4. Kapitel, Vers 11

Deutsche Übersetzung:

Durch das Aufsteigen der erwachten Kraft (shakti) und das völlige Entsagen von Handlungen (karman), | entsteht Erleuchtung (sahajavastha) für den Yogi wahrlich von alleine.

Sanskrit Text:

  • utpanna-śakti-bodhasya tyakta-niḥśeṣa-karmaṇaḥ |
    yoginaḥ sahajāvasthā svayam eva prajāyate ||11||
  • उत्पन्नशक्तिबोधस्य त्यक्तनिःशेषकर्मणः ।
    योगिनः सहजावस्था स्वयम् एव प्रजायते ॥११॥
  • utpanna shakti bodhasya tyakta nihshesha karmanah |
    yoginah sahajavastha svayam eva prajayate ||11||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • utpanna : (für den) statt gefunden hat (Utpanna)
  • śakti : (der) Energie (Shakti)
  • bodhasya : (das) Erwachen (Bodha)
  • tyakta : (der) aufgegeben hat (Tyakta)
  • niḥśeṣa : sämtliches (Nihshesha)
  • karmaṇaḥ : Handeln (Karman)
  • yoginaḥ : eines Yogis
  • sahaja : (der) natürliche (Sahaja)
  • avasthā* : Zustand (Avastha)
  • svayam : von selbst (Svayam)
  • eva : ganz (Eva)
  • prajāyate : entsteht (pra + Jan)        ||11||

*Anmerkung: Der „natürliche Zustand“ (SahajaAvastha) ist laut dem Kommentator Brahmananda der „vierte“ (Turya) Bewusstseinszustand (Avastha) bzw. die „Erlösung (Mukti) bei lebendigem (jīvat) Leibe“ (Jivanmukti): sahajāvasthā turyāvasthā jīvan-muktiḥ.

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

Durch Asanas werden alle physischen Handlungen beendet und die Tätigkeiten beschränken sich auf Prana, die Sinnesorgane. Durch Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samprajnata Samadhi wird die geistige Aktivität eingestellt und die Handlungen werden nur auf Buddhi beschränkt. Durch starke Entwicklung von Vairagya und langer Praxis von Samprajnata-Samadhi werden die Aktivitäten des Buddhi aufgegeben und der Yogi erreicht seinen ursprünglichen unveränderlichen Zustand.

Vishnu-devananda

Der Yogi, dessen Kundalini Shakti sich erhoben hat und der frei wird von allen Affinitäten des Karmas, erlangt den Samadhi-Zustand auf natürlichem Wege.

Zweck ist es nicht, irgendetwas zu forcieren; es handelt sich um einen natürlichen Vorgang. Durch das Gießen von Pflanzen werdet ihr schließlich Blumen und Früchte ernten. Auf die gleiche Weise wird durch regelmäßiges Üben von Asanas, Pranayama, Japa usw., das Schritt für Schritt gesteigert wird, Kundalini automatisch erweckt. Es gibt keine schnelle oder leichte Methode; jedes Individuum muss seinen eigenen Weg zur Entwicklung finden. Jeder Fluss hat seinen eigenen Wasserspiegel. Ist dieser zu hoch, wird der Fluss überlaufen bzw. ist er zu niedrig, wird der Fluss austrocknen, noch bevor er den Ozean erreicht hat. Auf die gleiche Weise sollt ihr regelmäßig üben und zu viel Enthusiasmus am Beginn vermeiden. Versucht den Mittelweg zu finden; dann werdet ihr schließlich diesen Zustand erreichen.

Sukadev

11. Der Yogi, dessen Kundalini Shakti sich erhoben hat und der frei wird von allen Affinitäten des Karmas, erlangt den Samadhi-Zustand auf natürlichem Wege.

Also er sagt hier, dass es etwas ganz Natürliches ist. Warum ist es ganz natürlich? Weil es unsere wahre Natur ist, zur Selbstverwirklichung zu kommen. Unsere wahre Natur ist schon Sein, Wissen, Glückseligkeit, jetzt in diesem Moment, ist also etwas ganz Natürliches, es auch zu erfahren. Frage: Was muss ich machen, um hier auf der Bühne zu sitzen? Was muss Ich machen, um auf der Bühne zu sitzen? Nichts. Ich sitze auf der Bühne. Was muss ich machen, um ein gelbes Hemd, ein gelbes T-Shirt anzuhaben? Nichts, ich hab es schon an. Was muss ich machen, um Satchidananda zu sein, Sein, Wissen, Glückseligkeit? Nichts, ich bin es schon. Aber andererseits, ich muss es verwirklichen. Was muss ich tun, um zu verwirklichen, dass ich ein gelbes T-Shirt anhabe? Ich muss es wahrnehmen. Wie nehme ich es wahr? So. Ich muss hingucken. Wie nehme ich wahr, wer ich wirklich bin? Ich muss hingucken. Wie gucke ich da hin? Das nennt sich jetzt Meditation. Aber angenommen, ich guck jetzt ständig euch an, seh’ ich dann, welche Farbe mein Hemd hat? Nein. Solange unser Geist ständig nach außen geht und einen Wunsch nach dem anderen verfolgt und immer überlegt: Mag der mich oder mag der mich nicht, oder was denkt er oder sie über mich, oder mache ich’s ausreichend gut, und wie werde ich’s morgen machen, und wie kann ich’s so machen, dass kein Mensch was gegen mich hat, und wie kann ich’s vollkommen machen? Wenn wir das ständig denken, kommen wir nie dazu, das zu denken, was wirklich zählt, und das ist unsere wahre Natur. Diese zu verwirklichen, ist etwas ganz Natürliches.

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