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10-23 Kommentar Sukadev

Ich will in meinem Kommentar davon absehen, die indische Mythologie zu genau zu erläutern. Das macht Swami Sivananda in seinem Kommentar zur Bhagavad Gita sehr gut. Du kannst auch im Internet nach diesen Namen suchen und wirst, sofern du Englisch kannst, eine Menge Erläuterungen finden. Ich will mehr auf die übertragene, die psychologische und spirituelle Bedeutung eingehen.

Rudras: Das sind die Engelswesen, welche Auflösung und Zerstörung symbolisieren. Damit etwas Neues entstehen kann, muss das Alte vergehen. Damit eine Blüte entstehen kann, muss die Knospe zerstört werden. Damit ein Same entstehen kann, muss die Blüte zerstört werden. Und damit eine neue Pflanze entsteht, muss der Same aufgebrochen werden. So ist das ganze Universum in beständiger Veränderung. Es ist ein Tanz des Entstehens und des Auflösens. Shankara heißt wörtlich „Wohltäter“. Unter diesen Rudras, den Veränderungen, Shankara, den Wohltäter zu sehen, heißt Gottes Gegenwart zu erfahren.

Die Yakshas und Rakshasas sind in der indischen Mythologie sogenannte Halbgötter oder niedere Engelswesen. Sie werden auch als Naturgeister bezeichnet und symbolisieren diverse menschliche Bestrebungen, welche an sich weder gut noch schlecht sind, sondern zum Guten oder zum Bösen eingesetzt werden können. Kubera ist der Gott, Halbgott bzw. Engel des Reichtums. Das ist vermutlich heutzutage besonders aktuell. In der heutigen Zeit wird das Geld fast religiös verehrt. In früheren Zeiten waren die Kirchen die höchsten Gebäude, die Priester die am besten Gekleideten, für die Kirche hat man sich am besten angezogen, Priester wurden am meisten für wichtige Fragen konsultiert. Heutzutage sind Bankgebäude die größten Gebäude (oder Konzernzentralen), herrscht in Banken die strengste Kleiderordnung. Für das Gespräch beim Kreditvergeber ziehen Menschen ihre beste Kleidung an. Bankräume gebieten Ehrfurcht. Banker und Wirtschafts-„Weise“ werden mit am häufigsten in den Nachrichten und zur aktuellen nationalen Lage befragt… So kann man beim Studium von wirtschaftlichen Zusammenhängen in großes Staunen kommen. Viele Menschen streben mit einer solchen Hingabe danach, ihr Geld zu vermehren, als ob sie damit die Unsterblichkeit erreichen könnten. In Amerika, dem Hauptland des Kapitalismus, wird den Schwerreichen eine große Ehrerbietung dargebracht. Man kann in der Fähigkeit des Menschen, durch geschicktes Handeln in wenigen Jahren ein riesiges Vermögen anzuhäufen, durchaus etwas Bewundernswertes sehen, etwas Göttliches. Auf gewisse Weise ist die Fähigkeit des Menschen, über das Normalmaß hinauszuwachsen, eine Manifestation von Vibhuti, göttlicher Größe. Krishna nennt jetzt aber nicht irgendwelche Reichen, sondern eben Kubera, den Gott des Reichtums. Das kann  man auf verschiedene Weisen interpretieren:

Man soll nie auf sein eigenes Geld stolz sein – auch ein selbst angehäuftes Vermögen beruht zum großen Teil auf „Glück“ und nicht nur eigener Anstrengung. Noch mehr gilt das für ererbten Reichtum.

Alle Reichtümer gehören letztlich nur Gott. Was wir haben, sind nur Leihgaben, die wir für eine beschränkte Zeit erhalten.

Mit diesen Leihgaben gilt es, geschickt umzugehen und sie zum Wohle aller zu nutzen.

Wenn er Geld als Leihgabe ansieht und zum Wohle aller einsetzt, kann auch ein Reicher zur Verwirklichung kommen.

Die Einstellung, dass alle Gaben von Gott kommen und jederzeit wieder genommen werden können, hilft, die göttliche Gegenwart überall zu spüren, auf dem Teppich zu bleiben, demütig zu sein.

Unter den Vasus bin ich das Feuer“: Die Vasus symbolisieren die verschiedenen Bestrebungen des Menschen. „Feuer“ symbolisiert Enthusiasmus, Mut, Energie, die Begeisterung sich ganz für etwas Gutes, Großartiges einzusetzen. Werde dir bewusst: Wer in deiner Nähe hat dieses Feuer? Nimm dir ein paar Momente, das als göttliche Kraft zu würdigen. Dann werde dir bewusst: Dieses Feuer gibt es auch in dir. Frage dich: Könnte ich dieses Feuer in mir nicht stärker werden lassen? Viele Menschen geben sich mit Halbherzigkeiten zufrieden. Hermann Gmeiner hat einmal gesagt: „Alles Gute in dieser Welt kommt, weil jemand mehr macht, als er muss.“ Das, was du mehr an Enthusiasmus, an innerem Feuer hast, kann dein Leben faszinierender machen. Wenn in dir ein Feuer brennt, nutze es, setze es ein. Lass dich nicht von anderen bremsen. Nimm dir natürlich auch immer wieder Zeiten für Meditation und Entspannung. Fühle dich als Instrument Gottes. Sei dir bewusst: Der Enthusiasmus in dir ist göttliche Kraft. Bleibe aber bescheiden und frage dich immer wieder: Was will Gott von mir? Halte dich an die Ethik und sage: „Nicht mein Wille sondern dein Wille geschehe.“ So fällst du auch nicht durch Enttäuschungen in ein inneres Loch, sondern kannst deine Begeisterung immer wieder von Neuem entfachen.

Unter den 7 Bergen bin ich Meru“: Meru gilt in der indischen Mythologie als der Berg in der Mitte der Welt, die Säule, an der alles einen Halt findet. Im Kundalini Yoga wird die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule, Sitz der 7 Haupt Chakras, als Meru bezeichnet. In diesem Sinne sind alle Ebenen menschlicher Fähigkeiten, symbolisiert durch die 7 Chakras, von göttlicher Natur – die irdischen Ebenen, die Feinstoffebenen, die Himmelsebenen und die höchste, die transzendente Ebene. Meru ist der Zentralkanal. Wenn dein Prana (feinstoffliche Lebensenergie) durch die beiden linken und rechten Energiekanäle Ida und Pingala fließt, lebst du in der Welt der Dualität mit Tag und Nacht, Vergnügen und Schmerz, innen und außen etc. Mit Pranayama (Atemübungen) bringt der Hatha Yogi das Prana in die Sushumna, den Zentralkanal. Dann verschwindet jede Dualität, du erfährst Einheit.[1]

In diesem Kapitel gebraucht Krishna immer wieder Beispiele aus der Natur. Den meisten Menschen fällt es am leichtesten, Gott in der Schönheit der Natur zu sehen. Für manche sind es die Berge, z.B. die Alpen, der Himalaya oder die Externsteine, für manche das Meer (siehe nächsten Vers). Frage dich: Gibt es eine Gebirgsregion, die für mich ganz besonders ein Gefühl göttlicher Gegenwart hervorruft? Vielleicht hast du sogar ein Foto von den Bergen in deinem Zimmer/Büro, vielleicht auf deinem PC einen Bildschirmschoner mit den Alpen?

 


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