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09-33 Kommentar Sukadev

Brahmanen und Kshatriyas hatten einen großen Vorteil Mitgliedern anderer Kasten gegenüber: Sie wurden als Kinder spirituell erzogen. Im Alter von 8 bis 12 Jahre wurden sie in die Familie eines Gurus gegeben und lebten dort mit diesem für circa 12 Jahre. In dieser Zeit erlernten sie einen Beruf und wurden in spirituelle Praktiken eingeführt, welche sie mit dem Alltag zu verbinden lernten. So wurden starke spirituelle Samskaras gebildet. Wenn wir jetzt das große Glück haben, spirituell praktizieren zu können, vielleicht sogar schon eine Weile praktiziert zu haben, sollten wir mit großem Enthusiasmus dieses Höchste Ziel verfolgen.

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09-34 Kommentar Sukadev

Hat Krishna uns im 33. Vers schon ein bisschen Trost gespendet, so verstärkt er das in diesem Vers noch mehr. Wenn wir unseren Geist auf Gott richten, Gott ergeben sind, alles Gott darbringen, uns verneigen (physisch oder zumindest geistig), und so gänzlich verbunden sind, erreichen wir das höchste Ziel. Es ist nicht so wichtig, ob wir die Philosophie so ganz verstanden haben, die Krishna in den ersten, etwas komplizierten Versen dieses Kapitels beschrieben hat. Es ist egal, ob wir bisher rechtschaffen oder sündhaft gelebt haben. Es ist nicht von Bedeutung, in welche soziale Schicht wir geboren sind oder welches Geschlecht wir haben. Es ist auch nicht wesentlich, ob wir früher oder später in unserem Leben auf den spirituellen Weg gekommen sind. Krishna verspricht uns: Wenn wir unseren Geist auf Gott richten, wenn wir Gott ergeben sind, ihm opfern, ihn verehren und ihn als höchstes Ziel haben, werden wir Gott verwirklichen.

10-01 Kommentar Sukadev

Bereits im 2. Band der Bhagavad Gita hatte ich gesagt, dass wir nicht denken sollten, Gott wäre parteiisch. Wir sollten nicht denken, dass er den einen Menschen liebt und den anderen Menschen nicht. Gott liebt jeden Menschen. Gott ist unser höheres Selbst. Gott ist das kosmische Bewusstsein. Gott ist hinter Allem. Er liebt seine Schöpfung und jeden Teil der Schöpfung, zu der auch wir Menschen gehören. Es heißt, wenn wir einen Schritt auf Gott zugehen, geht Gott hundert Schritte auf uns zu. Im übertragenen Sinne bedeutet das, dass Gott uns jederzeit segnet. Wir müssen uns nur für ihn öffnen.

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10-03 Kommentar Sukadev

Du kannst Gott verehren als „ungeboren, ohne Anfang und als großen Herrn der Welten“. Dies ist die Sicht des  Bhakti Yoga. Oder du kannst die Sicht des Jnana Yoga einnehmen: Es muss eine höchste Wirklichkeit hinter Allem geben, und wenn es diese höchste Wirklichkeit gibt, dann muss sie auch ewig sein. Angenommen, die höchste Wirklichkeit würde irgendwann begonnen haben, dann müsste man fragen: Was war vorher? Und was wird nach dem Tod der höchsten Wirklichkeit sein? Intellektuell ist es also logisch, zu sagen: Wenn es Gott gibt, dann muss er ohne Anfang gewesen sein. Wenn es Gott gibt, dann muss er ohne Ende sein. Wenn es Gott gibt, dann muss er auch überall sein.

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10-06 Kommentar Sukadev

Eine der vielen hinduistischen Schöpfungsmythen besagt, dass zuerst die großen Weisen geschaffen wurden und dann alles andere. Das ist eine etwas andere Schöpfungsgeschichte als wir sie von der Darwinschen Evolutionslehre her kennen. In der modernen Evolutionsbiologie lernt man, dass aus Einzellern Bakterien entstanden, dann Mehrzeller, daraus Pflanzen, daraus irgendwann Fische, Amphibien, dann Echsen, daraus Säugetiere, dann Primaten, daraus die Hominiden und irgendwann der Homo Sapiens und schließlich der Homo Sapiens Sapiens, also der heutige Mensch. Aber ich sehe keinen wirklichen Widerspruch zwischen den indischen (bzw. biblischen) Schöpfungsmythen und moderner Biologie. Zum einen sollten Mythen nicht wörtlich verstanden werden. Zum anderen beziehen sie sich oft nicht auf dieses physische Universum. Z.b. gelten die Manus als subtile, feinstoffliche Wesen ohne physischen Körper.

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10-11 Kommentar Sukadev

Hier spricht Krishna über die Wirkung von Bhakti (Gottesverehrung): Durch Liebe und Verehrung Gottes entzündet Gott die leuchtende Lampe des Wissens. Wenn es dir schwer fällt, Gott in allem zu sehen, das höchste Bewusstsein hinter allem zu sehen, kannst du Gott so verehren, wie du ihn dir vorstellst. Und Gott wird in dir die Lampe des Wissens entzünden, mit der du zur Erfahrung der Einheit kommst. Ähnlich drückt es Patanjali in den Yoga Sutras aus: „Samadhi kommt schnell für diejenigen, welche Gott verehren.“ (Yoga Sutra I, 23).

10-13 Kommentar Sukadev

Arjuna war ein Freund von Krishna, sogar ein Jugendfreund. Zu Krishnas Lebzeiten gab es mehrere Weise, die seine wahre Natur als Manifestation Gottes, als Inkarnation Gottes schon erkannt hatten. Arjuna hatte die Aussagen dieser Weisen zwar gehört, aber ihnen wenig Bedeutung zugemessen. Wenn ein Freund einen anderen Freund mag und er plötzlich hört, dass dieser ganz besonders machtvoll und großartig ist, bleibt er trotzdem ein Freund. Bei wahren Freunden spielt es keine Rolle, ob der Mensch gerade Konzernlenker oder Bundeskanzler ist oder ob er abgesetzt worden ist. So auch für Arjuna, der mit Krishna schon zum gleichen Guru gegangen ist und zusammen gelernt hat. Später gingen sie gemeinsam auf Pilgerreisen, dann wurde Krishna ein König, Arjuna nur ein Prinz, später sogar nur Exil-Prinz. Und zwischendurch hörte Arjuna, dass Krishna Brahman (der höchste Herr) ist. Dies hatte ihn aber nicht weiter beeindruckt. Arjuna und Krishna blieben einander in Freundschaft verbunden. Und jetzt erzählt Krishna Arjuna von seiner göttlichen Natur. So kommt es, dass Arjuna beginnt, Krishna als Manifestation Gottes zu verehren.

10-19 Kommentar Sukadev

Gott ist allgegenwärtig, allmächtig, allwissend. Er ist immanent, also in allem und transzendent, also jenseits von allem. Gott ist im Inneren aller Wesen, aber nicht beschränkt auf das Innere. Um Gott zu erfahren, musst du Gott nicht als Ganzes erfahren. Es reicht zunächst, Gott in etwas zu erfahren. Wenn du den Ozean verstehen willst, brauchst du nicht jedes einzelne Molekül zu sehen. Wenn du aber das Meer betrachtet, einen Tropfen Salzwasser geschmeckt, das Rauschen von ein paar Wellen gehört und das Gefühl des Wassers gespürt hast, hast du eine gute Ahnung vom Meer. Ähnlich ist es mit Gott. Wenn du Gott irgendwo erfahren hast, bekommst du eine Ahnung, was „der Allmächtige“ bedeutet.

10-20 Kommentar Sukadev

Hier bleibt Krishna erst einmal abstrakt. Es heißt auch: Wenn jemand in unser Leben tritt, können wir dankbar sein. Wenn er in unserem Leben ist, können wir dankbar sein und wenn er aus unserem Leben herausgeht, können wir auch wieder dankbar sein. Und Krishna sagt nicht, dass er nur Beginn, Mitte und Ende aller guten Wesen ist. Er ist vielmehr Beginn, Mitte und Ende aller Wesen. Jemand kommt zu dir und ist freundlich: Gott tritt in dein Leben. Jemand nervt dich und geht nicht weg: Gott ist anhänglich. Du magst jemanden und er verschwindet trotzdem aus deinem Leben: Gott in dieser speziellen Manifestation geht wieder. Glücklicherweise bleibt er in anderen Manifestationen und kommt in neuen. Hieraus kannst du auch eine gewisse Übung für den Alltag machen: Wenn jemand kommt, grüße Gott in ihm. Hier im Ashram machen wir das mit Om Namah Shivaya oder einfach nur Om. Das heißt: „Herzlich Willkommen, ich grüße Gott in dir.“ Und wenn jemand geht, sagen wir wieder Om Namah Shivaya – „Ich grüße Gott in dir“. Das ist eine gute Gewohnheit. Immer wenn jemand kommt oder geht, sage innerlich: „Oh Gott, ich grüße dich.“ Dazwischen kann man immer noch Auseinandersetzungen führen.

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10-21 Kommentar Sukadev

Ab diesem Vers beginnt der eigentliche Vibhuti Yoga. Vibhuti heißt „göttliche Herrlichkeiten“. Vibhuti Yoga ist die spirituelle Praxis, Gott im Großartigen zu sehen. Zwar ist Gott überall, es fällt dem Menschen aber am leichtesten, Gott im Großartigen zu sehen. Die Fähigkeit zu staunen lässt den Menschen an Gott denken. Diese Fähigkeit kannst du bewusst entwickeln. Überlege dir:

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10-24 Kommentar Sukadev

Gott ist leicht in Geistlichen wie Priestern, Pfarrern, Rabbis, Imanen, Mönchen und Nonnen zu erfahren. Natürlich gibt es unter Amts-Priestern etc. solche und solche, Heilige und Scheinheilige (und vieles dazwischen). In jeder Religion          gibt es eine typische Kleidung für Geistliche, typische Arten zu sprechen, sich zu verhalten, Rituale etc. Das ist immer darauf ausgerichtet, damit der Gläubige Gottes Gegenwart erfährt. Natürlich kann es auch missbraucht werden. Deshalb ist immer wieder ein kritisches Hinterfragen nötig, in Indien wie auch in Europa und überall sonst. So wie ein romantisches Abendessen bei Kerzenlicht eine Paarbeziehung vertiefen (oder auch erst entstehen lassen) kann, so kann auch eine Beziehung zu Gott in der Gegenwart von Geistlichen erfahren werden, manchmal sogar ohne dass der Geistliche sich dessen bewusst ist. Das Amt des Geistlichen ist besonders dazu geeignet, anderen ein Gefühl von Gottes Gegenwart zu geben. In diesem Amt liegt deshalb eine Gefahr: Das Hervorrufen von religiösen Gefühlen macht den Gläubigen anfällig für Verführung und religiösen Wahn. Es gibt unter den Geistlichen religiöse Menschheitsverführer (die man als tamassig bezeichnen würde), egoistische Arrogante, die nach Macht und Ansehen streben (rajassig). Aber ein großer Teil der Geistlichen, vermutlich der allergrößte Teil, ist ehrlich darum bemüht, Gott und den Menschen zu dienen. Und manche sind sich Gottes Gegenwart ständig bewusst. Zu diesen gehört in der indischen Mythologie Bhrigu. Überlege selbst: Kenne ich einen Geistlichen, in dessen Gegenwart ich Gott erfahren kann oder konnte? Das kann jemand sein, der noch lebt, jemand, den du mal gekannt hast oder auch jemand Historisches oder eine Phantasiegestalt aus Mythologie, Roman, Film und Fernsehen. Letztlich ist es unerheblich, wie du zur Bewusstheit Gottes kommst. Vielleicht kann es dir helfen, öfter mal an einen tatsächlichen oder imaginären Geistlichen zu denken und so das Gefühl göttlicher Gegenwart in dir stärker werden zu lassen. Diesen Vers kann man deshalb auch so deuten: Zwar gibt es viele Geistliche. Aber Gottes Gegenwart kann man besonders in denen spüren, die Gott selbst tatsächlich dienen.

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10-26 Kommentar Sukadev

Unter den Bäumen bin ich der Feigenbaum“: Auch Bäume haben eine besondere Schönheit. Hast du in letzter Zeit einmal einen besonders schönen Baum angeschaut? Hast du einen Baum umarmt, einmal das Rauschen der Zweige ganz auf dich wirken lassen? Welcher Baum steht für dich besonders für göttliche Kraft? Hast du einen Lieblingsbaum? Krishna erwähnt hier den Ashwatthama Baum, den Feigenbaum. Welcher Baum, welche Baumart, ist für dich der/die großartigste?

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10-27 Kommentar Sukadev

Menschen hatten zu allen Zeiten eine besondere Beziehung zu ihren Tieren. Zu Krishnas Zeiten waren das für die Adligen Pferde und Elefanten. Heutzutage sind es in den hiesigen Breiten meist Hunde, Katzen, Pferde. Es gibt ja das Sprichtwort: „Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Ich bin als Jugendlicher selbst gerne geritten, hatte sogar ein eigenes Pferd. Die telepathische Verbindung mit meinem Pferd war schon etwas Besonderes. Das unglaublich schöne Gefühl des Miteinander-Verschmelzens beim Dressurreiten deute ich heute als tiefe spirituelle Erfahrung. Irgendwann wollte ich die Welt einmal so erfahren wie mein Pferd. Ich hatte keine Ahnung, wie Pferde die Welt wahrnehmen. Ich wusste nur, dass sie nicht in Worten denken. So machte ich es mir in Ausritten zur Aufgabe, die Welt ohne Wortgedanken wahrzunehmen. Tiefe spirituelle Erfahrungen von Einheit und Verbundenheit waren die Folge.

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10-28 Kommentar Sukadev

Unter den Waffen bin ich der Donnerkeil“: Arjuna war Krieger. Für ihn waren Waffen etwas Besonderes. Krishna will das spiritualisieren. Der „Donnerkeil“ ist keine menschliche Waffe. Blitz und Donner stehen außerhalb der menschlichen Reichweite. In früheren Zeiten empfanden die Menschen gegenüber Sturm, Gewitter, Blitz und Donner Furcht und Ehrerbietung. Wir haben zwar heutzutage gute logische Erklärungen für die Entstehung von Gewittern, wissen, dass Blitz und Donner auf verstehbaren Naturgesetzen beruhen. Ich will dir aber raten, wenn du das nächste Mal Zeuge eines Gewitters oder Sturmes wirst, das einmal mit allen Sinnen wahrzunehmen. Das kannst du auch unter Beachtung von Sicherheitsmaßnahmen tun. Donner und Blitz können auch aus dem sicheren Fenster heraus erfahren werden. Und in starkem Wind wird manchmal die Stimme Gottes offenbar.

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10-29 Kommentar Sukadev

Als Nagas werden zum einen die Schlangen bezeichnet. Ananta ist die Weltenschlange, welche auf dem unendlichen Ozean schwimmt und auf der Vishnu ruht. Hier symbolisiert das Meer Brahman (das Absolute). Ananta (wörtlich „unendlich“) symbolisiert alle Kräfte des Universums in ihrer unmanifesten Form. Vishnu symbolisiert die Urintelligenz, welche alle Kräfte formt. Aus Vishnus Nabel entspringt ein Lotos, welcher symbolisch für Lakshmi, die Ursubstanz steht. Auf diesem Lotos meditiert Brahma und aus seinem Geist entspringt die Welt. In diesem Mythos wird verdeutlicht, dass diese Welt ein Traum Gottes ist.

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10-30 Kommentar Sukadev

Unter den Dämonen bin ich Prahlada“: Selbst unter den Bösen gibt es Gute. Kein Mensch ist nur schlecht. In jedem Menschen ist ein göttlicher Kern. Auch im abgrundtief Schlechten ist das Gute angelegt. Dies verdeutlicht der Mythos um den Dämonen Hiranyakashipu, seinen Sohn Prahlada und Narasimha, dem vierten Hauptavatar von Vishnu: Es war einmal ein Dämon namens Hiranyakashipu. Er war sehr machtvoll. Er vertrieb die Engel aus dem Himmel und versklavte alle Menschen auf der Erde. Er verbot, Gott zu verehren. Wie Stalin und Mao befahl er, dass stattdessen er selbst verehrt werden möge. Hiranyakashipu hatte einen Sohn namens Prahlada. Er schickte diesen Sohn zu den besten Dämonen-Lehrern. Prahlada hörte aber von einer Magd über die Großartigkeit von Vishnu, von Gott selbst. Er entbrannte in tiefer Liebe zu Gott und begann, Vishnu zu lobpreisen und über ihn zu meditieren. Die Lehrer von Prahlada versuchten alles, was sie konnten, um ihn davon abzuhalten. Sie versuchten es im Guten und im Bösen, mit Bestechung und mit Prügel. Als Hiranyakashipu von den „Unarten“ seines Sohnes und seiner Unbelehrbarkeit erfuhr, wollte er ihn töten lassen. Prahlada aber dachte an Vishnu und wiederholte Om Namo Narayanaya. So konnten ihm keine Waffen, kein Gift und auch kein Sturz von einer Klippe etwas anhaben. Schließlich ließ Hiranyakashipu seinen Sohn zu sich holen und fragte ihn: „Wer soll das denn sein, Vishnu?“ Prahlada antwortete: „Vishnu ist der Allumfassende, der Herr des Universums.“ Hiranyakashipu lachte und sagte: „Weißt du nicht, dass ich der Herrscher des Universums bin?“ Prahlada antwortete: „Auch deine Kraft ist letztlich die Kraft von Vishnu.“ Hiranyakashipu: „Wo soll denn dieser Vishnu sein.“ Prahlada: „Gott ist überall.“ Hiranyakashipu: „Ist er auch in dieser Säule?“ Prahlada: „Ja, da ist er auch.“ Hiranyakashipu: „Beweise es mir!“ Kurz nachdem Hiranyakashipu diese Worte gesagt hatte, trat Vishnu aus dieser Säule in Gesalt von Narasimha, halb Mensch, halb Löwe. Er nahm Hiranyakashipu auf seinen Schoß und tötete ihn mit seinen Pranken. Besänftigt durch die Gebete von Prahlada, setzte Narasimha eine gerechte Regierung ein und verschwand. Noch heute wird Narasimha verehrt und ich kenne eine Reihe von Menschen, die Visionen von Gott in der Gestalt von Narasimha hatten. Prahlada als Sohn des Königs der Dämonen beinhaltet, dass auch im Schlimmsten das Gute ist und dass letztlich das Gute langfristig die Oberhand gewinnt, wenn nicht aus eigener Kraft, dann durch die Gnade Gottes.

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10-36 Kommentar Sukadev

Wenn jemand betrügt, dann am besten im Glücksspiel. Diejenigen, die sich auf ein Glücksspiel einlassen, wissen, dass es schief gehen kann. Man kann auch sagen: Ich bin das Geschick des Glücksspielers. Auch die Kunst des Betrügers ist etwas Großartiges. Natürlich sollte sich ein spiritueller Aspirant an die hohen ethischen Prinzipien Ahimsa (Nichtverletzen), Satyam (Wahrhaftigkeit), Asteya (Nichtstehlen) halten. Dennoch kann man auch im Geschick eines Betrügers Göttliches sehen. Man kann z.B. bewundern, wie Aktienspekulanten über Jahre betrügen. Natürlich gehören solche Betrüger vor ein Gericht. Und damit eine Gesellschaft nach modernen Prinzipien funktioniert, müssen Betrüger auch bestraft werden. Man braucht sie aber nicht zu hassen. Vielmehr kann man sie bewundern – und trotzdem ihrer „gerechten Strafe“ zuführen. In den 108 Verehrungen von Shiva (Shiva Archanam bzw. Shiva Sahasranam) gibt es einen Vers, der in etwa so geht: „Ehrerbietung an Shiva, dem Dieb der Diebe.“ Also auch im Geschick des Diebes steckt etwas Göttliches. Eine andere Interpretation wäre: Wenn dich jemand betrügt oder bestiehlt, ist auch darin eine göttliche Lektion. Es ist eine Erfahrung, die zu deiner spirituellen Entwicklung beiträgt. Auf der einen Ebene ist es sicherlich eine Aufforderung, künftig etwas vorsichtiger zu sein. Auf der anderen Ebene hat Gott über diese Erfahrung gesprochen. Auf noch einer anderen Ebene ist die Fähigkeit zu betrügen, die in jedem steckt, in diesem Menschen aktiv geworden. Jede dieser Interpretationen kann dir helfen, den Übeltäter nicht zu hassen, sondern vielmehr als Manifestation Gottes anzunehmen. Natürlich muss anschließend die göttliche Manifestation der Gerechtigkeit, der Vorsicht, der Geschicktheit durch dich wirken. Es gibt noch eine andere Interpretation des Verses „Ehrerbietung an Shiva, dem Dieb der Diebe“. Diese ist eine eher Bhakti-mäßige Interpretation: Shiva (Gott) stiehlt unser Herz. Wenn wir von göttlicher Liebe erfüllt sind, gehört unser Herz ganz Gott.

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10-37 Kommentar Sukadev

Vrishnis ist ein anderer Name für die Yadavas, dem Volksstamm von Krishna. Vasudeva ist ein anderer Name von Krishna. Hier sagt er: Unter den Angehörigen dieses Volksstammes bin ich Vasudeva, also Krishna. Krishna ist zwar zum einen das Göttliche überall und in jedem. Gott ist transzendent, also jenseits des Vorstellbaren. Gott ist immanent, also in allem. Gott ist aber zum anderen auch persönlich: Gott manifestiert sich immer wieder auch als Mensch. Und man kann eine persönliche Beziehung zu Gott aufbauen.

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10-38 Kommentar Sukadev

Wenn Menschen zusammen leben, muss es Regeln des Zusammenseins geben. Damit Regeln eingehalten werden, müssen Regelverstöße sanktioniert werden. Die eleganteste „Sanktion“ ist das Heben des Zepters: Das einfache aufmerksam machen, dass jemand etwas nicht korrekt gemacht hat. Wenn du kraft deines eigenen Lebensstils den Respekt der anderen hast, kann eine einfache klare Bemerkung andere zur Einsicht veranlassen. Und bevor man jemanden bestraft, ist ein einfaches und klares Feedback wichtig. Wenn jemand sich nicht richtig verhält, schlucke deinen Ärger nicht monatelang hinunter, um dann zu explodieren oder massive Konsequenzen zu ziehen. Vielmehr gib frühzeitig und auch häufig Feedback. Wenn das nichts bringt, muss es natürlich auch andere Konsequenzen geben.

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10-39 Kommentar Sukadev

Hier nun wieder der Generalvers: Gott ist überall. In den letzten Versen war es die Aufzählung: „Ich bin im Großartigen, im Besonderen.“ Er gab dir dadurch eine Menge von Beispielen, um immer wieder die Gelegenheit zu haben, an Gott zu denken. Hier sagt er nun: „Ich bin in jedem Wesen.“ Gott ist der Same, also der Beginn und die Essenz in jedem Wesen. Und ohne Gott kann kein Wesen sein, weder ein bewegtes noch ein unbewegtes.

10-42 Kommentar Sukadev

Wir können hier erkennen „Ich bin“, vistabyaham –aham „Ich bin“. Als Moses Gott im brennenden Busch gefragt hat: „Wer bist du?“, hat Gott gesagt: „Ich bin, der ich bin.“ (2. Buch Mose 3,14). Gott ist. Und mit einem Teil seines Wesens manifestiert er sich als die Welt. Er erschafft die Welt. Er erhält die Welt, er zerstört die Welt und bleibt dennoch transzendent, jenseits vonallem Fassbaren.

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11. Kapitel: Die Erfahrung der Kosmischen Gestalt

Arjunas VisionDas 11. Kapitel ist der Wendepunkt der Bhagavad Gita. Bis dahin einschließlich des Anfangs des 11. Kapitels fragt Arjuna immer wieder, stellt Krishnas Worte zum Teil fast respektlos in Frage. Er hat Zweifel, er glaubt nicht, dass er umsetzen kann, was Krishna ihm empfiehlt. Er weiß nicht, was er tun soll. Im 11. Kapitel hat Arjuna eine ganz besondere Erfahrung, nämlich die Erfahrung von Vishvarupa, der Kosmischen Gestalt Gottes. Mit anderen Worten, Arjuna macht die Erfahrung von Sarvikalpa Samadhi. Er sieht Gott in seiner Kosmischen Gestalt. Ab da sind die Zweifel von Arjuna erheblich schwächer. Wer einmal eine wirklich tiefe Gotteserfahrung hatte, für den wird der spirituelle Weg sehr viel klarer und sicherer. Zweifel werden viel schwächer. Darum war das 11. Kapitel auch eines der Lieblingskapitel von Swami Vishnu-devananda. Ich habe ihn mehrmals über dieses Kapitel sprechen hören. Swami Vishnu-devananda legte besonderen Wert auf die eigene Erfahrung. Er sagte, man kann das Pferd zur Tränke führen, aber trinken muss es selbst. So hat er uns auf den Weg zur Tränke geführt. Bis man das Wasser getrunken hat, mag man zweifeln, ob überhaupt Wasser zu finden ist. Wenn man es getrunken hat, weiß man, ja, da ist tatsächlich Wasser.
So ist es auch mit dem spirituellen Weg: Die Meister erzählen von der Großartigkeit Gottes, dass es möglich ist, Gott zu erfahren und dass nur die Erfahrung Gottes allen menschlichen Sehnsüchten wirklich gerecht wird. Dann zeigen sie uns den Weg dahin. Auf dem Weg mag man immer wieder Zweifel haben. Wenn man dann Sarvikalpa Samadhi, die Gotteserfahrung, gemacht hat, verschwinden diese Zweifel.

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