रकारप्रमितिप्रशान्ति
र्बीजात्मनावस्थितिरेव बुद्धेः |
सुषुप्तिरेतस्य किल प्रतीतिः
किञ्चिन्न वेद्मीति जगत्प्रसिद्धेः || १२१ ||

sarva prakara-pramiti-prashantih
bijatmanavasthitir eva buddheh |
sushuptir etasya kila pratitih
kinchin na vedmiti jagat-prasiddheh || 121 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sarva-prakāra-pramiti-praśāntiḥ : das Aufhören (Prashanti) aller (Sarva) Arten (Prakara) von Erkenntnis (Pramiti)
  • bījātmanā : in Form („vom Wesen“, Atman) eines Samens (Bija)
  • avasthitiḥ : das Verbleiben (Avasthiti)
  • eva : bloße („nur“, Eva)
  • buddheḥ : des Verstandes (Buddhi)
  • suṣuptiḥ : (bedeutet) Tiefschlaf (Sushupti)
  • etasya : dessen (Etad)
  • kila : ja, bekanntlich (Kila)
  • pratītiḥ : das Verständlichsein (Pratiti)
  • kiñ-cit : irgend etwas (Kinchid)
  • na : nicht (Na)
  • vedmi : ich wusste („weiß“, vid)
  • iti : in Form der Aussage („so“, Iti)
  • jagat-prasiddheḥ : (ergibt sich) aus dem allgemeinen Bekanntsein (Prasiddhi) in der Welt (Jagat)     || 121 ||

Kommentar

Tiefschlaf ist der Zustand in dem die Gesamtheit der geistig seelischen Kräfte des Verstandes wie Samen in latenter Form vorhanden ist und wo alle Arten der Wahrnehmung in Kenntnis ruhen. Die allgemeine Feststellung und Aussage in diesem Zustand ist. Ich wusste von nichts. Tiefschlaf ist also ein Zustand. Jetzt lasst uns den Tiefschlaf analysieren. Patanjali sagte auch im ersten Kapitel des Yoga Sutra: Du kannst die verschiedenen inneren Hindernisse überwinden. In dem du nachdenkst. Über das Wissen von Traum und Tiefschlaf. Im Traum schaffst du eine andere Welt. Daher wisse, die physische Welt ist nur eine relative Welt. Letztlich gibt es keinen großen Unterschied zwischen physischer Welt und Traumwelt. Daher ist der Tiefschlaf eine andere Welt. Im Tiefschlaf ist weder die Wachwelt, keine physische Welt da, noch die Traumwelt in der deine Persönlichkeit bleibt. Im Tiefschlaf ist aber alles noch im Samen vorhanden. Du erfährst zwar im Tiefschlaf dein wahres Selbst, du kannst im Tiefschlaf die Freude des Selbst wahrnehmen. Aber dort ist eine Unwissenheit. Verstand und Kräfte sind wie Samen in latenter Form. Wenn du morgens aufwachst, bist du typischer Weise der gleiche Dummkopf wie am Abend vorher. Tiefschlaf verändert dich nicht grundlegend. Das ist anders in Samadhi und tiefer Meditation. Wenn du in Samadhi dein tiefes Selbst erfährst, dann kommst du geändert, geläutert da wieder raus. So ist Tiefschlaf zwar die Erfahrung des Selbst. Das Selbst ruht in sich selbst. Aber es ist der Schleier der Unwissenheit. Deshalb wird hier gesagt. na vedmī, ich wusste nichts. Alles bleibt als bījātmanā, in Form eines Samens.

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