2. Kapitel, Vers 49

Deutsche Übersetzung:

Nun soll der Yogi den Lebenshauch anhalten, bis er bis zu den Haarspitzen und Fingernägeln still wird. | Danach soll er den Lebenshauch langsam durch das linke Nasenloch ausatmen.

Sanskrit Text:

  • ā keśād ā nakhāgrāc ca nirodhāvadhi kumbhayet |
    tataḥ śanaiḥ savya-nāḍyā recayet pavanaṁ śanaiḥ ||49||
  • आकेशाद् आनखाग्राच् च निरोधावधि कुम्भयेत् ।
    ततः शनैः सव्यनाड्या रेचयेत् पवनं शनैः ॥४९॥
  • a keshad a nakhagrach cha nirodhavadhi kumbhayet |
    tatah shanaih savya nadya rechayet pavanam shanaih ||49||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ā : bis zu (ā)
  • keśāt : (den) Haaren (Kesha)
  • ā : bis zu
  • nakha : (der Fuß-)Nägel (Nakha)
  • agrāt : (den) Spitzen (Agra)
  • ca : und (Cha)
  • nirodha : (unter) Verschluss, Kontrolle (Nirodha)
  • avadhi : bis (er den Atem spürt), „bis zur Grenze“ (Avadhi)
  • kumbhayet : er halte (den Atem, kumbh)
  • tataḥ : dann, danach (Tatas)
  • śanais : langsam, allmählich (Shanais)
  • savya-nāḍyā : durch den linken (Savya) Nasengang (“Energie-Kanal”, Nadi)
  • recayet : er entlasse („entleere“, ric)
  • pavanaṁ : (den) Atem („Wind“, Pavana)
  • śanaiḥ : langsam, allmählich        ||49||

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

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Vishnu-devananda

Er sollte Kumbhaka praktizieren, bis er fühlt, dass Prana die Gesamtheit seines Körpers vom Kopf bis zu den Zehen durchzieht. Dann sollte er langsam durch das rechte Nasenloch ausatmen.

Sukadev

49. Er sollte Kumbhaka praktizieren, bis er fühlt, dass die Prana die Gesamtheit seines Körpers vom Kopf bis zu den Zehen durchzieht. Dann sollte er es langsam durch das rechte Nasenloch ausatmen.

Steht hier. Das ist ein Druckfehler, es heißt: Das linke Nasenloch. So hat’s der Swami Vishnu auch immer gelernt, gelehrt: rechts einatmen, anhalten, links ausatmen. indem wir rechts einatmen, erhöhen wir Pingala und damit die Sonnenenergie. Indem wir links ausatmen, senken wir die Mondenergie. Und so gehört Suryabedha zusammen mit Ujjayi und Bhastrika zu den erwärmenden Übungen, die Energie erwecken. Und deshalb sollte man diese drei, zumindest in ihrer fortgeschrittenen Form nur machen, wenn man vorher ausreichend Wechselatmung gemacht hat. Wieviel? Zwanzig Minuten. Also wenn man diese drei, Suryabedha, Ujjayi und Bhastrika zumindest in ihrer fortgeschrittenen Form machen will, dann sollte man mindestens zwanzig Minuten Wechselatmung vorher gemacht haben und vielleicht zwei, drei Runden Kapalabhati vorher. Man sollte täglichAsanas üben, täglich meditieren, und sollte eine weitestgehende sattvigeErnährung pflegen. Insbesondere auf Fleisch, auf Fisch, auf Tabak verzichten und auf Alkohol. Es gibt auch noch andere Sachen, die sind aber nicht ganz so erheblich. Aber das sind so die wichtigsten, jetzt von Haschisch, Heroin, Marihuana, Extasy und allen möglichen interessanten Pilzgetränken nicht zu sprechen. Energetisch, zu bestimmten Phasen der Praxis, können Zwiebeln und Knoblauch noch mal besonders schlimm sein. Und wenn ihr viel Pranayama macht, dann lasst all die Geschichten weg. Warum wollt ihr die Wirkung des Pranayama vermindern? Jetzt investiert ihr zwo, drei Stunden am Tag ins Pranayama, und dann kann man nicht auf so eine Knoblauchzehe verzichten – macht irgendwie keinen Sinn. Wenn ihr nur eine halbe Stunde Pranayama macht und vielleicht eine halbe Stunde Asanas, eine halbe Stunde Meditation, gut, dann macht ihr schon etwas, und Einiges ist ja auch schon gut, aber da wird so ein bisschen Zwiebeln und Knoblauch nicht ganz so tragisch sein. Aber wenn ihr schon viel Zeit investiert, warum sollte man dann dumm sein und auf die Ernährung nicht achten? Gut.

Es gibt natürlich auch sanftere Suryabedha. Da atmet man durch’s rechte Nasenloch ein, hält sanft an und atmet links aus. Und das kann man auch machen. Das könnt ihr sogar lehren, wenn Menschen sagen, sie sind zu kühl, und ihnen ist immer kalt, oder andere Dinge, die schwierig sind. Ich komme nachher noch mal drauf zu sprechen. Zum Beispiel wenn jemand zuviel Vata hat, dann gilt Suryabedha als eine Übung, um zuviel Vata zu reduzieren. Hier will ich vielleicht auch auf einen Grundirrtum eingehen. Einige Ayurveda-Ärzten sagen nämlich manchmal, wenn jemand eine Vata-Störung hat, sollte er kaum oder wenig Pranayama machen. Und wenn, dann nur sanft. Das ist himmelschreiender Unsinn, um ’s mal so radikal zu sagen. Denn es gibt spezielle Pranayamas, die dazu helfen, spezielles Übermaß von Doshas zu reduzieren. Zum Beispiel wenn man ein Übermaß von Vata hat: Erstens gilt Wechselatmung als eine Übung, die alle Doshas in ihre natürliche Praktriti bringt. Deshalb: Wechselatmung ist für alle gut. Dann gibt es Suryabedha, welches gut ist, um ein Zuviel an Vata zu reduzieren. Das könnte man sogar, wenn ihr Ayurveda-Therapeut seid, empfehlen. Dann allerdings in der sanften Variation. Rechts einatmen, anhalten, links ausatmen. Rechts einatmen, anhalten, links ausatmen. Jetzt ohne Bandhas, und ohne Mula Bandha und ohne Jalandhara Bandha. Einfach diese einfache Atmung. Und da kann man mit relativ einfachem Mittel ein Übermaß an Vata reduzieren. Das kann man so nach vielleicht zehn Runden Wechselatmung kann man noch fünf bis zehn Runden Suryabedha machen – hat wunderbare Wirkung. Die Fortgeschritteneren brauchen auch keine Angst haben vor Suryabedha, auch wenn ihr ein Übermaß an Vata-Element habt, dann könnt ihr die fortgeschrittene Form von Suryabadha machen. Rechts ein, anhalten, links aus. Gut, das ist also Suryabedha.

Also es gibt Übungen, die helfen, Vata zu reduzieren. Es gibt Übungen, die helfen, Kapha zu reduzieren. Es gibt Übungen, die helfen, Pita zu reduzieren, und es gibt Übungen, die alle Doshas in ihre natürliche Prakriti bringen. Die helfen also für alle drei Doshas. Im ersten Kapitel gibt esAsanas, wo etwas über Doshas erzählt wurde Also die erste Asana, wo er direkt etwas gesagt hat, ist Mayurasana. Dort hat er gesagt: Die Mayurasana hilft, alle drei Doshas, ein Zuviel an Doshas zu reduzieren. Er erzählt dann zwar auch von den anderen Asanas, dass sie allerlei Krankheiten beseitigen. Eigentlich, wenn immer was von allerlei Krankheiten steht, dann heißt das: Es werden alle drei Doshas auch harmonisiert. Also er hat dort insbesondere was gesagt bei Paschimothanasana und bei Matysendrasana. Dann im zweiten Kapitel hat er etwas erzählt über die Wechselatmung, Anuloma Viloma, auch harmonisierend für alle Doshas. Und dann hat er etwas erzählt über die Shatkriyas. Die sind insbesondere Kapha-Reduzierung. Also er sagt an einer Stelle: Ganz besonders die Shatkriyas sind gut gegen zuviel Kapha. Er erwähnt dabei nochmals besonders Dhauti, die Shatkriyas allgemein, aber erwähnt die Wirkung noch mal im besonderen Maß gegen Übermaß an Kapha. Über Bhasti sagt er, das es gut ist gegen alle Ungleichheiten der drei Doshas. Dann sagt er von Nauli, dass es alle drei Doshas zur Harmonie bringt. Dann heißt es, dass Suryabedha ein Übermaß an Vata überwindet. Auch Ujjayi überwindet ein Übermaß an Vata. Sitkari / Sithali überwinden ein Übermaß an Pita. Und Bhastrika überwindet alle Übermaße, die dort überhaupt sein können.

Also bei Ujjayi, Suryabedha, Bhastrika in der fortgeschrittenen Form muss vorher Wechselatmung gemacht werden. Allerdings, es gibt auch beispielsweise Ujjayi in der einfachen Form: Einfach anhalten mit [macht Atem vor] einatmen, Luft kurz anhalten, links ausatmen ohne Bandhas. Das wiederum können auch Menschen praktizieren, die nicht so viel Wechselatmung machen und die nicht Vegetarier sind. Also in einfachen Varianten könnt ihr das auch Menschen empfehlen. Ujjayi, nicht nur als Kumbhaka, sondern auch als Atem, ist allgemein für Menschen mit Kapha-Störungen angeraten. Und eigentlich auch für Vata- Typen. Das steht zwar nicht in der Hatha-Yoga -Pradipika – es ist trotzdem so. Ujjayi harmonisiert das Übermaß an Vata, und Ujjayi ist ja auch etwas, was hier in der Kehle ist, und Ujjayi ist auch was, was alle Prozesse harmonisiert und Unruhe wegnimmt, und was Wärme erzeugt. All das ist gut für Vata-Typen. Vata-Typen würde man auch raten, in den Asanas Ujjayi zu üben. Sie können auch Surjabedha üben am Ende der Wechselatmung. Und für Kapha-Typen, da gibt’s sowieso eine ganze Menge, was man dort machen kann, und Pita-Typen, die sollten halt öfter Sithali und Sitkari machen. Jetzt umgekehrt, wenn jemand stark Vata-Störungen hat, dann sollte nicht zuviel Kapalabhati machen. Von Kapalabhati sagt er, das hilft auch gegen Kapha-Störungen. Gut, also wenn ihr mal von einer Ayurvedaberatung kommt, und ihr habt eine Vata-Störung, und euer Ayurveda -Arzt sagt, ihr sollt kaum oder kein Pranayama machen, dann wisst ihr, er hat die Hatha Yoga Pradipika nicht mit diesem Hintergrund durchgelesen. Und dann könnt ihr das interpretieren und dann darauf hin schauen, dass ihr diese Übungen macht und eventuell weniger Kapalabhati übt.

Im Grund genommen ist es einfach eine Ausdrucksweise: Wenn du Vata reduzierst, erhöht sich letztlich Pita. Aber es ist halt die Ayurvedatheorie: Wenn ein Dosha zu hoch ist, dann wird man krank. Über ein Zuwenig, zumindest in der Ayurvedatheorie, die ich gehört habe, wird da wenig gesprochen. Aber es bedingt sich natürlich, denn das, was Pita erhöht, ist letzlich das, was Vata reduziert. Also zum Beispiel, wenn man zuviel Vata hat und damit zu unruhig und zwotens zu kalt ist, dann ist es gut, was Wärmendes zu machen. Aber ein Pita-Mensch, der sowieso schon warm ist, wenn der noch was Wärmendes macht, dann wird das Pita zu stark. Es ist letztlich ’ne Ausdrucksweise. Aber im Grunde, Vata, Pita und Kapha stehen in einem bestimmten Verhältnis. Vata und Kapha stehen sich gegenüber. Wenn Vata erhöht wird, sinkt Kapha, wenn Kapha erhöht wird, sinkt Vata. Und das Pita ist irgendwo dazwischen, aber es würde jetzt hier zu weit führen. Aber ich wollte das hier kurz behandeln. O.K., gehen wir zurück zu Suryabedha.

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