1. Kapitel, Vers 61

Deutsche Übersetzung:

Bitteres, Saures, Beißendes, Salziges, Scharfes, grünes Gemüse, saurer Haferschleim, Sesam Öl, Sesam, Senf, Alkohol, Fisch, | Ziege, anderes Fleisch, saure oder mit Wasser vermischte Milch, Pferdebohne, Jujube-Frucht, Ölkuchen, Teufeldreck, Knoblauch und weiteres ist ungeeignete [Nahrung für einen Yogi], so sagt man.

Sanskrit Text:

  • kaṭvāmla-tīkṣṇa-lavaṇoṣṇa-harīta-śāka-
    sauvīra-taila-tila-sarṣapa-madya-matsyān |
    ājādi-māṁsa-dadhi-takra-kulattha-kola-
    piṇyāka-hiṅgu-laśunādyam apathyam āhuḥ ||61||
  • कट्वाम्लतीक्ष्णलवणोष्णहरीतशाक
    सौवीरतैलतिलसर्षपमद्यमत्स्यान् ।
    आजादिमांसदधितक्रकुलत्थकोल
    पिण्याकहिङ्गुलशुनाद्यम् अपथ्यम् आहुः ॥६१॥
  • katvamla tikshna lavanoshna harita shaka
    sauvira taila tila sarshapa madya matsyan |
    ajadi mamsa dadhi takra kulattha kola
    pinyaka hingu lashunadyam apathyam ahuh ||61||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kaṭu : scharf, beißend (Katu)
  • amla : sauer (Amla)
  • tīkṣṇa : stechend, brennend, intensiv (Tikshna)
  • lavaṇa : salzig (Lavana)
  • uṣṇa : heiß, erhitzend (Ushna)
  • harīta* : Chebulische Myrobalane (Terminalia chebula, Harita)
  • śāka* : (grünes, schwer verdauliches) Gemüse, Kraut (Shaka)
  • sauvīra : saurer Gersten-, Reis- oder Weizenschleim (Sauvira)
  • taila : Öl, Sesamöl (Taila)
  • tila : Sesam, Sesamkörner (Tila)
  • sarṣapa : (brauner) Senf (Sarshapa), Senföl
  • madya : alkoholische, berauschende Getränke (Madya)
  • matsyān : Fisch (Matsya)
  • āja : (von) Ziegen (Aja)
  • ādi : usw., und anderen („zum Anfang habend“, Adi)
  • māṁsa : Fleisch (Mamsa)
  • dadhi : molkehaltige, dicke Sauermilch, geronnene Milch (Dadhi)
  • takra : Buttermilch mit Wasser gemischt (im Verhältnis 1 : 1 oder 3 : 1, Takra)
  • kulattha : Pferdebohnen (Macrotyloma uniflorum syn. Dolichos uniflorus, Kulattha)
  • kola : Chinesische Jujube, Brustbeere (Ziziphus zizyphus, (Kola, Badara)
  • piṇyāka : Ölkuchen (die Reste ausgepresster ölhaltiger Früchte oder Körner wie Sesam usw., Pinyaka)
  • hiṅgu : Asant (Ferula assa-foetida, Hingu) sowie das aus dieser Pflanze gewonnene Gewürz Asafoetida
  • laśuna : Knoblauch (Lashuna)
  • ādyam : all das („dieses zum Anfang habend“, Adya)
  • apathyam : (als für einen intensiv praktizierenden Yogi) ungesund, unheilsam, (Apathya)
  • āhuḥ : wird bezeichnet (ah)      ||61||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda liest zwar harīta-śāka (mit langem ī), versteht aber harita-śāka (mit kurzem i) im Sinne von „grünes Gemüse“, was er mit pattra-śāka („Blatt-Gemüse“, Pattrashaka) erklärt. Das Versmaß (Vasantatilaka) dieses Verses lässt allerdings nur eine lange Silbe an dieser Stelle zu, was für die Richtigkeit der Lesung harīta-śāka (mit langem ī) spricht. Somit sind harīta und śāka als zwei getrennte Worte aufzufassen, wobei harīta für Haritaka bzw. Haritaki (Chebulische Myrobalane) steht. Shaka bedeutet „Gemüse, Kraut„. Auch die Bedeutung harita-śāka „Meerettichbaum“ (Shigru) scheidet aufgrund der hier nicht erlaubten Kürze des i aus.

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Brahmananda

Mit scharfen Dingen sind bittere Stoffe wie Bitterkürbis gemeint; saure wie Tamarinde; stechende wie Chilis; heiße wie jene, die die Temperatur des Körpers steigern, wie Zucker, Jaggery (natürlicher Zucker), Salz.

Vishnu-devananda

61. Folgende Dinge werden für unheilvoll für den Yogi gehalten: Dinge, die scharf sind, sauer, stechend und heiß, Myrabolans, Betelnuss und Betelblätter, das gewöhnliche Conjee Öl, Sesam- und Senföl, Alkoholika, Fisch, Fleisch von Tieren wie der Ziege, geronnene Milch, Buttermilch (nicht die westliche Buttermilch, die für das praktizieren gut ist), Frucht von Jujube, Ölkuchen, Anisartiges und Knoblauch.

Diese Dinge sollten während eines Lehrganges von intensivem Pranayama wie diesem vermieden werden.

Sukadev

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1. Kapitel, Vers 62

Deutsche Übersetzung:

[Ein Yogi] sollte danach trachten, unvorteilhafte Nahrung zu vermeiden. [Dazu gehört auch:] | Aufgewärmtes, Fett reduzierte Produkte, sehr Salziges, sehr Saures, Abgestandenes und auch zu viele Gemüse.

Sanskrit Text:

  • bhojanam ahitaṁ vidyāt punar asy-oṣṇī-kṛtaṁ rūkṣam |
    atilavaṇam amla-yuktaṁ kad-aśana-śākotkaṭaṁ varjyam ||62||
  • भोजनम् अहितं विद्यात् पुनर् अस्योष्णीकृतं रूक्षम् ।
    अतिलवणम् अम्लयुक्तं कदशनशाकोत्कं वर्ज्यम् ॥६२॥
  • bhojanam ahitam vidyat punar asya ushni kritam ruksham |
    atilavanam amla yuktam kad ashana shaka utkatam varjyam ||62||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • bhojanam : Speise, Nahrung (Bhojana)
  • ahitaṁ : (als) ungesund (Ahita)
  • vidyāt : man muss kennen (vid)
  • punar : wieder (Punar)
  • asya : für einen solchen (intensiv praktizierenden Yogi, Idam)
  • uṣṇī-kṛtaṁ : (die) aufgewärmt („warm gemacht“) wurde (Ushna-Krita)
  • rūkṣam : trocken („rauh“ Ruksha im Gegensatz zu Snigdha „glatt, feucht“)
  • ati : allzu (Ati)
  • lavaṇam : salzig (Lavana)
  • amla : Säure, der sauren Geschmacksrichtung (Amla)
  • yuktaṁ : verbunden mit (Yukta)
  • kad-aśana : abgestandene (oder überlagerte „schlechte“) Speise(n, Ashana)
  • śāka : (unterschiedlichen) Gemüse(n, Shaka)
  • utkaṭaṁ : (ein) Übermaß (an, Utkata)
  • varjyam : (all diese Nahrung) ist zu vermeiden (Varjya)      ||62||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

62. Nahrung folgender Beschaffenheit sollte vermieden werden, da sie ungesund ist: Essen, das schon einmal gekocht und kalt geworden und wieder erhitzt worden ist, das ein Übermaß an Salz und Säure hat, das unverdaulich ist und das die Blätter der hölzernen Quassea untergemischt hat.

Essen, das einmal gekocht worden ist, sollte nicht wiedererhitzt werden, weil das seine ganze Energie nimmt. Diese Regel hatte ihren Ursprung darin, dass in Indien, als es keine Kühlhaltung gab, die Leute oft Nahrung von einer Mahlzeit für die nächste übrig ließen und sie wieder erhitzten – etwas sehr Schlechtes, unverdaulich.

Sukadev

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1. Kapitel, Vers 63

Deutsche Übersetzung:

[Der Yogi] sollte sich im Fernhalten von Feuer, Frauen, Herumvagabundieren und ähnlichem üben.

Sanskrit Text:

  • vahni-strī-pathi-sevānām ādau varjanam ācaret ||63||
  • वह्निस्त्रीपथिसेवानाम् आदौ वर्जनम् आचरेत् ॥६३॥
  • vahni stri pathi sevanam adau varjanam acharet ||63||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vahni : Feuer (Vahni)
  • strī : Frauen (Stri)
  • pathi : Wegen (in Form von langen Fußmärschen oder Pilgerfahrten, Pathi)
  • sevānām : das (gewohnheitsmäßige) Aufsuchen (von, Seva)
  • ādau* : zuerst, am Anfang (Adi)
  • varjanam : (das) Vermeiden (Varjana)
  • ācaret : er soll beginnen, üben (ā + car)     ||63||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass die hier aufgeführten Handlungen (das Sitzen am Feuer bei Kälte, Geschlechtsverkehr und Pilgerfahrten) nur am Anfang (Adi) der Übungspraxis (Abhyasa) gänzlich zu meiden sind (tāsām varjanam). Wenn die Übungspraxis bereits fortgeschritten bzw. „erfolgreich“ (Siddha) ist, sind diese Dinge wieder – „manchmal“ (kadā-cit), also bei passender Gelegenheit und im richtigen Maße – erlaubt: tāsām varjanam ādāv abhyāsa-kāle siddhe ‚bhyāse tu kadā-cit.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

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1. Kapitel, Vers 64

Deutsche Übersetzung:

In den Worten von Goraksha [klingt] dieses: Vermeide schlechte Gesellschaft, Nähe zum Feuer, Frauen, Herumvagabundieren, | morgendliche Waschungen, Fastenkuren und ähnliches. Diese Aktivitäten [bringen] Krankheit in den Körper.

Sanskrit Text:

  • tathā hi gorakṣa-vacanam-
    varjayed durjana-prāntaṁ vahni-strī-pathi-sevanam |
    prātaḥ-snānopavāsādi kāya-kleśa-vidhiṁ tathā ||64||
  • तथा हि गोरक्षवचनम्
    वर्जयेद् दुर्जनप्रान्तं वह्निस्त्रीपथिसेवनम् ।
    प्रातःस्नानोपवासादि कायक्लेशविधिं तथा ॥६४॥
  • tatha hi goraksha vachanam
    varjayed durjana prantam vahni stri pathi sevanam |
    pratah snanopavasadi kaya klesha vidhim tatha ||64||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tathā : ebenso, genau so (Tatha)
  • hi : denn (Hi)
  • gorakṣa : (von) Goraksha
  • vacanam : (lautet der) Ausspruch (Vachana)
  • varjayet : man vermeide (vṛj)
  • dur-jana : (von) schlechten Menschen (Durjana)
  • prāntaṁ : (die) Nähe (Pranta)
  • vahni : Feuer (Vahni)
  • strī : Frauen (Stri)
  • pathi : Wegen (in Form von langen Fußmärschen oder Pilgerfahrten, Pathi)
  • sevanam : das (gewohnheitsmäßige) Aufsuchen (von, Sevana)
  • prātar : am frühen Morgen (Pratar)
  • snāna : (das) Baden (Snana)
  • upavāsa : Fasten (Upavasa)
  • ādi : usw., und ähnliches („zum Anfang habend“, Adi)
  • kāya : (des) Körpers (Kaya)
  • kleśa : Schmerzen, Beschwerden (Klesha)
  • vidhiṁ : Handlung(en), Verrichtung(en mit daraus resultierenden, Vidhi)
  • tathā : und, ebenso, desgleichen      ||64||

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Brahmananda

Durch die Erwähnung von Aufwärmen nahe dem Feuer, Geschlechtsverkehr, lange Reisen zu Fuß zu heiligen Plätzen, sollte verständlich gemacht werden, dass sie für die Zeitspanne des Praktizierens vermieden sollten. Nachdem man die Übungen vollständig gemeistert hat, mag man nach freier Wahl sich im Winter nahe am Feuer wärmen, zur richtigen Zeit mit seiner Frau Geschlechtsverkehr haben (wie es in den Smritis dargelegt ist), zu Fuß zu heiligen Plätzen pilgern, vorausgesetzt, er ist ein Grihastha (Haushälter, Familienvater). Das ist der Standpunkt des Autors, wie klar aus dem nach Gorakshanath zitierten Vers hervorgeht. Früh am Morgen zu Baden bringt Erkältung, Fasten und andere solche Praktiken erfordern das Geübstsein des Körpers. Darum sollte das vermieden werden. Fasten steigert die Galle.

Vishnu-devananda

64. Goraksha sagt, dass er am Anfang folgendes vermeiden sollte: schlechte Gesellschaft, sich während des Winters nahe beim Feuer zu wärmen, geschlechtliche Beziehungen, lange Reisen, Baden früh am Morgen, Fasten und harte körperliche Arbeit.

Euch nahe beim Feuer zu wärmen, lässt euch Kohlendioxyd einatmen.

Sukadev

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1. Kapitel, Vers 65

Deutsche Übersetzung:

Weizen, Reis, Gerste und alles was innerhalb von 60 Tagen reift [ist] gute Nahrung. Milch, Ghee, kristalliner Zucker, Butter, harter Zucker, Honig, | getrockneter Ingwer, die Gurkenfrucht, [sowie] weitere fünf Gemüse, Mung-Bohnen, [sowie] weitere Hülsenfrüchte und Regenwasser, [diese ist Nahrung, die] für die Besten der Yogis angemessen [ist].

Sanskrit Text:

  • godhūma-śāli-yava-ṣāṣṭika-śobhanānnaṁ
    kṣīrājya-khaṇḍa-navanīta-sitā-madhūni |
    śuṇṭhī-paṭola-kaphalādika-pañca-śākaṁ
    mudgādi-divyam udakaṁ ca yamīndra-pathyam ||65||
  • गोधूमशालियवषाष्टिकशोभनान्नं
    क्षीराज्यखण्डनवनीतसिद्धामधूनि ।
    शुण्ठीपटोलकफलादिकपञ्चशाकं
    मुद्गादिदिव्यम् उदकं च यमीन्द्रपथ्यम् ॥६५॥
  • godhuma shali yava shashtika shobhanannam
    kshirajya khanda navanita sita madhuni |
    shunthi patolaka phaladika pancha shakam
    mudgadi divyam udakam cha yamindra pathyam ||65||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • go-dhūma : Weizen („Kuh-Rauch“, Godhuma)
  • śāli : Reis (Shali)
  • yava : Gerste (Yava)
  • ṣāṣṭika : (Reis- oder Getreidesorten, die innerhalb von) sechzig (Tagen reifen, Shashtika)
  • śobhana : vorzügliche, ausgezeichnete (Shobhana)
  • annaṁ : Speise, Nahrung, Reis(sorten, Anna)
  • kṣīra : Milch (Kshira)
  • ājya : geklärte Butter (Ghee, Ajya)
  • khaṇḍa : grobkörniger Zucker, (brauner) Kandiszucker (Khanda)
  • nava-nīta : frische Butter (Navanita)
  • sitā : weißer Kandiszucker (Sita)
  • madhūni : (und) Honig (Madhu)
  • śuṇṭhī : (getrockneter) Ingwer (Shringavera)
  • paṭolaka : (der) Schlangenhaargurke (Trichosanthes dioica, Patola)
  • phala : (die) Frucht (Phala)
  • ādika : usw., und ähnliches („zum Anfang habend“, Adika)
  • pañca* : (die) fünf (Pancha)
  • śākaṁ* : Kräuter, Küchenkräuter (Shaka)
  • mudga : Mungbohnen (Vigna radiata, Mudga)
  • ādi : usw., und ähnliche (Hülsenfrüchte, Adi)
  • divyam : himmliches (vom Himmel fallendes, Divya)
  • udakaṁ : Wasser, Regenwasser, Udaka)
  • ca : und (Cha)
  • yamin : (unter den) sich zügelnden (Yogis, Yamin)
  • indra : (für) einen ausgezeichneten („Fürsten“, Indra)
  • pathyam : (all das ist) heilsam (Pathya)      ||65||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda zitiert einen Vers, in dem fünf Kräuter (śāka-pañcaka) erwähnt werden, die „gut für die Augen“ (cākṣuṣya) sind: Jivanti, Vastu(ka), mūlyākṣī, Meghanada und Punarnava.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

65. Die folgenden Dinge können unbedenklich vom Yogi genommen werden: Weizen, Reis, Gerste, Milch, Ghee, Zuckerwerk, Butter, Honig, getrockneter Ingwer, Gurke, die fünf Küchenkräuter, rote Bohnen (Payaran), und gutes Wasser.

Ghee ist gereinigte Butter. Zuckerwerk ist Kandiszucker. Gurke ist eine der besten Dinge, die ihr zu euch nehmen könnt. Euer westlicher Spinat ist eines der erwähnten fünf Küchenkräuter.

Sukadev

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1. Kapitel, Vers 66

Deutsche Übersetzung:

Nahrhafte, süße und milde Milchprodukte nähren den Körper | und sind angenehm für den Geist. Das ist geeignete Nahrung, die der Yogi nutzen sollte.

Sanskrit Text:

  • puṣṭaṁ su-madhuraṁ snigdhaṁ gavyaṁ dhātu-prapoṣaṇam |
    manobhilaṣitaṁ yogyaṁ yogī bhojanam ācaret ||66||
  • पुष्टं सुमधुरं स्निग्धं गव्यं धातुप्रपोषणम् ।
    मनोभिलषितं योग्यं योगी भोजनम् आचरेत् ॥६६॥
  • pushtam sumadhuram snigdham gavyam dhatu praposhanam |
    manobhilashitam yogyam yogi bhojanam acharet ||66||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • puṣṭaṁ : nährend, reichhaltig (Pushta)
  • su-madhuraṁ : schön süß (Madhura)
  • snigdhaṁ : feucht, fettig, ölig (der Austrocknung entgegenwirkend, Snigdha)
  • gavyaṁ : Kuhmilch(produkte, Gavya)
  • dhātu : (die) Körpergewebe (Dhatu)
  • prapoṣaṇam : nährend (Poshana)
  • manas : (vom) Geist, Herz(en), (von den) Sinn(en, Manas)
  • abhilaṣitaṁ : begehrt, gewünscht (Abhilashita)
  • yogyaṁ : passend(e), geeignet(e, Yogya)
  • yogī : (ein) Yogi
  • bhojanam : Nahrung (Bhojana)
  • ācaret : sollte verzehren (ā + car)      ||66||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

66. Der Yogi sollte nahrhaftes und süßes Essen mit Milch vermischt zu sich nehmen. Es sollte die Sinne erfreuen und den Dhatus (Körperflüssigkeiten) Nährstoffe liefern.

Das ist sehr wichtig. Wir geben das unseren Sadhana-Schülern am frühen Morgen als Hilfestellung für ihr intensives Pranayama. Es ist sehr nahrhaft und überhaupt nicht schwer.

Sukadev

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1. Kapitel, Vers 67

Deutsche Übersetzung:

Jung, erwachsen oder alt, krank oder sogar schwach, | durch Praxis ohne Ablenkungen kann [jeder Mensch] in allen Techniken des Yoga Perfektion erreichen.

Sanskrit Text:

  • yuvā vṛddho’tivṛddho vā vyādhito dur-balo’pi vā |
    abhyāsāt siddhim āpnoti sarva-yogeṣv atandritaḥ ||67||
  • युवो वृद्धोऽतिवृद्धो वा व्याधितो दुर्बलो.पि वा ।
    अभ्यासात् सिद्धिम् आप्नोति सर्वयोगेष्व् अतन्द्रितः ॥६७॥
  • yuva vriddho’tivriddho va vyadhito durbalo’pi va |
    abhyasat siddhim apnoti sarva yogeshv atandritah ||67||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yuvā : (ob) jung (Yuvan)
  • vṛddhaḥ : erwachsen, alt (Vriddha)
  • ati-vṛddhaḥ : sehr (Ati) alt
  • vā : oder (Va)
  • vyādhitaḥ : krank (Vyadhita)
  • dur-balaḥ : schwach (Durbala)
  • api : aber, auch, sogar (Api)
  • vā : oder
  • abhyāsāt : durch Übung, regelmäßige Praxis (Abhyasa)
  • siddhim* : Erfolg, Vervollkommnung (Siddhi)
  • āpnoti : (man) erreicht (āp)
  • sarva : (in) allen (Sarva)
  • yogeṣu** : Yoga(techniken), Gliedern des Yoga
  • atandritaḥ : (ein) unermüdlich, unverdrossen (Praktizierender, Atandrita)      ||67||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass man aufgrund der Übungspraxis (Abhyasa) Erfolg (Siddhi) in Form (Rupa) der Frucht (Phala) des Samadhi erlangt (āpnoti): abhyāsātsiddhiṃ samādhi-tat-phala-rūpām āpnoti. Ein Synonym für Samadhi ist der Begriff Raja-yoga („königlicher Yoga„), vgl. die Anm. zu Vers 70 sowie die Verse 3-4 des 4. Kapitels, wo weitere Bezeichnungen für den „höchsten Zustand“ aufgeführt werden.

** Anmerkung: Brahmananda versteht unter Yoga hier die einzelnen Glieder (Anga) des (Hatha-)Yoga: sarveṣu yogeṣu yogāṅgeṣu (vgl. Vers 58).

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

67. Jede Person, wenn sie aktiv Yoga praktiziert, wird ein Siddha.

Jemand, der fähig ist, Kontrolle über das Prana zu bekommen, ob er jung ist, alt oder sogar sehr alt, kränklich oder schwach. Jeder kann erfolgreich sein.

Sukadev

67. Jede Person, ob sie jung ist, alt oder sogar sehr alt, kränklich oder schwach, wenn sie aktiv Yoga praktiziert, wird ein Vollkommener.

Viele, die eine Weile auf dem Weg sind – manchmal fängt man an, seine Ideale wieder runterzusetzen – aber es geht um die Vollkommenheit. Auch Jesus ermahnt seine Jünger: Seid vollkommen, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

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1. Kapitel, Vers 68

Deutsche Übersetzung:

Perfektion stellt sich mit Sicherheit ein, wenn jemand sich mit der Praxis beschäftigt. Wie könnte dies [auch] jemandem geschehen, wenn er nicht praktiziert? | Die Perfektion im Yoga [kommt] nicht durch bloßes Studieren der Schriften.

Sanskrit Text:

  • kriyā-yuktasya siddhiḥ syād akriyasya kathaṁ bhavet |
    na śāstra-pāṭha-mātreṇa yoga-siddhiḥ prajāyate ||68||
  • क्रियायुक्तस्य सिद्धिः स्यादक्रियस्य कथं भवेत् ।
    न शास्त्रपाठमात्रेण योगसिद्धिः प्रजायते ॥६८॥
  • kriya yuktasya siddhih syad akriyasya katham bhavet |
    na shastra patha matrena yoga siddhih prajayate ||68||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kriyā : (mit der Yoga-)Praxis („Tätigkeit“, Kriya)
  • yuktasya : (dem,) der aktiv („verbunden“ ist, Yukta)
  • siddhiḥ : Erfolg, Vollkommenheit (Siddhi)
  • syāt : wird zuteil („sei“, as)
  • akriyasya : (dem) Untätigen (Erfolg zuteil werden, Akriya)
  • kathaṁ : wie (Katham)
  • bhavet : sollte (bhū)
  • na : nicht (na)
  • śāstra : (der) Lehrtexte, (Yoga-)Schriften (Shastra)
  • pāṭha : Lesen, Rezitieren (Patha)
  • mātreṇa : durch bloßes (Matra)
  • yoga : (im) Yoga
  • siddhiḥ : Erfolg, Vollkommenheit
  • prajāyate : entsteht, wird erzeugt (pra + jan)     ||68||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

68. Einer, der praktiziert, wird Siddhis erlangen, aber keiner, der faul ist. Yogasiddhis werden nicht durch bloßes theoretisches Lesen der Shastras erlangt.

Sukadev

68. Einer, der praktiziert, wird die Vollkommenheit erlangen, aber keiner, der faul ist. Yogisiddhis werden nicht durch bloßes theoretisches Lesen der Schriften erlangt.

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1. Kapitel, Vers 69

Deutsche Übersetzung:

[Auch] das Tragen der [orangefarben] Kleidung [eines Yogis], noch das Sprechen [darüber], [reicht] nicht als Ursache [für den Erfolg]. | Die Praxis alleine ist die Ursache der Perfektion. [Über] diese Wahrheit [besteht] kein Zweifel.

Sanskrit Text:

  • na veṣa-dhāraṇaṁ siddheḥ kāraṇaṁ na ca tat-kathā |
    kriyaiva kāraṇaṁ siddheḥ satyam etan na saṁśayaḥ ||69||
  • न वेषधारणं सिद्धेः कारणं न च तत्कथा ।
    क्रियैव कारणं सिद्धेः सत्यम् एतन् न संशयः ॥६९॥
  • na vesha dharanam siddheh karanam na cha tat katha |
    kriyaiva karanam siddheh satyam etan na samshayah ||69||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • na : nicht (na)
  • veṣa : (bestimmter) Kleidung (Vesha)
  • dhāraṇaṁ : (das) Tragen (Dharana)
  • siddheḥ : des Erfolges, der Vollkommenheit (Siddhi)
  • kāraṇaṁ : (ist die) Ursache (Karana)
  • na : nicht
  • ca : und, auch (Cha)
  • tad : darüber (Tad)
  • kathā : Gespräch(e), Unterhaltung(en, Katha)
  • kriyā : Handlung, Tätigkeit, (die Yoga-)Praxis (Kriya)
  • eva : nur, einzig (Eva)
  • kāraṇaṁ : (ist die) Ursache
  • siddheḥ : des Erfolges, der Vollkommenheit
  • satyam : (die) Wahrheit (Satya)
  • etad : das (ist, Etad)
  • na : nicht (besteht hierüber)
  • saṁśayaḥ : (ein) Zweifel (Samshaya)        ||69||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

69. Siddhis werden nicht erlangt, indem man das Gewand eines Yogi trägt,

Einzig ein oranges Gewand zu tragen und sich einen Bart wachsen zu lassen, wird es nicht bringen, darunter seid ihr noch immer dieselbe Person.

69. (fortgesetzt) oder durch Reden über sie, nur unermüdliches Praktizieren ist das Geheimnis des Erfolges. Darüber gibt es keinen Zweifel.

Sukadev

69. Siddhis werden nicht erlangt, indem man das Gewand eines Yogi trägt, oder durch Reden über sie, nur unermüdliches Praktizieren ist das Geheimnis des Erfolges. Darüber gibt es keinen Zweifel.

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1. Kapitel, Vers 70

Deutsche Übersetzung:

[Die Praxis beruht auf] Körperhaltungen, verschiedenen Kumbhakas und weiteren erhabenen Werkzeugen. | In der Praxis des Hatha-Yoga führen all diese mit Sicherheit zur Frucht des Raja-Yoga.

Sanskrit Text:

  • pīṭhāni kumbhakāś citrā divyāni karaṇāni ca |
    sarvāṇy api haṭhābhyāse rāja-yoga-phalāvadhi ||70||
  • पीठानि कुम्भकाश् चित्रा दिव्यानि करणानि च ।
    सर्वाण्य् अपि हठाभ्यासे राजयोगफलावधि ॥७०॥
  • pithani kumbhakash chitra divyani karanani cha |
    sarvany api hathabhyase raja yoga phalavadhi ||70||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pīṭhāni : Körperstellungen („Sitz“, Pitha)
  • kumbhakā : (die) Atemverhaltungen (Kumbhaka)
  • citrā : verschieden(en, Chitra)
  • divyāni : himmliche, göttliche, wunderbare, magische (Divya)
  • karaṇāni : Mudras („Mittel“, Karana)
  • ca : und (Cha)
  • sarvāṇi : alle, sämtliche, all (diese Techniken sollten geübt werden, Sarva)
  • api : auch (Api)
  • haṭha : (des) Hatha(-Yoga)
  • abhyāse : in der Praxis (Abhyasa)
  • rāja-yoga* : (in Form des) königlichen Yoga (RajaYoga)
  • phala : (die) Frucht (Phala)
  • avadhi : (solange) bis (erreicht ist, Avadhi)       ||70||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass der (Zustand des) Raja-yoga selbst (eva) die Frucht  (Phala) des Hatha Yoga ist: rājayoga eva phalam. Zu einer Definition des Begriffes rāja-yoga vgl. die Anm. zu Kap. 4 Vers 103.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

70. Die verschiedenen Asanas, die Kumbhakas und die verschiedenen Mudras des Hatha Yoga sollten nur solange praktiziert werden, als einer noch nicht Raja Yoga erlangt.

Dieses sollte praktiziert werden, bis der Geist sehr beständig wird und Prana in die Sushumna geht. Bis dahin müsst ihr üben. Nur üben. Schaut nicht ständig nach einem Ergebnis; vom Üben und nochmals Üben wird es schließlich kommen. Wenn ihr jeden Tag Gewichte hebt, werden eure Muskeln nach und nach entwickeln. Dasselbe gilt hier.

Sukadev

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1. Kapitel, Abschluss

Deutsche Übersetzung:

Das war das erste Kapitel der Hatha-Yoga-Pradipika.

Sanskrit Text:

  • iti haṭha-pradīpikāyāṁ prathamopadeśaḥ |
  • इति हठप्रदीपिकायां प्रथमोपदेशः ।
  • iti hatha pradipikayam prathamopadeshah |

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • iti : so (lautet, Iti)
  • haṭha-pradīpikāyāṁ : in der Leuchte (des) Hatha(-Yoga)
  • prathama : (die) erste (Prathama)
  • upadeśaḥ : Unterweisung (Upadesha)

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

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