Viveka Chudamani – Vers 118

Deutsche Übersetzung:

118. Die Eigenschaften des vermischten sattva sind Demut, die Yamas und Niyamas, Glaube (shraddha), Hingabe (bhakti), Sehnsucht nach Befreiung (mumukshutva), göttliche Tugenden und Abkehr vom Unwirklichen.

Sanskrit Text:

miśrasya sattvasya bhavanti dharmāḥ
tv amānitādyā niyamā yamādyāḥ |
śraddhā ca bhaktiś ca mumukṣutā ca
daivī ca sampattir asan-nivṛttiḥ || 118 ||

मिश्रस्य सत्त्वस्य भवन्ति धर्मा-
स्त्वमानिताद्या नियमा यमाद्याः |
श्रद्धा च भक्तिश्च मुमुक्क्षुता च
दैवी च सम्पत्तिरसन्निवृत्तिः || ११८ ||

mishrasya sattvasya bhavanti dharmah
tv amanitadya niyama yamadyah |
shraddha cha bhaktish cha mumukshuta cha
daivi cha sampattir asan-nivrittih || 118 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • miśrasya : der (mit Rajas vermischten, Mishra)
  • sattvasya : Güte (Sattva)
  • bhavanti : sind (zu eigen, bhū)
  • dharmāḥ : die Eigenschaften (Dharma)
  • tu : aber (Tu)
  • amānitādyāḥ : Bescheidenheit, Demut (Amanita)
  • niyamāḥ : Regeln (in Bezug auf sich selbst, Niyama)
  • yamādyāḥ : Regeln (in Bezug auf andere, Yama) usw. (Adya)
  • śraddhā : Vertrauen, Glauben (Shraddha)
  • ca : und (Cha)
  • bhaktiḥ : Hingabe (Bhakti)
  • ca : und
  • mumukṣutā : das Trachten nach Erlösung (Mumukshuta)
  • ca : und
  • daivī : göttliche (Daiva)
  • ca : und
  • sampattiḥ : Tugend („Vorzüglichkeit“, Sampatti)
  • asan-nivṛttiḥ : Abkehr (Nivritti) vom Unwirklichen (Asat)     || 118 ||

Kommentar

Wenn sattva vorherrscht, dann strahlt das Selbst in dir. Wenn du in dir sattva kultiviert hast, dann kannst du das Göttliche überall wahrnehmen. Was kannst du tun um mehr sattva zu machen? Das letzte Mal habe ich davon gesprochen, mache dein Leben sattvig. Sattvige Ernährung, Asanas, Pranayama, Musik, Wohnung, Umgang. Alles das hilft dir, dass du eher Gott erfährst. Es gibt einiges, was du an Tugenden kultivieren kannst. Demut entwickeln. Es gibt immer wieder Menschen, die auf dem Yogaweg einen Hochmut bekommen. Und sagen: Du bist noch nicht so weit. Nur ich bin so weit. Das ist dann eine Art von Hochmut. Sein nicht hochmütig. Sei demütig. Dann sagt er yamas und niyamas. Du kennst die yamas und niyamas von Patanjali wahrscheinlich. Ahimsa, nicht verletzten, satya, Wahrhaftigkeit, asteya, nicht stehlen, aparigraha, Unbestechlichkeit, brahmacharya, Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten. Die fünf niyamas sind dann saucha, Reinheit, santosha, Zufriedenheit, tapas, bereit Askeseübungen zu machen, ishvararpana, Hingabe an Gott, swadhyaya, Selbststudium. Dann spricht er noch besonders von Glaube und Vertrauen. Wenn du immer wieder Zweifel auf dem spirituellen Weg hast. Dann ist das oft ein Zeichen, dein sattva ist weniger geworden. Anstatt zu sagen: Ich muss jetzt wieder überlegen und nachdenken. Du musst sattviger leben. Es heißt auch, wenn du unzufrieden bist mit deinem Lehrer, dann bist du irgendwo auf Abwege gekommen. Natürlich musst du alles zunächst überprüfen. Im Yoga gibt es keinen blinden Glauben. Wäge erst mal gründlich ab. Versuche herauszufinden, worum geht es im Leben? Versuche herauszufinden, was ist das Ziel meines Lebens? Ist die Lehre, der ich folge, eine Gute? Ist der Lehrer, dem ich folge ein Sattviger, ein Reiner? Wenn du all das überprüft hast und immer wieder neue Zweifel hast, dann ist es ein Zeichen, du kommst aus dem sattva heraus. Entwickle sattva.

Dann spricht er noch von bhakti, Hingabe an Gott. Unter den Wegen die schnell zur Erleuchtung führen, ist bhakti eine der herausragenden. So empfiehlt Shankaracharya die Kultivierung von bhakti, Gottesliebe und Hingabe. Dann spricht er über Befreiung, mumukśhatā. Die Sehnsucht nach Befreiung wird stärker, wenn du sattviger wirst. Das erlebe ich auch in dem Ashram, in dem ich lebe. Hier gibt es viele spirituelle Aspiranten. Die im Ashram leben, leben ein sehr sattviges Leben. Dann haben sie größeren Wunsch nach Befreiung. Manchmal denken sie, der Ashram würde ihnen nicht ausreichen. Sie wollen mehr meditieren, mehr Asanas, mehr Pranayama üben, mehr Zeit für Studium spiritueller Schriften. Denn das Ashramleben bei Yoga Vidya ist auch seva orientiert, uneigennütziges dienen. Wir stehen auf dem Standpunkt in der klassischen Tradition, dass man durch uneigennützes Dienen das Ego überwinden kann. Dann gibt es immer wieder Menschen, die dann sagen es ist und nicht ausreichend, hier sind auch Menschen, die nicht ganz so spirituell sind, sie verlassen den Ashram und denken, jetzt werden sie viel praktizieren. Meistens hält das 1-4 Wochen manchmal auch 3 Monate an. Danach wird die Praxis erheblich weniger. Ist weniger äußeres sattva im Leben, wird auch mumukśhatā weniger. Umgekehrt, wenn du in dir selbst merkst, dass die spirituelle Motivation das spirituelle Interesse weniger geworden ist, dann geh wieder eine Weile in den Ashram. Mach ein Wochenendseminar, eine Intensivwoche oder eine Woche oder ein Monat Karma Yoga. Auf diese Weise wird dein spirituelles Streben wieder verstärkt. Sattva führt zu mumukśhatā. Mumukśhatā zu mehr sattva.

Dann spricht er über göttliche Tugenden, sampatti. Wird oft interpretiert als die Schatz sampat. Das sind dann, was er zuvor als shamadi shatkam, bezeichnet hat. Shama, Gemütsruhe, dama, Sinnesbeherschung, uparati, Fähigkeit etwas zu meiden oder Geist von etwas abzuwenden, titiksha, aushalten von Leiden und Schmerzen, shraddha, tiefes Vertrauen, mumukśhutva, intensives Verlangen nach Befreiung. Krishna hat auch in einem Kapitel beschrieben, was die daivi sampatti, göttlichen Eigenschaften eines Schülers. All das kannst du kultivieren und entwickelst so die Fähigkeit zum Höchsten zu kommen. Das ist vielleicht das besondere beim Viveka Chudamani im Vergleich zu anderen Schriften von Shankaracharya. So viel Wert legt er auf den ganzheitlichen Yoga. So viel sagt er: Mach deinen Geist sattvig. Verankere dich in yamas und niyamas. Kümmere dich darum, dass du deinen Geist beherrschst. Sorge dafür, dass du dein Prana steuern kannst. Dass du das Prana subtiler bekommst. All das befähigt den Geist zu viveka. Hier folgt Shankaracharya auch dem was Patanjali sagt. Zur Befreiung von kaivalya kommst du durch viveka. Viveka kiati, ständige Unterscheidung. Dann definiert er die Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und Unwirklichen, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, die Unterscheidung zwischen wahrem Glück und vergänglicher Freude. Die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und Vergänglichen. Das sind die vier Vivekas. Danach sagt er, um Viveka kiati zu erreichen praktiziere die Ashtangas. Die Ashtangas sind yamas und niyamas, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Ein Weg zur Befreiung ist Viveka und die Erkenntnis des Selbst. Um Viveka üben zu können ist es wichtig sein Leben sattvig zu machen. Um sein Leben sattvig zu machen, gilt es auf die Ernährung zu achten, auf die Worte, Umgang mit anderen Menschen, die Wohnungseinrichtung, deine Kleidung.

Es gilt göttliche Tugenden zu entwickeln und ein ethisches Leben zu führen. All das führt dazu, dass es leichter fällt Gott zu erfahren. Das ist auch die Begründung für die Ethik, sowohl im Viveka Chudamani als auch im Yoga Sutra es gibt viele Gründe, warum man ein ethisches Leben führen sollte. Aristoteles hatte gesagt: Lebe ein ethisches Leben, dann bist du glücklich. So ähnlich sagt es auch Patanjali: Unethisches Leben führt zu endlosem Leid und Unwissenheit. Auch Aristoteles sagt: Der zur Weisheit hinkommen soll, muss ein ethisches Leben führen, sonst kommt er nicht zur Weisheit. Daher um zum Wissen zu kommen und glücklich zu sein, dafür praktiziere ein ethisches Leben. Es gibt auch biologische Begründungen heutzutage, logische Begründungen, die Evolutionsbiologen sagen: Der Mensch ist gepolt auf Ehtik. Der Mensch wird zufrieden sein, wenn er ethisch ist. Ein Mensch der unethisches tut wird Schuldgefühle haben, wird sich nicht wohlfühlen. Dann sagt er auch: Eine der Grundcharakteristik des Menschen, des Homosapiens ist die Fähigkeit zu kooperieren und das geht auf der Grundlage von Ethik. Deshalb ist der Mensch von Grund auf Ethik gepolt. Eine Weise das zu sehen. Die Religionen sagen wieder: Gott will es so. Deshalb führe ein ethisches Leben. Auch eine interessante Begründung für Ethik. Dann gibt es noch verschiedene philosophischen Begründungen der Ethik. Emanuel Kant hat den kategorischen Imperativ aufgestellt er hat gesagt: Handle stehts so, das die Maxime deines Handelns die Grundlage einer allgemeiner Gesetzgebung werden kann. Im Volksmund ausgedrückt: Wenn jeder das so machen würde, handle so, dass jeder so aus einer ähnlichen Motivation wie du handeln würde, es gut gehen würde. Oder Montesquieu hat vom Gesellschaftsvertrag gesprochen. Damit alles zusammen geht, braucht es eine Übereinkunft. Hobbs hat mal gesagt: Der Mensch braucht Strafe. Androhung der Strafe. Der Mensch ist der Wolf des anderen, dem anderen Menschen. Homominilupus. Daher muss man den Mensch von seinen negativen Eigenschaften schützen in dem man ihm Strafen androht und notfalls auch gibt. Du siehst unterschiedliche Begründungen von Ethik und ich habe nur ein Paar genannt. Die schönste Begründung der Ethik ist für mich Shankaracharya, Patanjali und Aristoteles. Um glücklich zu sein und zur Weisheit, zur Erkenntnis zu kommen, brauchst du ein ethisches Leben. Daher lebe ethisch. Du magst schneller zum Erfolg kommen, wenn du betrügst, lügst, andere verletzt, andere zur Seite schubst. Glücklich wirst du nicht sein. Erkenntnis wirst du nicht erlangen. Daher heißt es auch: Ehrlich währt am längsten. Führe ein ethisches Leben, ein sattviges Leben. Jetzt überlege einen Moment. Wie ethisch ist mein Leben momentan? Was könnte ich tun um ein ethischeres Leben zu haben? Wie könnte ich ein sattviges Leben entwickeln? Achte am heutigen Tag besonders darauf, wenn dein Geist in rajas, Gier, Getriebenheit oder tamas, Trägheit kommt und deshalb nicht die sattvigen Gründe umsetzt. Dann ignoriere rajas und tamas und übe sattva.

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