3. Kapitel, Vers 52

Deutsche Übersetzung:

Der Weise erklärt, dass die Schmelze, die von der Höhlung im Gipfel des Meru fließt, in der höchsten Realität verwurzelt ist. Diese ist der höchste Punkt aller Ströme. | Die Essenz des Körpers fließt vom Mond, auf diese Weise kommt auch der Tod zu den Menschen. Daher soll der Yogi diese Praxis gut einüben, anders wird ein vollkommener (Siddhi) Körper nicht erreicht.

Sanskrit Text:

  • yat prāleyaṁ prahita-suṣiraṁ meru-mūrdhāntara-sthaṁ
    tasmiṁs tattvaṁ pravadati sudhīs tan-mukhaṁ nimna-gānām |
    candrāt sāraḥ sravati vapuṣas tena mṛtyur narāṇāṁ
    tad badhnīyāt su-karaṇam adho nānyathā kāya-siddhiḥ ||52||
  • यत् प्रालेयं प्रहितसुषिरं मेरुमूर्धान्तरस्थं
    तस्मिंस् तत्त्वं प्रवदति सुधीस् तन्मुखं निम्नगानाम् ।
    चन्द्रात् सारः स्रवति वपुषस् तेन मृत्युर् नराणां
    तद् बध्नीयात् सुकरणम् अधो नान्यथा कायसिद्धिः ॥५२॥
  • yat praleyam prahita sushiram meru murdhantara sthan
    tasmins tattvam pravadati sudhis tan mukham nimnaganam |
    chandrat sarah sravati vapushas tena mrityur naranam
    tad badhniyat sukaranam adho nanyatha kaya siddhih ||52||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yad : der („derjenige“, Yad)
  • prāleyaṁ : Nektar („Schnee, Schmelzwasser“, Praleya)
  • prahita : entspringend („herausgeströmt“, Prahita)
  • suṣiraṁ : (in der) Höhlung (Sushira)
  • meru : (des Berges) Meru (der Wirbelsäule bzw. Sushumna)
  • mūrdhan : (des) Gipfels („Kopfes“, Murdhan)
  • antara-sthaṁ : befindlich im inneren (Antara)
  • tasmin : in dieser (Höhlung, Tad)
  • tattvaṁ* : (die höchste) Wahrheit (das „So-sein“, Tattva)
  • pravadati : erkennt („verkündet als“, pra + vad)
  • su-dhīḥ : (der) Weise („mit guter Einsicht“, Dhi)
  • tad : diese (Höhlung, Tad)
  • mukhaṁ : (ist der) Ursprung („Mund“, Mukha)
  • nimna-gānām** : der Flüsse (Nimnaga, d.h. der Nadis)
  • candrāt : vom „Mond“ (Chandra)
  • sāraḥ : (der) Nektar, (die) Essenz (Sara)
  • sravati : fließt, strömt (herab, sṛ)
  • vapuṣaḥ : des Körpers (Vapus)
  • tena : daraus (Tad)
  • mṛtyuḥ : (resultiert der) Tod (Mrityu)
  • narāṇāṁ : der Menschen (Nara)
  • tad : dieses
  • badhnīyāt : man soll einnehmen („binden“, badh)
  • su-karaṇam : ausgezeichnete (Su) Siegel (Karana, nämlich Khechari Mudra)
  • adhaḥ*** : auf dem Erdboden (liegend, Adhas)
  • na : nicht (Na)
  • anyathā : auf andere Weise (Anyatha)
  • kāya : (des) Körpers (Kaya)
  • siddhiḥ : (ist) Vervollkommnung (möglich, Siddhi)     ||52||

*Anmerkung: Nach dem Kommentator Brahmananda ist hiermit die Wahrheit (Tattva) über das Selbst (Atman) bzw. die höchste Wahrheit in Form des Atman gemeint: tattvam ātma-tattvam.

**Anmerkung: Brahmananda führt aus, dass mit „Flüssen“ (Nimnaga), die mit den Worten (Shabda) Ganga, Yamuna, Sarasvati und Narmada usw. ausgedrückt werden, die Nadis Ida, PingalaSushumna und Gandhari usw. gemeint sind: nimnagānāṃ gaṅgā-yamunā-sarasvatī-narmadādi-śabda-vācyānām iḍā-piṅgalā-suṣumnā-gāndhārī-prabhṛtīnām.

***Anmerkung: Obwohl im Mula-Text adhaḥ bzw. aufgrund der Regeln des Sandhi adho steht, kommentiert Brahmananda tataḥ bzw. tato, was mit „deshalb, daher“ zu übersetzen wäre (ato hetoḥ „aus diesem Grunde“). Die Lesung adho bedeutet „auf dem Erdboden (liegend)“, was man so verstehen kann, dass der Praktizierende bei der Ausführung von Khechari Mudra auf dem Boden „liegt“, und zwar in Viparita Karani (vgl. die Anmerkung zu Vers 51).

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

52. Im Inneren des oberen Teiles von Meru, der Sushumna, ist der Nektar in der innenliegenden Öffnung verborgen.

Das ist eben das Mondchakra.

– Der Mensch, dessen Intellekt von reiner, satviger Art ist und nicht verdunkelt von Rajas und Tamas, wird darin dieWahrheit erkennen (seinen eigenen Atman).

Das bezieht sich auch noch auf eine gewisse Meditationstechnik. Man kann sich auch konzentrieren auf den Bereich oberhalb des Mondes in der Mitte des Kopfes. Ihr kennt das vielleicht von der Ujjayi-Meditation, Chid-Akasha. Und in diesem inneren Raum des Kopfes, dort kann man auch sein eigenes Selbst wahrnehmen. Bindu ist hier hinten. Chid-Akasha ist mehr so in der Mitte des Kopfes, um das eigentliche Ajna- Chakra herum. Meru ist die Sushumna. Meru ist der Weltenberg, und das entspricht der Sushumna.

Es (die Öffnung) ist der Mund, durch den sich die Flüsse (Nadis) entleeren können. Vom Mond aus strömt der Nektar, die Essenz des Körpers, und die Folge ist der Tod des Sterblichen. Deshalb sollte man das segensreiche und wirksame Khechari Mudra ausführen. Nimmt man sich nicht die Mühe, es zu üben, so wird man nie in den Genuss von Kaya Siddhi kommen (das den Körper mit Schönheit, Anmut, Kraft und unüberwindlicher Festigkeit ausstattet).

Audio

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Video

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