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10-26 Kommentar Sukadev

Unter den Bäumen bin ich der Feigenbaum“: Auch Bäume haben eine besondere Schönheit. Hast du in letzter Zeit einmal einen besonders schönen Baum angeschaut? Hast du einen Baum umarmt, einmal das Rauschen der Zweige ganz auf dich wirken lassen? Welcher Baum steht für dich besonders für göttliche Kraft? Hast du einen Lieblingsbaum? Krishna erwähnt hier den Ashwatthama Baum, den Feigenbaum. Welcher Baum, welche Baumart, ist für dich der/die großartigste?

Unter den Weisen bin ich Narada“: Von Narada gibt es viele Geschichten[1]. Narada hat etwas sehr Menschliches. Er hatte alle möglichen menschlichen Schwächen, über deren Überwindung er zur Erfahrung Gottes gekommen ist. Narada war zuächst Gelehrter, man könnte auch sagen Wissenschaftler und Intellektueller. Er kannte sich aus mit Physik, Biologie, mit Literatur und Philosophie. Er war ein Universalgelehrter wie Aristoteles, Thomas von Aquin oder Johann Wolfgang von Goethe. Trotzdem war er mit seinem Leben unzufrieden. Ähnlich wie Goethes Faust spürte er, dass intellektuelles Wissen nicht ausreicht. So kam er zu einer intensiven spirituellen Suche und wurde Schüler von Vishnu. Narada hatte viele Jahre mit einer gewissen Arroganz zu kämpfen, der Vorstellung, dass er besser sei als andere. Er fiel auch verschiedenen Versuchungen zum Opfer. Aber er bemerkte immer wieder seine Verfehlungen, betete um Führung und mittels seiner Hingabe zu Gott in der Gestalt von Vishnu erreichte er die Vollkommenheit. Das Studium der Lebensgeschichten von Weisen und Heiligen ist eine einfache Weise, sein Herz zu öffnen, Bhakti zu entwickeln. Wann hast du das letzte Mal eine Heiligenbiografie gelesen? Wann hast du mit Ehrerbietung das Bild eines Heiligen angeschaut?

Narada gilt nicht nur als Heiliger, sondern auch als Wissenschaftler. Auch die intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen können in anderen ein Gefühl von Ehrerbietung hervorrufen. Gibt es Wissenschaftler, Philosophen,  Intellektuelle, vor denen du besondere Hochachtung hast? Vielleicht gibt es Menschen in deiner Umgebung, die einen herausragenden Geist haben. Nimmst du dir die Zeit, diese intellektuellen Fähigkeiten als Ausdruck Gottes zu würdigen?

Unter den Gandharvas bin ich Chitraratha“: Gandharvas sind himmliche Musiker, musizierende Engelswesen. Chitraratha ist dabei der großartigste. Musik ist Ausdruck Gottes. In seinem Buch „Göttliche Erkenntnis[2]“ beschreibt Swami Sivananda im Kapitel Musik, dass sie eine der einfachsten Weisen ist, Gottes Gegenwart zu spüren. Nicht umsonst gibt es in allen Religionen geistliche Gesänge. Im Gottesdienst ist für viele das gemeinschaftliche Singen das tiefste spirituelle Erlebnis. So kann Musik Ausdruck Gottes sein. Frage dich: Welche Musik öffnet dir das Herz? Wann öffnet sie dir das Herz am meisten? Wenn du alleine singst? Wenn du selbst musizierst? Wenn du eine CD hörst? Wenn du in einem Satsang bist? Wenn du ins Konzert gehst? Gibt es einen Musiker, für den du besondere Hochachtung hast? Einen Kirtansänger bei Yoga Vidya? Einen professionellen Musiker? Einen Komponisten? Wenn ja, welcher? Ein Dirigent?

Unter den Siddhas, den Vollkommenen, bin ich der Weise Kapila“: Kapila gilt als einer der Söhne von Brahma, dem Schöpfer. Kapila ist der Begründer der Samkhya Philosophie[3]. Die Samkhya Philosophie ist eigentlich eine nicht-theistische Philosophie. Samkhya beschreibt den Weg des Jnana Yoga als Weg der Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst, zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen, zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, zwischen der wahren Freude und dem oberflächlichen Vergnügen. Durch diese Art der Unterscheidung (Viveka) kommt Vairagya (Nichtanhaften, Entsagung) gegenüber dem Nichtselbst, dem Unwirklichen, dem Vergänglichen, dem Vergnügen. Auf diesen Samkhya Weg des Jnana Yoga nimmt Krishna in der Bhagavad Gita immer wieder Bezug. Krishna sagt dabei, dass die wenigsten Menschen allein durch diesen Weg des Jnana Yoga zur Verwirklichung kommen. Er erwähnt immer wieder, dass Bhakti für die Mehrheit der Menschen ein einfacherer und wirkungsvollerer Weg ist. Das ist auch das Interessante an Kapila: Obgleich er in der Samkhya Karika, dem Hauptwerk des Samkhya mit 70 Sutras (Versen) den Weg der Unterscheidung darlegt, gilt er auch als großer Gottesverehrer. In der Shrimad Bhagavatam tritt er sogar als Lehrer von Bhakti in Erscheinung. Aber normalerweise gilt Kapila als Philosoph. Philosoph heißt im Griechischen „Freund der Weisheit“. Menschen mit intellektueller Klarheit können dich auch an Gott erinnert. Gibt es einen Philosophen, den du besonders magst? Einen Philosophen, dessen Bücher du besonders liebst? Hattest du schon einmal Respekt vor der Großartigkeit von philosophischen Höhenflügen? Gibt es ein Werk der Philosophie, welches du besonders schätzt?

 


[1] Einige kannst du nachlesen im Buch „Yoga Geschichten“ erschienen im Yoga Vidya Verlag

[2] Swami Sivananda: „Göttliche Erkenntnis“, Mangalam Verlag

[3] Mehr zur Samkhya Philosophie findest du im Buch „Klassische Upanishaden“ aus dem Yoga Vidya Verlag, ebenso in meinem Buch „Die Yoga-Weisheit des Patanjali für den Menschen von heute“, sowie in „Die Yoga-Weisheit der Bhagavad Gita, Band 1“

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