3. Kapitel, Vers 3

Deutsche Übersetzung:

Der leere Pfad wird dann zum königlichen Weg der Lebensenergie, | dann wird alles wandelbare des Menschen (Chitta) haltlos und die Zeit wird überwunden.

Sanskrit Text:

  • prāṇasya śūnya-padavī tadā rāja-pathāyate |
    tadā cittaṁ nirālambaṁ tadā kālasya vañcanam ||3||
  • प्राणस्य शून्यपदवी तदा राजपथायते ।
    तदा चित्तं निरालम्बं तदा कालस्य वञ्चनम् ॥३॥
  • pranasya shunya padavi tada raja pathayate |
    tada chittam niralambam tada kalasya vanchanam ||3||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • prāṇasya : für die Lebensenergie Prana
  • śūnya-padavī : (die) Sushumna („Pfad der Leere“, Shunyapadavi)
  • tadā : dann (Tada)
  • rāja-pathāyate : wird zur Haupstraße („Königsweg“, Rajapatha)
  • tadā : dann
  • cittaṁ* : (wird der) Geist (Chitta)
  • nir-ālambaṁ* : objektlos („ohne Stütze“, Niralamba)
  • tadā : dann (wird möglich)
  • kālasya : des Todes („der Zeit“, Kala)
  • vañcanam : (das) Täuschen („Hintergehen, Entrinnen“, Vanchana)      ||3||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass ein „Geist ohne Stützen“ (cittaṃ nir-ālambaṃ) objektlos ist, d.h. er wird (bhavati) von den Sinnes- bzw. Meditationsobjekten (Vishaya) losgelöst: cittaṃ … nir-ālambaṃ nir-viṣayaṃ bhavati.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

3. Dann fließt das Prana durch die königliche Straße: Sushumna. Dann verbleibt der Geist ausgesetzt und der Yogi überlistet den Tod.

4. Sushumna, die große Leere, die Brahmarandhra, die große Straße, der brennende Grund, Sambhavi, und der mittlere Pfad, alle beziehen sich auf ein und dasselbe.

Dies ist schwer zu begreifen, aber wenn ihr übt, wird es euch allmählich klarer werden. „Die Leere“ ist eine wörtliche Übersetzung aus dem Sanskrit „Shunya“ und bedeutet einen Zustand, in dem weder Eigenschaften, Zeit, Raum oder Bewusstheit existieren. Geht das Prana in die Sushumna, ist die Welt nicht mehr vorhanden. Bewusstsein von Zeit und Raum und Erfahrungen der Sinne sind nur Schöpfungen des Geistes, der Gedanken. Normalerweise ist man manchmal aktiv und manchmal weniger; man erlebt einmal positive und einmal negative Gefühle – das geht immer so weiter. Dann gibt es Eigenschaften und man ist sich der Zeit und des Raumes bewusst. Wenn jedoch Prana die Sushumna erreicht, wird es zu Nichts. Mit anderen Worten: Samadhi ist erreicht.
Im Hatha Yoga nennen wir diesen Zustand Umani Avashta. Im Raja Yoga heißt es Asamprajnata Samadhi. Im Jnana Yoga hat er den Namen Nirvikalpa Samadhi. Aber im Grunde bezeichnen sie alle das Gleiche.
Brahmarandhra bedeutet Brahmas Kanal. Gegenwärtig fließt Prana durch Ida und Pingala durch die Sinnes- und Sexualorgane, aber sobald es durch Brahmarandhra fließt, hat man nur noch den Gedanken „Aham“ – „Ich bin“.
Sushumna wird auch als „brennender Grund“ bezeichnet. Was verbrennst du? Du verbrennst alle deine Samskaras (subtile Eindrücke aus vergangenen Leben), die, obwohl verborgen, sprießen würden wie Samen im Frühling. Fließt nun das Prana in die Sushumna, so werden sie verbrannt.

Sukadev

3. Dann fließt das Prana durch die königliche Straße: Sushumna. Dann verbleibt der Geist ausgesetzt und der Yogi überlistet den Tod.

Er weiß, dass er unsterblich ist. Das ist die Überlistung. Der Körper stirbt irgendwann, aber der Tod ist überlistet. Er mag den Körper nehmen, aber ich weiß, ich bin unsterblich. Wir leben in einer Gesellschaft, wo wir den Tod weit von uns weggeschoben haben. Tod geschieht uns nicht, das geschieht nur anderen. Tod wird typischerweise im Fernsehen so dargestellt, so kommt man normalerweise nicht um. Erschossen wird man nicht so oft, oder dass einem Arnold Schwarzenegger – passiert ja nicht so oft. Das war ja auch das, warum der 11. September die Menschen so sehr erschüttert hat, es ist glücklicherweise kein Anschlag geschehen am Jahrestag, plötzlich wusste man: Das kann uns auch geschehen, egal wo wir sind. Ein Autounfall kann natürlich sehr viel wahrscheinlicher passieren. Es gibt viel mehr Autounfälle, wo Menschen sterben. Wir denken nicht daran. Bei Menschen früherer Zeiten, da war es anders gewesen. Da war der Tod eine wichtige Sache. Gut, im Christentum war ja der Tod noch dazu verbunden mit dem Jüngsten Gericht, und der Gefahr der ewigen Verdammnis. Vielleicht habt ihr mal was über Luthers Leben gelesen. Ich finde es eher noch erstaunlich, wie wenig solche Sachen, religiöse Themen, im Religionsunterricht behandelt wurden, mindestens zu meiner Zeit. Wir haben über alles Mögliche gesprochen, aber weder über die Heiligen noch über die Bibel übermäßig viel, erst recht nicht über den Begründer der Reformation. Er ist ins Kloster gegangen, nachdem er beinahe von einem Blitz erschlagen wurde, und dann dachte er: So schnell kann ich sterben und dann komme ich in dieHölle. Er hatte furchtbare Angst vor der Hölle, und weil er so Riesenangst hatte vor der Hölle, wollte er also alles tun, um das Jüngste Gericht dazu zubringen, dass er nicht in die Hölle kommt. Gut, und dann später hat er gedacht: Das ist auch nicht das Richtige, Gott praktisch dazu zu zwingen, dass er in den Himmel kommt, und dann kam eben seine neue Theologie, dass man in den Himmel kommt allein durch die Gnade Gottes. Weil Jesus gestorben ist, für uns gestorben ist, und wir brauchen nur die Gnade anzunehmen. Wir brauchen nichts zu machen, die Gnade macht alles. Das war eine gewisse Gegenbewegung. Meine Behauptung: Beides ist wichtig. Das Gnadenelement, wie auch die eigene Praxis.

Und jetzt gibt er uns einen Vers, der ein Schlüssel ist zur Entzifferung von verschiedenen Mythen. Wer sich mal mit indischer Mythologie beschäftigt, da findet man immer wieder bestimmte Aussagen, und die kann man interpretieren auf Geschehnisse, die in einem selbst geschehen auf dem spirituellen Weg. Und hier sagt er jetzt:

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