3. Kapitel, Vers 37

Deutsche Übersetzung:

Die Zunge nach Hinten gewendet soll der Yogi sie in den Ort der drei Energiekanäle einführen. | Dies ist Khechari-Mudra. Es wird Energiezentrum des Raumes (Vyoma Chakra) genannt.

Sanskrit Text:

  • kalāṁ parāṅ-mukhīṁ kṛtvā tri-pathe pariyojayet |
    sā bhavet khe-carī mudrā vyoma-cakraṁ tad ucyate ||37||
  • कलां पराङ्-मुखीं कृत्वा त्रिपथे परियोजयेत् ।
    सा भवेत् खेचरी मुद्रा व्योमचक्रं तद् उच्यते ॥३७॥
  • kalam paran mukhim kritva tri pathe pariyojayet |
    sa bhavet khechari mudra vyoma chakram tad uchyate ||37||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kalāṁ : (die) Zunge (Kala)
  • parāṅ-mukhīṁ : zurückgebogen („abgewandt“, Paranmukha)
  • kṛtvā : machend (kṛ)
  • tri-pathe* : in die Höhlung des Schädels (den Ort der „drei Wege“ Tripatha, wo sich IdaPingala und Sushumna vereinigen)
  • pariyojayet : man lege (pari + yuj)
  • sā : dieses (Tad)
  • bhavet : ist („sei“, bhū)
  • khe-carī : (namens) Khechari (“die im Himmel wandelnde”)
  • mudrā : (das) Siegel (Mudra)
  • vyoma-cakraṁ : Rad, Kreis (des) Himmels, Luftraumes, Äthers (Vyomachakra)
  • tad : das (Tad)
  • ucyate : wird (auch) genannt (vac)     ||37||

*Anmerkung: Der Kommentato Brahmananda erklärt den Begriff Tripatha wie folgt Tripatha („Dreiweg“) ist der Weg (Pantha) der drei (Tri) Kanäle (Nadi). In diesen Dreiweg, einer Höhlung (Kuhara) im Schädel (Kapala), lege (pariyojayet) man (die Zunge) – tisṛṇāṃ nāḍīnāṃ panthāḥ tri-pathas, tasmin tri-pathe kapāla-kuhare pariyojayet.

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

37. Dann dreht man die Zunge so weit, dass sie in die Höhle im Gaumen eindringen kann, dem Punkt, an dem sich die drei Nadis kreuzen. Das wird Khechari Mudra genannt.

Das ist die volle Khechari-Mudra. Gut. Swami Vishnu hat gesagt, wenn man älter als dreißig ist, darf man das nicht mehr machen. Damit ist das für die Mehrheit der Menschen erledigt. Die anderen dürfen es nur dann machen, wenn da nebendran einGuru sitzt, der beurteilen kann, ob alles in Ordnung geht, oder ob derMensch grad dabei ist, zu sterben. Der erste Teil ist gar nicht so kompliziert. Man nimmt die Zunge, zieht sie ein bisschen raus, bisschen abschneiden, Salz und Tumeric, dass es nicht zuheilt, sondern, dass es zwar heilt, aber das Band nicht wieder zu ist. Wenn man dass alle sieben Tage macht, dann ist nach sechs Monaten die Zunge durchgeschnitten. Das ist nicht so schlimm, wie es sich anhört. Viele Menschen lassen sich ja Schönheitsoperationen machen, die sind viel radikaler. Natürlich macht man sie dann nicht selber, sondern in Vollnarkose, da wird Fett abgesaugt, die Nase angesetzt, Silikonkissen rein, und irgendwelche Implantate hier rein und was anderes herausgeschnitten. Oder Menschen machen auch nur aus Schönheitsgründen Piercing durch die Nase, Piercing durch die Ohren, um Ohrringe reinzusetzen, Nasenringe und Nabelringe, und wo die Leute all diese Ringe reinsetzen, und nur aus Schönheitsgründen. Für Kechari Mudra macht man wenigstens etwas, was irgendeinen Sinn machen könnte. Also das wäre dann nicht ganz so tragisch. Aber wenn man dann tatsächlich Khechari Mudra macht, und dann die Zunge nach hinten verschluckt, dann kann man ja nicht mehr atmen. Und das macht dann nur dann Sinn, wenn man gleichzeitig in Kevala Kumbhaka reingerutscht ist und der Metabolismus des Körpers angehalten ist. Ist der Metabolismus des Körpers nicht angehalten und die Zunge ist hinten, erstickt man und stirbt. Deshalb hat uns der Swami Vishnu nicht nur abgeraten, er hat uns verboten, diese Übung zu machen. In Indien ist es dann üblich, dass der Lehrer dort nebendran hockt und guckt. Und der kann dann beurteilen: Ist der jetzt grad in Kevala Kumbhaka oder ist der am Ersticken.

Gott hat einen geschaffen mit dem Wunsch nach mehr. Gott hat einen geschaffen mit diesen Wünschen. Die Tiere kommen nicht auf diese Idee. Die Tiere sind geschaffen so, wie sie sind, um so weiterzuleben. Der Mensch strebt nach mehr. Dieses Mehr kann in die richtige Richtung gehen, und dann macht man Yoga und Meditation, oder Mensch macht Dinge andere Dinge, und dann . . . [Zwischenbemerkung]

Es gibt auch Menschen, die das heute noch machen. Der Swami Vishnu konnte die Zunge nach hinten geben. Und er hat uns durchaus gesagt, was da steht an der Wirkung, das stimmt durchaus. Der Geist geht in andere Sphären ein. Und er war auch nicht verstümmelt. In keinster Weise. Der konnte ganz normal sprechen. Der konnte die Zunge rausstrecken und die Zungenspitze an den Punkt zwischen den Augenbrauen geben. Wenn er die Zunge normal bis hier rausgestreckt hat, sah sie aus wie jede andere Zunge auch. Also so lange sie im Mund drin war, war sie ganz normal, und wenn er sie ausgestreckt hat – er konnte sie ausstrecken bis hier oben hin. Aber ich habe einen Onkel, der kann das auch ohne die Khechari Mudra. Also es ist nicht so widernatürlich, wie es für uns klingt. Es ist halt einfach an seinem Körper arbeiten.

Es ist was gefährliches, und deshalb hat’s der Swami Vishnu nicht erklärt, aber es ist nicht etwas, was auch nur im Geringsten in irgendeiner Weise Schädigungen im Menschen schaffen würde. Krishna sagt ja gerade in der Bhagavadgita, wo er über die Weisen von Askese spricht: Diejenigen, die ihren Körper quälen und ruinieren, das ist die tamasige Askese, womit sie auch mich, der ich im Körper wohne, quälen. Also so müssen wir das verstehen. Es ist eine Praxis, die helfen kann, und es ist tatsächlich was Gutes, die Zunge nach hinten zu falten.

Wer merkt, dass die Khechari Mudra für ihn interessant ist, und vielleicht noch weiter nach hinten, der kann eine einfache Version machen. Man nimmt seine Finger, am besten streckt man die Zunge heraus, nimmt ein Tempotaschentuch oder Toilettenpapier, macht die Zunge ein bisschen trocken und die Finger auch, wäscht natürlich die Finger vorher, und zieht die Zunge ein bisschen raus, und dehnt sie dann so ähnlich, wie bei allen anderen Dehnübungen auch: Nur so lange, wie angenehm. Nicht mit Gewalt, nur so weit, wie es angenehm ist. Und dann geht die Zunge etwas weiter nach hinten und dann ist dieses Nachhintenrollen etwas, was hilfreich sein kann. Die Zunge wird flexibler. Und weil sie flexibler ist, kann sie auch länger werden. Der Zungenmuskel kann sich ja zusammenziehen, dann ist die Zunge kleiner, und er kann sich auseinanderstrecken, dann ist sie länger. Aus Versehen geschieht das nicht. Gut – also für unsere Zwecke gibt’s aber die andere Möglichkeit, die Zunge nach hinten zu rollen, und das hat einen großen Teil der Wirkung, die auch dort steht, und das reicht für unsere Zwecke voll aus.

Man kann sie auch noch anders nach hinten rollen. Das ist so eine ähnliche Frage, wie bei der Vorwärtsbeuge. Man kommt so weit, warum reicht das nicht? Warum muss man die Hände auf die Füße geben? Also zum einen gibt’s verschiedene Geschmäcker, zum anderen wirken die Übungen, und dann hat’s durchaus auch noch eine gewisse Schönheit, wenn man ein bisschen weiterkommt, was nur der beurteilen kann, der es ausprobiert hat. Aber es heißt nicht, dass man solche Sachen machen muss. Der Swami Vishnu hat’s und ja verboten zu machen. Mir konkret hat er’s verboten. Ich wollt’s eigentlich machen.

Die Hatha Yogis waren immer im Ruf eines sehr langen Lebens. Also diejenigen, die diese Dinge gemacht haben, haben immer einen Ruf gehabt von einem sehr langen Leben. Dass dort Menschen unter Anleitung von einem Meister diese Praktiken gemacht haben, und davon die krank geworden sind, ist mir nicht bekannt. Über Hatha Yoga wird ja in orthodoxen Kreisen oder wurde viel geschimpft. Aber es wurde den Hatha-Yogis nie vorgeworfen, dass die Menschen deshalb krank würden. Es wurde ihnen eher gesagt, sie würden die Langlebigkeit des Körpers überbewerten. Was allgemein bekannt war, dass Menschen, die sich intensiv mit Hatha Yoga beschäftigt haben, wenn sie’s bis zum Alter gemacht haben, sehr alt geworden sind, und sehr, sehr gesund gewesen. Man hat ihnen halt vorgeworfen, sie kümmerten sich nur um den Körper und dass sie dann bestimmte übernatürliche Kräfte zum Teil zur Schau gestellt haben. Und sie haben sich letztlich auch nicht ganz an die orthodoxen Gepflogenheiten gehalten, sich nicht um den Sprachgebrauch gekümmert.

Und es war auch den Hatha Yogis so ganz recht. Im indischen Mittelalter, also in der Urzeit war Hatha Yoga automatisch Teil in dem Gurukulasystem. So steht’s dann auch in den Manu-Smrittis, dass die Kinder beim Lehrer gelernt haben Pranayama, Körperübungen, Beruf und so weiter. Aber eben im indischen Mittelalter, wo Indien unter moslemischer Fremdherrschaft gestanden hat, dort haben wahrscheinlich die Orthodoxen versucht, den Moslems zu gefallen, und all das wegzulassen, was Körperbeschäftigung war, was im Islam verpönt war. Und dann haben sich so mehrere Richtungen herausgebildet. Die Hatha Yogis hielten sich dann mehr geheim. Dann wurden sie manchmal von den klassischen Vedantins oder der klassischen Bhakti-Schulen kritisiert, dass sie sich so um den Körper kümmern, und dass sie die Langlebigkeit so überbewerten, wo der Mensch doch sowieso sterben muss und die Unsterblichkeit nicht im physischen Körper zu erreichen ist. Hatha Yogis würden sagen: „Sicher ist die Unsterblichkeit nicht im physischen Körper zu erreichen, aber man hat mehr Zeit, sich um die Unsterblichkeit zu kümmern, wenn der physische Körper gesund ist.“ Und diese Praktiken wurden im Hatha Yoga selten praktiziert. Und wenn, dann unter Anleitung eines kompetenten Gurus, der beurteilen konnte: Ist das richtig oder nicht, wirkt das gut oder nicht?

[Frage] Beim Swami Vishnu war es durch viele Unfälle gewesen. Der Swami Vishnu hat in den 70er Jahren einen Unfall gehabt, wo er klinisch tot war. Mehrere Stunden ohne Herzschlag, und mit inneren Blutungen. Die Bauchspeicheldrüse war kaputt gegangen, und das hat dann irgendwann zur Diabetes geführt. Ein medizinisches Wunder war, dass er doch noch recht lange so leben konnte. Dann hatte er einen anderen Autounfall, wo beide Knie gebrochen waren. Einen anderen, wo die Lendenwirbel gebrochen sind. Also das ist der Grund bei Swami Vishnu gewesen. Paramahansa Yogananda hat ja kein Hatha Yoga praktiziert. Der hat ein paar Atemübungen gemacht, und eben seinYoga. Aber Hatha Yoga im Sinne von Asanas und systematischem Pranayama hat er ja nicht praktiziert. Und dann ist es auch Karma. Letztlich ist es Karma.

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