Ab diesem Vers beginnt der eigentliche Vibhuti Yoga. Vibhuti heißt „göttliche Herrlichkeiten“. Vibhuti Yoga ist die spirituelle Praxis, Gott im Großartigen zu sehen. Zwar ist Gott überall, es fällt dem Menschen aber am leichtesten, Gott im Großartigen zu sehen. Die Fähigkeit zu staunen lässt den Menschen an Gott denken. Diese Fähigkeit kannst du bewusst entwickeln. Überlege dir:
Was finde ich besonders großartig?
Was lässt mich staunen, was lässt mich erschaudern?
Was bewundere ich?
Was ist so schön, dass es mein Herz berührt, dass ich eine Gänsehaut bekomme, dass mir die Tränen kommen und mein Geist weit wird?
Was ist so, dass ich davon ergriffen werde?
Was erinnert mich an Gott?
Hier eine kleine Liste, die du für dich durchgehen und die du ergänzen kannst. Was von dem Folgenden ist im Sinne des oben Genannten für dich großartig, bewundernswert und lässt dich an Gott denken? Nimm dir Zeit. Schreibe zu jedem Punkt, zu dem dir etwas einfällt, ein paar Sätze. Nimm dir bei jedem Punkt ein paar Atemzüge Zeit zum Staunen:
Wolken
Sonnenaufgang
Sonnenuntergang
Wind
Sterne
Mond
…
Natur
Blumen
Bäume
Wasserfall
Meer
Berg
Zimmerpflanze
…
Menschen
Spiritueller Meister/in
Großartige/r Mensch
Politiker
Dein Kind
Partner/in
Musiker
Künstler
Dichter
Philosoph
Sportler
Wissenschaftler
…
Kunst
Malerei: Welches Gemälde?
Bildliche Darstellung eines Aspektes von Gott
Musik: Welche?
Bildhauerei: Was?
Götter-Murti
Architektur: Welches Gebäude?
Tanz
Eiskunstlauf
Photographie: Was?
Photo eines/r Meisters/in
…
Wissenschaft
Physik, z.B. Atomphysik
Astronomie
Biologie
Physiologische Zusammenhänge
das menschliche Gehirn
…
Eigenschaften in jedem Menschen
Großzügigkeit
die Psyche selbst
…
In dir selbst
besondere Fähigkeiten und Talente
Emotionen/Gefühle
besondere Eigenschaften wie Großzügigkeit, Demut etc.
Atem
Verdauung
Blutkreislauf
die Fähigkeit zu sehen, zu hören etc.
…
Technik
Auto
Fahrrad
Computer
Handy
Fernseher
Internet
…
Wenn du das ausgefüllt und dir wirklich Zeit genommen hast, das innerlich zu spüren, konntest du die göttliche Gegenwart spüren.
Du kannst das auch für jeden Menschen machen, mit dem du regelmäßig zu tun hast. Schreibe dir auf: „Was bewundere ich an diesem Menschen? Was an ihm erinnert mich an Gott?“
Ebenso kannst du das in jedem Lebenszusammenhang machen: „Was in meiner Wohnung ist großartig, schön, bewundernswert, erinnert mich an Gott? Was auf meinem Weg zur Arbeit? Was an meinem Arbeitsplatz? …“
Dann fasse den Vorsatz, dass du zu jeder Stunde mindestens ein Mal dieses Gefühl des Ergriffenseins, der Schönheit, der göttlichen Gegenwart in dir hervorrufen willst. Vielleicht auch schon jetzt gleich, in diesem Moment.
Krishna gebraucht in diesen Versen Dinge aus dem Lebenszusammenhang, aus der Vorstellungswelt von Arjuna. Vieles davon mag uns heute fremd erscheinen. In manches können wir uns hineinversetzen. Für die Übung des Vibhuti Yoga ist es am wichtigsten, dass du das herausfindest, was für dich großartig ist, dich an Gott erinnert, dich ergreift. Ich werde in meinem Kommentar versuchen, dir jeweils Anregungen zu deinem persönlichen Vibhuti Yoga zu geben.
Noch einmal zum Vers selbst:
„Unter den zwölf Adityas bin ich Vishnu; unter den Himmelskörpern die strahlende Sonne; ich bin Marichi unter den Maruts; der Mond bin ich unter den Gestirnen.“
Die Adityas sind Manifestationen des Göttlichen. Vishnu als Verkörperung der Liebe ist für die meisten Menschen besonders großartig. Die 12 Adityas repräsentieren auch die 12 Monate des Jahres. Du kannst überlegen: Welcher Monat ist für mich derjenige, der mich am meisten an Gott erinnert?
Himmelskörper: Für das Leben auf der Erde ist die Sonne zweifellos von allen Himmelskörpern am wichtigsten. Sehr viele Menschen erfahren bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang Gott am stärksten. Wann hast du das letzte Mal einen Sonnenauf- oder Sonnenuntergang bewusst erfahren?
Die Maruts sind die Windgötter. Beim nächsten Wind spüre besonders die Kraft des Windes.
Mond: Nachts am Sternenhimmel lasse den Mond ganz besonders auf dich wirken. Jede Mondphase hat ihre eigene Schönheit.