1. Kapitel, Vers 13

Deutsche Übersetzung:

Mit einer kleinen Tür, ohne Fenster, Löcher oder Spalten, nicht zu hoch oder niedrig, vollständig mit einer dicken, intakten Schicht von Kuh-Dung beschmiert, komplett frei von Getier. | Auch äußerlich ist die kleine Hütte ordentlich mit Umzäunung, Altar, von einer freien Fläche umgeben. Genau so wurde die Yoga-Klause sogar von den Meistern für den Hatha-Yogi beschrieben.

Sanskrit Text:

  • alpa-dvāram arandhra-garta-vivaraṁ nāty-ucca-nīcāyataṁ
    samyag-gomaya-sāndra-liptam amalaṁ niḥśesa-jantūjjhitam |
    bāhye maṇḍapa-vedi-kūpa-ruciraṁ prākāra-saṁveṣṭitaṁ
    proktaṁ yoga-maṭhasya lakṣaṇam idaṁ siddhair haṭhābhyāsibhiḥ ||13||
  • अल्पद्वारम् अरन्ध्रगर्तविवरं नात्युच्चनीचायतं
    सम्यग्गोमयसान्द्रलिप्तम् अमलं निःशेसजन्तूज्झितम् ।
    बाह्ये मण्डपवेदिकूपरुचिरं प्राकारसंवेष्टितं
    प्रोक्तं योगमठस्य लक्षणम् इदं सिद्धैर् हठाभ्यासिभिः ॥१३॥
  • alpa dvaram arandhra garta vivaram naty uchcha nichayatam
    samyag gomaya sandra liptam amalam nihshesa jantujjhitam |
    bahye mandapa vedi kupa ruchiram prakara samveshtitam
    proktam yoga mathasya lakshanam idam siddhair hathabhyasibhih ||13||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • alpa : (mit) kleiner (Alpa)
  • dvāram : Tür (Dvara)
  • a-randhra : ohne Öffnung, ohne Fenster (Randhra)
  • garta : Loch, Grube (a-Garta: ohne Löcher oder Vertiefungen, eben)
  • vivaraṁ : Öffnung, Spalte, schadhafte Stelle  (a-Vivara: ohne Spalten)
  • na : nicht (Na)
  • ati : allzu (Ati)
  • ucca : hoch (Uchcha)
  • nīca : niedrig (Nicha)
  • āyataṁ : sich erstreckend, sich ausdehnend (Ayata)
  • samyak : vollständig, auf die rechte Weise (Samyak)
  • gomaya : (Schicht aus) Kuhdung (Gomaya)
  • sāndra : (mit einer) dicken (Sandra)
  • liptam : beschmiert (Lipta)
  • amalaṁ : makellos, rein (Amala)
  • niḥśesa : vollständig, restlos (Nihshesha)
  • jantu : Ungeziefer, Insekten, Getier (Jantu)
  • ujjhitam : frei (von, Ujjhita)
  • bāhye : draußen, außerhalb (der Hütte, Bahya)
  • maṇḍapa : (einen) einer Gottheit geweihten Ort, (einen kleinen) Schrein (Mandapa)
  • vedi : Opferaltar (Vedi)
  • kūpa : Brunnen (Kupa)
  • ruciraṁ : schön, ansprechend, zusagend (durch, Ruchira)
  • prākāra : (einer) Mauer, (einem) Wall (Prakara)
  • saṁveṣṭitaṁ : umgeben (mit, Samveshtita)
  • proktaṁ : wurde gegeben, wurde gelehrt (Prokta)
  • yoga-maṭhasya : einer Yoga-Klause (YogaMatha)
  • lakṣaṇam : Beschreibung („Definition“, Lakshana)
  • idaṁ : diese (Idam)
  • siddhaiḥ : von den vollkommenen Meistern (Siddha)
  • haṭha : (des) Hatha(-Yoga)
  • abhyāsibhiḥ : den Praktzierenden (Abhyasa)   ||13||

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

Wenn es sehr hoch ist, gibt es große Schwierigkeiten hochzukommen, wenn es sehr lang ist, wird das Auge weit wandern. Nandikeshwara fügt dem hinzu: „Die Klause sollte von Blumengärten und Weiden umgeben sein, damit das Auge des Yogis ruhig wird, wenn es auf ihnen ruht. Auf die Wände seines Raumes sollte er Bilder vom Rad des Daseins und dem ihn begleitenden Elend zeichnen. Er sollte eine Verbrennungsstätte darstellen und die Narakas (die Höllen oder Reinigungsplätze nach dem Tod), so dass der Geist des Yogi Abneigung und Entsetzen diesem weltlichen Leben gegenüber annimmt.“

Vishnu-devananda

13. Die Matha (Klause, Einöde) sollte eine sehr kleine Türe haben. Sie sollte fensterlos sein. Sie sollte eben und ohne Löcher sein. Sie sollte weder zu hoch noch zu lang sein. Sie sollte sehr sauber sein, täglich mit Kuhdung überschmiert und frei von allen Insekten. Außen sollte sie einen kleinen Platz mit einem erhöhten Sitz haben, und einen Brunnen. Das Ganze sollte von einer Mauer umgeben sein. Das sind die Wesensmerkmale einer Yoga-Matha, wie sie von den Siddhas dargelegt worden sind, die Hatha Yoga ausgeübt haben.

Matha bedeutet Hütte (oder es kann ein Ashram sein). Sie sollte keine so großen Fenster haben, dass euer Geist nach außen wandert. Kuhdung wurde in Indien in alten Zeiten verwendet, als es noch keinen Zement für den Fußboden gab. Wenn er über den nackten Erdboden verschmiert war, trocknete er zu einer harten Oberfläche, die die Insekten vom Eindringen abhielt. Er wird sogar heute noch in ländlichen Gegenden verwendet.

Sukadev

13. Die Matha (Klause, Einöde) sollte eine sehr kleine Türe haben. Sie sollte fensterlos sein. Sie sollte eben und ohne Löcher sein.

Das ist hauptsächlich, damit keine Tiere reinkommen. Weder Löwen noch Tiger, und auch dass die Wespen und Mücken nicht zuviel Einlass finden.

– Sie sollte weder zu hoch noch zu lang sein. Sie sollte sehr sauber sein, täglich mit Kuhdung überschmiert und frei von Insekten.

Kuhdung – in Indien ist die Kuh heilig. Und zwar aus guten Gründen. Nicht nur aus spirituellen Gründen. Die Kuh ist ein eigentlich auch Symbol für Sanftmütigkeit. Wenn man in Indien auf der Straße war und dort diese Kühe sieht, die sind eigentlich so – gut, manchmal sind es Tyrannen, weil sie sich nicht fortbewegen – aber wenn man nicht will, dass sie sich fortbewegen, dann kann man sie streicheln, man kann alles mögliche mit ihnen machen, es sind sehr sanftmütige Tiere. Aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn die Kühe geben erstens Milch, eine Hauptquelle für Eiweiße. Zwotens waren früher die Bullen die Zugtiere, die den Pflug gezogen haben, und der Dung der Kühe war der Hauptbrennstoff. Der wird in der Sonne getrocknet, und anschließend dann kann man den zum Kochen nehmen. Und bis heute noch wird in großen Teilen Indiens in dörflichen Regionen das Essen mit Kuhdung gekocht. Manchmal sieht man da so richtig an den Straßen diese Kuhfladen. Da werden dann so richtige Berge, Hügel draus gemacht, Kuhfladenhügel. Mit denen wird dann Handel getrieben und so weiter. Und dieser getrocknete Kuhdung, den kann man mit Wasser auch wieder auflösen, und da kann man so eine Farbe draus machen, die sehr weiß ist, eine sehr natürliche Farbe, die auch Insekten abwehrt, obwohl sie nicht riecht. Und bakterizid wirkt, also es ist etwas hygienisches.

– Außen sollte sie einen kleinen Platz mit einem erhöhten Sitz haben,

dass, eben wenn man mal draußen meditieren will, dass man dann draußen meditieren kann. Und erhöht natürlich, dass da die Ameisen nicht hochkrabbeln.

– und einen Brunnen.

Dass man was zu trinken hat.

– Das Ganze sollte von einer Mauer umgeben sein.

Dass man nicht von Löwen und Tigern gefressen wird.

– Das sind die Wesensmerkmale einer Yoga-Matha, wie sie von den Siddhas dargelegt worden sind, die Hatha Yoga ausgeübt haben.

Gut, in unserer heutigen Zeit ist das jetzt nicht so ganz anwendbar. Aber ihr könnt dort die Grundprinzipien anschauen. Wenn ihr intensiv üben wollt, dafür zu sorgen, dass man was zu essen hat, dass man von anderen Leuten nicht gestört wird. Günstig ist auch ein Ashram. In einen Ashram zu gehen, wo eine spirituelle Schwingung ist, wo man alles kriegt, was man zum Essen braucht. Man kann auch ein Zelt aufstellen, dann hat man seine Matha. Swami Vishnu interpretiert das immer in Bezug auf das Zelt. Denn, sein Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika war während eines 14-Tage-Sadhana-Intensiv, wo er die Teilnehmer zu Pranayama bis zu sechs, acht Stunden am Tag angeleitet hat. Und dort war die Voraussetzung, dass jeder in einem Zelt schläft. Bisschen Askese.

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