2. Kapitel, Vers 74

Deutsche Übersetzung:

Für diesen ist nichts was in den drei Welten bekannt wäre schwer zu erreichen, | der das Kevala-Kumbhaka, das Anhalten der Luft wie hier beschrieben, beherrscht.

Sanskrit Text:

  • na tasya dur-labhaṁ kiñ-cit triṣu lokeṣu vidyate |
    śaktaḥ kevala-kumbhena yatheṣṭaṁ vāyu-dhāraṇāt ||74||
  • न तस्य दुर्लभं किंचित् त्रिषु लोकेषु विद्यते ।
    शक्तः केवलकुम्भेन यथेष्टं वायुधारणात् ॥७४॥
  • na tasya durlabham kin chit trishu lokeshu vidyate |
    shaktah kevala kumbhena yatheshtam vayu dharanat ||74||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • na : nicht (Na)
  • tasya : für einen solchen (Yogi, Tad)
  • dur-labhaṁ : (das) schwer zu erlangen (ist, Durlabha)
  • kiñ-cid : irgend etwas (Kim Chid)
  • triṣu : in den drei (Tri)
  • lokeṣu : Welten (Loka)
  • vidyate : es gibt (Vid)
  • śaktaḥ : (ein Yogi, der) fähig (ist, Shakta)
  • kevala-kumbhena : (zur) islolierten Atemverhaltung (KevalaKumbha)
  • yathā-iṣṭaṁ : nach Belieben („wie gewünscht“, Yatha Ishta)
  • vāyu : (der) Luft (“Wind”, Vayu)
  • dhāraṇāt : aufgrund des Anhaltens (Dharana, Fortsetzung in Vers 75)        ||74||

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

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Vishnu-devananda

Wenn dieses Kumbhaka ohne irgendein Rechaka oder Puraka gemeistert worden ist, dann gibt es für ihn nichts mehr in diesen drei Welten, was er nicht erlangen könnte. Er kann seinen Atem durch Kumbhaka anhalten, solange er möchte.

Nun könnt ihr, wann auch immer ihr Prana hochbringen wollt, es einfach mit bloßer Konzentration tun.

Sukadev

74. Wenn dieses Kumbhaka ohne irgendein Rechaka oder Puraka gemeistert worden ist, dann gibt es für ihn nichts mehr in diesen drei Welten, was er nicht erlangen könnte. Er kann seinen Atem durch Kumbhaka anhalten, solange er möchte.

Das ist ein Zeichen einer fortgeschrittenen Herrschaft über Prana. Natürlich darf man das jetzt auch nicht alles wörtlich nehmen. Aber wenn wir das Prana so sehr unter Kontrolle haben, dass wir den Atem willkürlich aufhören lassen können, dann können wir dieses Prana auch in alle möglichen anderen Richtungen einsetzen, sofern wir das wollen.

In dem Zustand kann man theoretisch eben in einem luftdichten Raum eingesperrt werden und dort jahrelang drin verweilen. Es gibt dazu eine Geschichte von Dattatreya. Dattatreya, einer der großen, legendären Meister, der vor vielen Jahrtausenden gelebt haben soll. Dattatreya wollte meditieren, aber die Menschen haben irgendwie erkannt, dass er ein großer Meister ist. Also sind sie zu ihm hin und wollten ständig von ihm irgendwas. Und natürlich, wie die meisten Schüler, wollten sie nicht nur die Selbstverwirklichung erreichen, sondern großen Meistern werden alle möglichen anderen übernatürlichen Kräfte nachgesagt. „O Meister, bitte hilf mir, ich hab Schnupfen, ich hab Erkältung, ich hab Rückenschmerzen, bitte hilf mir. Bitte hilf mir mit meinen Partnerschaftsproblemen, bitte gib, dass es regnet, dass die Sonne scheint, dass meine Felder fruchtbar sind und so weiter. Und Dattatreya hatte davon genug und rannte weg. Und die ganzen Leute folgten ihm. Da kletterte er auf einen Baum, um dort oben meditieren zu können. Und die Leute bastelten eine Leiter und Baumhäuser drumherum, um mit ihm sprechen zu können. Da ging er schließlich in einen Fluss und meditierte dann am Grund des Flusses eine Woche lang. Und als er dort raus kam, hatten die Leute ein Camp gebildet am Fluss und schauten ihm zu. Schließlich wusste Dattatreya sich nur so zu helfen, dass er mit seiner yogischen Kraft drei Gespielinnen schuf, und dann alle drei Gespielinnen gleichzeitig umarmte. Darauf hin dachten die Dorfbewohner, oder alle Leute, er sei von seinem Weg abgefallen und ließen ihn in Ruhe. So konnte er wieder ruhig meditieren. Analog des alten Busch-Wortes: Ist der Ruf mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Gut, Dattatreya jedenfalls lebte eine Woche unter Wasser. Der Yogi Busundhi, von dem der SwamiVishnu öfters berichtet in dem Buch ‚Wissenschaft des Pranayama‚, – einer der ältesten Texte, der Pranayama genauer beschreibt, ist eigentlich von Yoga Vasishta – Jedenfalls gab’s einen Hatha-Yogi, der hieß Yogi Busundhi, der lebte sogar jahrelang im Wasser, glaub ich. Der machte Kevala Kumbhaka so lange. Gut.

Kevala Kumbhaka gibt’s auch als Übung, die nicht übermäßig hilfreich ist, das nennt sich dann Jada Samadhi – lebloser Samadhi. Es gibt bestimmte Techniken, wo man das Kevala Kumbhaka von selbst herbeiführen kann und den Körper in eine Art Winterschlaf reinbringen kann. Wie einige Tiere. Beschränken wir uns auf die unbestrittenen Igel und die Bären. Die fallen dann in einem Winterschlaf, wo sie fast nicht mehr atmen. Da ist der Atem reduziert auf vier Atemzüge pro Minute, der Herzschlag ist unter zehn. Und die sind in der Zeit auch unbewusst, nimmt man jedenfalls an, keiner hat mit ihnen gesprochen, und sie gefragt, ob sie was erinnern können, aber es wird angenommen. Und wenn man ein Blatt vor die Nase legen würde, würde man nicht feststellen, dass sie atmen und wenn man deren Puls nehmen würde als Mensch, würde man auch den Puls nicht spüren. Man müsste da subtilere Instrumente haben. Und so gibt es auch bestimmte Hatha-Yoga-Techniken, mit denen man diesen Zustand hervorrufen kann. Der ist aber für spirituelle Zwecke nicht von Nutzen. Deshalb hat’s uns der Swami Vishnu auch nicht gelehrt, aber so wie er davon gesprochen hat, kannte er das.

Ihr habt vielleicht von Vorführungen in Indien gehört, wo Menschen sich einbuddeln lassen. Und irgendwann hab ich mal so was gelesen. Erst in so einen Zinnsarg eingeschweißt, und dann für ein halbes Jahr in die Erde und dann wieder ausgebuddelt. Und der Mensch ist dann wieder zum Leben gekommen. Und irgendwann gab’s das, ich glaub in Thomas Gottschalks Show ‚Wetten, dass,’ ich hab’s selbst nicht gesehen, das haben mir Leute erzählt, vor fünfzehn Jahren muss das gewesen sein, da hat sich jemand zwo Stunden lang in einen gläsernen Sarg unten in ein Schwimmbad reingelegt, was auch nach Meinung aller beteiligten Ärzte und Fachleute unverantwortlich war, aber er hat gesagt, er hat das schon regelmäßig gemacht, und ist dann putzmunter rausgekommen. Ich weiß jetzt nicht, ob man bei ihm EEG und EKG genommen hat. Also wenn ihr von so jemand hört, der das macht, solche Fälle gibt es. Das muss aber nicht heißen, dass er deswegen ein fortgeschrittenerYogi ist. Also es gibt spezifische Atemtechniken mit spezifischen Mudras und Asanas, wo man solche Zustände auslösen kann. Aus gutem Grund werden die nicht so an die Öffentlichkeit gegeben, aber es gibt genügend Menschen, die das schon demonstriert haben. Wenn das eben durch die fortgeschrittenen Pranayamas geschieht, ist das ein Zeichen, man hat Prana unter Kontrolle. Aber da lassen wir die Finger von. Ich kenne auch die Technik nicht. Der Swami Vishnu war weise genug, sie uns nicht beizubringen. Wenn Kevala Kumbhaka so spontan von selbst entsteht, dann ist das ein Zeichen, dass man in Samadhi ist. Wenn man wirklich in Samadhi ist, und das einen längeren Zeitraum, dann entstehen erstens alle Siddhis, wie ihr euch erinnert, die Satwapathi-Stufe der sieben Bhumikas ist erreicht. Dann könnte man alles mögliche erreichen. Aber noch wichtiger: Man erfährt tiefe Wonne, Satchidananda, und es gibt nichts mehr, was man noch erreichen müsste.

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