1. Kapitel, Vers 14

Deutsche Übersetzung:

Wahrlich in eben dieser Klause, frei von Sorgen, | soll Yoga wahrlich genau so geübt werden, wie es vom Lehrer unterrichtet wurde.

Sanskrit Text:

  • evaṁ-vidhe maṭhe sthitvā sarva-cintā-vivarjitaḥ |
    gurūpadiṣṭa-mārgeṇa yogam eva samabhyaset ||14||
  • एवं विधे मठे स्थित्वा सर्वचिन्ताविवर्जितः ।
    गुरूपदिष्टमार्गेण योगम् एव समभ्यसेत् ॥१४॥
  • evam vidhe mathe sthitva sarva chinta vivarjitah |
    gurupadishta margena yogam eva samabhyaset ||14||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • evaṁ-vidhe : in (einer) sogearteten (Vidha)
  • maṭhe : Klause (Matha)
  • sthitvā : sich befindend, wohnend (sthā)
  • sarva : aller (Sarva)
  • cintā : Sorgen (Chinta)
  • vivarjitaḥ : ledig (Vivarjita)
  • guru : (vom eigenen) Meister (Guru)
  • upadiṣṭa : (wie) es gelehrt wurde (Upadishta)
  • mārgeṇa : in der Weise („auf dem Weg“, Marga)
  • yogam : den (Haṭha-)Yoga
  • eva : einzig, allein, ausschließlich (Eva)
  • samabhyaset : soll man praktizieren (sam + abhi + as)       ||14||

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

Auf die Notwenigkeit, beim Ausüben von Yoga einen Guru zur Seite zu haben, wird hier eindringlich hingewiesen. Die Yogabija sagt: „Wer Yoga ausüben will, sollte einen Guru haben.“ – Die verschiedenen Standard-Werke zu Yoga sind, meine ich, nicht so sehr für Anfänger oder Schüler gedacht, sondern für Lehrer, als Leitfäden, um das Üben ihrer Schüler zu regeln. Sogar in der Medizin würde jemand als Quacksalber und Scharlatan in Verruf geraten, der eine Behandlung nach Gutdünken verschreibt, ohne die Natur und die Besonderheiten des Systems seines Patienten gründlich studiert zu haben, und ohne die Fähigkeit, die Auswirkung verschiedener Medikamente auf den inneren Organismus klar zu sehen. Aber im Hatha Yoga, wo der geringste Fehler in Tod oder Wahnsinn enden kann, ist es absolut notwendig, einen Guru zu haben, der den ganzen Weg erfolgreich durchschritten hat, der klaren Durchblick durch unser System hat und die Auswirkungen der verschiedenen Vorgänge beobachten und in Übereinstimmung bringen kann.

Vishnu-devananda

14. Auf so einem Platz sollte der Yogi seinen Geist von allen Sorgen befreien und den Yoga, den ihm sein Guru lehrt, ausüben.

Es ist nicht so, dass der Yogalehrer ein Babysitter ist, ständig am Aufpassen. Er führt dich.
Er sollte Pranayama nur unter der Anleitung seines Gurus beginnen. Ansonsten könnte er den richtigen Gebrauch des Zwerchfells nicht kennen.
Raja Yoga sagt: „Kaivalya kann man bei allem Studium der Vedas, Shastras und Tantras ohne die Anweisungen eines Gurus nicht erlangen.“ Das heißt, das bloße Studieren all der Bücher bringt nicht das ersehnte Ergebnis, ihr müsst praktizieren. Viele Leute lesen die Bhagavad Gita oder die Ramayana und sie setzen nichts in die Tat um. Andere lesen die Bibel und dann gehen sie und rauchen. So eine Handlungsweise wird euch nichts bringen. Das Umsetzen in die Tat ist wichtig.
Im Skanda Purana wird gesagt: „Die acht Stufen des Yoga sollen nur von einem kompetenten Guru gelernt werden. Die Siddhis sollen nur aus Shivas Hand erlangt werden.“ „Acht Stufen“ bezieht sich auf Ashtanga (achtgliedriges oder Raja Yoga). Die Siddhis werden von Shiva nur erlangt, wenn ihr wisst, dass ihr von diesen Kräften keinen Gebrauch machen werdet. Dann kommen sie automatisch zu euch.
Die Srutis sagen: „Die Mahatmas enthüllen diese Dinge nur dem, der eine tiefe Ergebenheit vor seinem höheren Selbst hat und eine ebensolche für seinen Guru. Nur wer einen Acharya oder Guru hat, weiß.“ Das heißt, dass die Siddhis oder das Wissen nur jemanden gegeben werden, der Hingabe an das Höhere Selbst hat, nicht an das Ego oder an den Körper. Ergebenheit an den Guru ist auch deshalb notwendig, weil Gott und Guru eins sind. Da Gott nicht direkt zu Hilfe kommen wird, muss es sich in eurem Lehrer verkörpern. Wie viel Platz das Schülerverhältnis einnimmt, das richtet sich nach der Natur des Lehrers. Einige Gurus mögt ihr nur für einen Tag haben. Gurudev Sivanandas Lehrer brauchte nur eine Stunde zu bleiben, weil Sivananda schon in vergangenen leben praktiziert hatte. Nach nur wenig weiterer Praktik wurde er ein großer Meister. Dann, Jahre später, als er mich berührte, kam all mein vergangenes Wissen, und er machte mich zu einem Hatha Yoga Professor. Mein Meister saß nicht mit mir beisammen und lehrte mich all diese Dinge. Ich hatte schon vorher nach seinem „Sadhana Tattwa“ praktiziert, aber seine Gegenwart wurde gebraucht, um diese vergangenen Erinnerungen zurückzubringen.
Ein Lehrer wird benötigt, um dieses Wissen von Samskaras (subtilen Eindrücken) aus vergangenen Leben zu wecken. Ihr seid nicht bloß unwissend oder blind geboren. Der Lehrer öffnet die Samskaras durch Berührung, Geruch oder Lehren usw. In den alten Zeiten war das für den Lehrer der gebräuchlichste Weg zu lehren.

Der Lehrer selbst muss auch durch dieses Üben gegangen sein und sein Leben diszipliniert haben, um diese Lebensordnung euch auferlegen zu können. Er muss wissen, wie viel er euch geben kann, da er eure Entwicklung sieht. Er muss wie ein Doktor verschreiben: vielleicht ein bestimmtes Maß von Japa, um eine übermäßig rajasige Natur zu reduzieren etc.

Sukadev

14. Auf so einem Platz sollte der Yogi seinen Geist von allen Sorgen befreien und den Yoga, den ihn sein Guru lehrt, ausüben.

Gut, egal, wo ihr seid, ihr könnt euch auch vorstellen, dass ihr in einer Matha seid. Denn wir sind da, wo unser Geist ist. Das mach ich auch manchmal. Hab ich zumindest gemacht, als ich in den Stadtzentren war und viel praktiziert habe. Da hab ich so am Anfang mir vorgestellt, ich bin jetzt irgendwo mitten in Indien im Dschungel, und da bin ich in ner Hütte und hab mir dann die Hatha-Yoga-Verse dort geistig wiederholt, und hab mir vorgestellt, da bin ich. In dem Moment, wo man denkt, dass man da ist, da ist man auch da. Ihr könnt in einem dreißigstöckigen Hochhaus sein in der fünfundzwanzigsten Etage, und da mag unten ne sechsspurige Autobahn vorbeifahren – in dem Moment, wo ihr dort oben denkt, ihr seid in einer Klause, in dem Moment seid ihr in einer Klause. Also geistig dort. Und dann eben sagen: Jetzt bin ich allein und praktiziere für mich. Und für die Zeit der Praxis befreit man seinen Geist von allen Sorgen. Wie macht man das? Gar nicht so einfach. Eine Weise wäre, in dem man seinem Geist sagt: „Du, Geist, in zwei Stunden kann ich mir wieder Sorgen machen. Für die nächsten zwei Stunden verschiebe ich das.“ Das muss man dann systematisch immer wieder machen. Das ist so ähnlich, wie wenn man ein Kleinkind hat, und das Kind sagt: „Mama, ich will ein Eis.“ Dann: „Jetzt nicht, erst in zwei Stunden.“ Was macht das Kind in einer Viertelstunde? „Mama, ich will ein Eis. Wann kann ich ein Eis haben?“ Und dann muss man sie irgendwie ablenken, das ist der nächste Punkt. Man muss die Kinder ablenken. Es nutzt jetzt nichts, wenn die Kinder sagen: „Mama, ich will ein Eis“, jetzt stundenlang ihnen zu erklären, warum das Eis nicht gut für sie ist. Manchmal muss man auch aushalten, dass die Kinder frustriert sind. So ähnlich muss man’s auch mit seinem Geist aushalten können. Manchmal muss man den Geist ablenken, und manchmal hilft das mit dem verschieben am Besten. Ich hab zwar noch selbst keine Kinder großgezogen, aber ich erlebe hier öfters Kinder und krieg’s vielleicht besonders mit, wenn Freunde von mir herkommen mit Kindern, wie der Chandra oder der Yogihari oder der Chanmok, dann sehe ich, dass sie durchaus unterschiedliche Kindererziehweisen haben. Im Grunde genommen kann man so auch mit seinem eigenen Geist umgehen. Gut, und dann

– den Yoga, den ihn sein Guru lehrt, ausüben.

Insbesondere wenn man am Anfang der Praxis ist, sollte man sich an die klassischen Regeln halten von jemandem. Wenn man fortschreitet in der Praxis kommt man irgendwo an Punkte, wo man vielleicht auch von anderen Techniken etwas profitiert. Und irgendwann kommt man an nen Punkt, wo einen die innere Energie weiterführt. Auch das sollte man dann öfters mal überprüfen. Dann kann man jemand fragen und sagen: „Ich hab’s beim letzten Mal gespürt, ich will das so und so machen. Ist das so o.k.?“ Ich z.B. hab das beim Swami Vishnu so gemacht. Ich hab erst eine ganze Weile nur das praktiziert, was er mir gesagt hat. Und dann hab ich öfters auch was gelesen, und dann hab ich öfters auch gespürt, was mein Körper von selbst machen wollte. Und dann hab ich ihn danach gefragt, und er hat mir gesagt, was o.k. ist, und was nicht o.k. ist. Diese Praktiken sind sehr machtvoll, und so ist es gerade am Anfang gut, sich an die Sachen zu halten, und es ist auch später gut, die Sachen öfters mal von jemand zu fragen, ob das soweit o.k. ist. Nicht das unsere Energien in eine falsche Richtung gehen.

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