2. Kapitel, Vers 76

Deutsche Übersetzung:

Ohne Hatha-Yoga kein Raja-Yoga, ohne Raja-Yoga kein Hatha-Yoga. | Daher soll [der Yogi] beides praktizieren, solange er den Erfolg nicht erreicht hat.

Sanskrit Text:

  • haṭhaṁ vinā rājayogo rāja-yogaṁ vinā haṭhaḥ |
    na sidhyati tato yugmam ā niṣpatteḥ samabhyaset ||76||
  • हठं विना राजयोगो राजयोगं विना हठः ।
    न सिध्यति ततो युग्मम् आनिष्पत्तेः समभ्यसेत् ॥७६॥
  • hatham vina rajayogo raja yogam vina hathah |
    na sidhyati tato yugmam a nishpatteh samabhyaset ||76||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • haṭhaṁ : (den) Hatha(-Yoga)
  • vinā : ohne (Vina)
  • rāja-yogaḥ : (der) königliche Yoga (RajaYoga)
  • rāja-yogaṁ* : (den) königlichen Yoga (Rāja-Yoga)
  • vinā : ohne
  • haṭhaḥ : Haṭha(-Yoga)
  • na : nicht (Na)
  • sidhyati : hat Erfolg, gelingt (Siddhi)
  • tataḥ : daher, deshalb (Tatas)
  • yugmam : beide („als Paar“, Yugma)
  • ā : bis (A)
  • niṣpatteḥ : zur Vollendung (des Rāja-Yoga, Nishpatti)
  • samabhyaset : man soll üben, praktizieren (sam + ahbi + as)       ||76||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass hier (atra) unter dem Wort (Shabda) RajaYoga die im vierten Kapitel (ChaturthaUpadesha) gelehrt werdenden (vakṣyamāṇa) Techniken (Sadhana) zu verstehen sind, die in Form (Rupa) von UnmaniShambhavi Mudra usw. den ebenfalls als Rajayoga bezeichneten höchsten Zustand (Param Padam) herbeiführen: rāja-yoga-sādhane ‚tra rāja-yoga-śabdaḥ rāja-yoga-sādhanaṃ caturthopadeśe vakṣyamāṇam unmanī-śāmbhavī-mudrādi-rūpam.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Man kann nicht ohne Hatha Yoga Vollendung in Raja Yoga erlangen, und umgekehrt. Deshalb sollte er beide praktizieren, bis er Vollkommenheit in Raja Yoga erreicht.

Das unterstreicht den Punkt, dass man beide Yogas gleichzeitig praktizieren sollte: Asanas und Pranayama zusammen mit Meditation und Mantras, nicht nur einen Yoga allein.

Sukadev

76. Man kann nicht ohne Hatha Yoga Vollendung in Raja-Yoga erlangen, und umgekehrt. Deshalb sollte er beide praktizieren, bis er Vollkommenheit in Raja Yoga erreicht.

Also Vollkommenheit erreichen wir, wenn wir beides praktizieren. Patanjali wäre damit vielleicht nicht ganz so einverstanden. Es mag den einen oder anderen tatsächlich geben, der allein durch geistige Übung den Geist unter Kontrolle bringt. Aber das gelingt nicht oft, und daher ist Hatha-Yoga für die große Mehrheit der Menschen eine Hilfe zum Raja-Yoga. Aber Hatha-Yoga allein ausgeführt, hat auch einen Nachteil, nämlich dass man nur auf den Körper konzentriert ist. Es gibt ja genügend Yoga-Schüler und Yoga-Praktizierende in Deutschland, die Hatha-Yoga hauptsächlich für Entspannung und Gesundheit praktizieren. Selbst das, wenn es richtig gelehrt wird, hat irgendwann die Wirkung, dass sich auch innerlich etwas tut, sofern das innerlich angelegt wird. Hier hängt’s natürlich auch ab, wie Hatha-Yoga gelehrt wird. Es gibt ja inzwischen eine ganze Reihe Arten von Hatha-Yoga, die den Menschen, selbst wenn der Mensch täglich übt, nicht dazu bringen, wirklich auf den spirituellen Weg zu kommen, sondern dass er dann eben in dem körperlichen Zustand verharrt. Die Weise, die ihr nach Sivananda lernt, ist eine der Weisen, nicht die einzige, die, wenn der Mensch regelmäßig übt, es, wenn irgendwie eine spirituelle Ader in dem Menschen drin ist, wird die aktiviert. Und dort eben die Reihe Atemübungen,Asanas, Halten der Asanas,Tiefenentspannung. Bei den Asanas Verbindung von Konzentration, Atmung und Entspannung. All das hat diese fast magische Wirkung.

Von Kriya-Yoga gibt’s Hunderte von verschiedenen Sorten, denn Kriya heißt wörtlich Handlung, und in verschiedenen Yoga-Systemen ist Kriya was anderes. Zum Beispiel in Patanjalis Werk Tapas, Svatyaya, Ishvara Pranidhana, Kriya Yoga. Das heißt Kriya- Yoga besteht aus Tapas – Askese, Svatyaya – Selbststudium, und Ishvara Pranidhana – Studium der Schriften. Es gibt im Bhakti -Yoga auch Kriya-Yoga, das sind fünf Handlungen. Das eine ist, Opferfeuer zu machen, Pujas zu machen, Arati zu machen, dann gehört noch Spenden zu geben und regelmäßig in den Tempel zu gehen. Das sind die fünf Kriyas in einer Form von Bhakti-Yoga. Dann im Hatha-Yoga gibt’s sechs Kriyas. Tratak, Neti, Dhauti, Kapalabhati, Nauli und Bhasti. Und du meinst ja wahrscheinlich den Kriya-Yoga von Paramahansa Yogananda und seine Schülern, der heute meistens als Kriya-Yoga bezeichnet wird. Das sind eigentlich hauptsächlich kombinierte Energieerweckungsübungen, die wir hier als Kundalini-Yoga bezeichnen würden. Also das, was Yogananda und seine Schüler, auch von ähnlichen Traditionen lehren, sind eigentlich Kundalini-Praktiken, Das sind bestimmte Visualisierungen, die manchmal verbunden sind mit bestimmten Formen von Mula-Bandha, Tratak, Mantra – es sind also kombinierte Energieerweckungsübungen. Es gibt dort verschiedene Formen von Meditationen. Und es gibt auch verschiedene Traditionen. Paramahansa Yogananda ist eine Tradition, und dann gibt’s den Hari Harananda, eine andere Tradition, dann gibt’s den Raja Govindan, der hat noch mal eine andere. Es sind also verschiedene Energietechniken. Gut. Hatha-Yoga soll also auch ergänzt werden mit Raja-Yogatechniken. Patanjali sagte ja auch, dass manPranayama üben soll mit einem Geist, in dem das sattvige Element vorherrschend ist, also sattvige Konzentrationstechniken in Verbindung, und letztlich hat Swatmarama ja im ersten Kapitel die Yamas und die Niyamas noch stärker ausgebaut, als Patanjali, damit dem Schüler klar wird, es reicht nicht nur aus, Asanas zu praktizieren, sondern es ist wichtig, die vollständige Yoga-Praxis zu üben.

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