2. Kapitel, Vers 55

Deutsche Übersetzung:

(Solch ein Yogi) wird von den weiblichen Yogis verehrt, er ist der Urheber von Manifestation und Auflösung. | (Für ihn) gibt es keinen Hunger, noch Durst, noch Schlaf, nicht einmal Nachlässigkeit.

Sanskrit Text:

  • yoginī-cakra-sammānyaḥ sṛṣṭi-saṁhāra-kārakaḥ |
    na kṣudhā na tṛṣā nidrā naivālasyaṁ prajāyate ||55||
  • योगिनी चक्रसंमान्यः सृष्टिसंहारकारकः ।
    न क्षुधा न तृषा निद्रा नैवालस्यं प्रजायते ॥५५॥
  • yogini chakra sammanyah srishti samhara karakah |
    na kshudha na trisha nidra naivalasyam prajayate ||55||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yoginī : (der) Yoginis (mächtige, zauberkundige weibliche Yogis)
  • cakra : (im) Kreise (Chakra)
  • sammānyaḥ : (er) steht in Ehren (Sammana)
  • sṛṣṭi : (von) Schöpfung, Aussendung (Srishti)
  • saṁhāra : (und) Auflösung, Zerstörung, Zurückziehung (des Geschaffenen, Samhara)
  • kārakaḥ : (er ist der) Vollführer, Erschaffer (Karaka)
  • na : nicht, weder (Na)
  • kṣudhā : Hunger (Kshudha)
  • na : nicht, noch
  • tṛṣā : Durst (Trisha)
  • nidrā : Schlaf, Schläfrigkeit (Nidra)
  • na : nicht, noch
  • eva : gewiss (Eva)
  • ālasyaṁ : Trägheit, Schlaffheit, Energiemangel (Alasya)
  • prajāyate : entsteht (ihm, pra + jan)          ||55||

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

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Vishnu-devananda

Unter der Vielheit von Frauen wird er zum Gegenstand der Bewunderung;

Er (der Autor) teilt hier Bonbons aus, damit die Leute praktizieren. Die wirkliche Bedeutung davon ist: wenn ein Überfluss von Prana von euch ausgeht wird jeder von eurer Persönlichkeit angezogen. Natürlich, wenn es Honig gibt, werden Honigbienen kommen. Hier liegt die Anziehung nicht am Körper, sondern am Prana. Wenn es kein Prana gibt, seid ihr wie eine altbackene Pizza. Wenn ihr Mengen von Prana habt wie eine schöne, frische Rose, werden die Leute angezogen. Dann, wenn ihr älter werdet, infolge exzessiven Geschlechtsverkehrs, Menstruationen, Magenproblemen, Stillen etc. geht viel Prana verloren, und dann möchte euch niemand berühren. Aber wenn ihr Pranayama praktiziert, dann gibt es kein Altern und daher werden die Leute die ganze Zeit von euch angezogen sein.

(fortgesetzt) er kann tun und lassen was er will und fühlt weder Hunger noch Durst noch Schmerz.

Das bedeutet, dass er Essen nehmen wird, wenn es welches gibt. Doch wenn er zu seiner gewohnten Zeit kein Essen bekommen kann, kann er einfach ein paar tiefe Atemzüge machen und den Hungerreiz beenden. Er ist nicht der Sklave jeder einzelnen Gewohnheit.

Sukadev

55. Unter der Vielheit von Frauen wird er zum Gegenstand der Bewunderung; er kann tun und lassen, was er will und fühlt weder Hunger noch Durst.

Wir kommen jetzt zu einigen Teilen der Hatha Yoga Pradipika. Im dritten Kapitel wird es noch etwas massiver, was dann nicht mehr so ganz dem indischen guten Ton entspricht. Die Hatha Yoga Pradipika hat durchaus zwischendurch so ein paar Dinge drin, um Menschen ein bisschen abzustoßen oder aus ihrem normalen, spießbürgerlichen Denken herauszubringen, und hat natürlich auch Dinge, um Menschen ein bisschen zu inspirieren oder zu reizen.

Gut, also, aber was Sitkari bewirkt – es ist eine verjüngende Übung. Es ist eine Übung, die die Mondenergie aktiviert, und eine Übung die auch den Regenerationsprozess fördert. Wenn ihr z.B. irgendwelche Entzündungen habt, ist Sikari sehr gut, wenn ihr Fieber habt, ist Sitkari sehr gut. Überhaupt, bei allen möglichen Krankheiten, die da sind, insbesondere wenn sie irgendwie nervös, unruhig oder mit Hitze verbunden sind oder auch mit Schmerzen verbunden sind. Sitkari wirkt auch schmerzreduzierend, kann man also eine Schmerztherapie einsetzen, bei all den ist Sitkari gut. Sithali ist weniger angeraten, wenn man Übermaß anVata hat oder auch ein Übermaß an Kapha. Ist also mehr zu empfehlen bei allem, was irgendwie mit Pita verbunden ist. Aber man kann das auch nicht hundert Prozent sagen. Sithali wirkt allgemein regenerierend und harmonisierend und eben auch verjüngend, da die Mondenergie die regenerierende Energie im Körper ist. Sithali ist auch so was wie die Notbremse, wenn ihr mal intensiv praktiziert, die Energie in euch sehr stark wirkt, und ihr kommt nicht von selbst runter. Wenn ihr dann in einne Stunde zur Arbeit gehen müsst, dann könnt ihr mit Sithali dafür sorgen, dass die Energie sich wieder harmonisiert und abkühlt.

Also, der 55. Vers ging los: Unter der Vielheit von Frauen wird er zum Gegenstand der Bewunderung. Das wird auch umgekehrt von Frauen für Männer sein. Swami Vishnu, der ja selbst ein Mönch war, sagt noch, dass der Autor ja Bonbons austeilt, damit die Leute praktizieren. Die wirkliche Bedeutung davon ist, wenn ein Überfluss von Prana von Euch ausgeht, wird jeder von eurer Persönlichkeit angezogen. Natürlich, wenn es Honig gibt, werden die Honigbienen kommen. Hier liegt die Anziehung nicht am Körper, sondern am Prana. Wenn es kein Prana gibt, dann seid ihr wie eine altbackene Pizza.

Swami Vishnu hat seine Pizza mit Eiscreme gehabt, wahrscheinlich die international beliebten Gerichte, Pizza und Eiscreme war immer die Versuchung der Yogis. Wenn man also viel Prana hat, dann ist man wie die frische Pizza, die duftet und Menschen anzieht, und wenn man wenig Prana hat, dann ist man wie die altbackene Pizza. Wenn ihr Menge von Prana habt, jetzt gibt er vielleicht ein netteres Beispiel, wie eine schöne frische Rose werden die Menschen angezogen. Wenn man dagegen nur sein Gesicht lackiert und da ist kein Prana dahinter, dann ist man wie eine Plastikrose. Mag äußerlich noch so aussehen, aber gut der Lack mag dran sein, aber wehe, der Lack ist dann ab, dann wird’s schwierig. Und wenn man viel Prana hat, gut dann kann man immer noch künstlerisch, gestalterisch an seinem Gesicht wirken. Das ist noch gar nicht so lang her, bis ich verstanden habe, warum Frauen überhaupt ihr Gesicht immer so, habe ich gesagt, so verunstalten. Natürlich sieht’s doch eigentlich am besten aus, und hat er das irgendjemand erklärt, dass das Kreativität und künstlerisches Gestalten sei, und seitdem kann ich das wertschätzen. Ich habe allerdings eine Frau geheiratet, die sich fast nie irgendwas ins Gesicht schmiert. Gut, aber das wichtigste ist, dass Prana die Lebensenergie, die man dort ausstrahlt, das ist das was, was die Menschen dann anzieht.

– Er kann tun und lassen was er will und fühlt weder Hunger noch Durst noch Schmerz.

Das ist also die nächste Wirkung von Sithali wie auch Sitkari. Das heißt, man reduziert also Hunger und Durst. Kann man vielleicht machen, wenn jemand abnehmen will und unbedingt eine Schlankheitskur machen will. Es wäre übrigens klüger, das grundsätzlich nicht zu machen, sondern regelmäßig zu praktizieren und eine gesunde Ernährungsform zu finden. Wer das wollte, könnte das dann auch mit Sithali verbinden. Das reduziert eine Menge an Hunger, und mir hat auch jemand mal bestätigt, der Bergsteiger ist und große Bergtouren macht, auch ein Fan von Pranayama, der hat gesagt, seitdem er Sithali praktiziert auf seinen Bergtouren, braucht er nur die Hälfte seines Proviantes mitzunehmen. Und das, das wäre schon sehr wichtig. Die Hälfte von Wasser und die Hälfte von Essen, und er würde nicht Durst leiden, durstig werden, würde auch nicht dehydrieren. Irgendwas wird das mit dem Metabolismus des Körpers machen. Natürlich vielleicht wichtiger als diese Wirkung in unseren Breiten ist aber die schmerzreduzierende Wirkung. Das kann man sogar anwenden, wenn man Kreuzschmerzen hat, Knieschmerzen, Zahnschmerzen und so weiter, Migräne, vor allem, Sithali, Sitkari könnt ihr weitergeben hier. Auch die anderen Übungen in gemäßigter Form, nur nicht in der fortgeschritten Form. Manche Leute können nicht so die Zunge rollen, er beschreibt’s auch gleich noch (s. Kapitel 2, Vers 58), aber die Wirkung von Sithali und Sitkari ist sehr ähnlich. Es heißt, dass zwanzig Prozent der Menschen nicht Zungenroller sind, dass ist eine genetisch angeborene Eigenschaft. Anhand dieser Eigenschaft sind die Gesetze der Genetik entdeckt worden. Aber man kann’s lernen, tatsächlich, es scheint sogar trainierbar zu sein. Ja, also die Genetiker gehen davon aus, dass man’s nicht lernen kann. So ist die klassische Pranayama. Übt sie ab zehn Runden, ab zehn Runden, was gar nicht so lange dauert. Man atmet ja nur ein, eventuell kann man kurz die Luft anhalten, aber das Anhalten ist ja nicht mal so notwendig, und atmet dann wieder aus.

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