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13-12 Kommentar Sukadev

Eigentlich könnte man sagen, dass er bis zum 11. Vers das Wesentliche genannt hat. Aber er will es noch einmal etwas genauer beschreiben. Man kann sagen: Bis zum 11. Vers hat er mehr die Techniken beschrieben. Ab dem 12. Vers will er genauer werden: „Was ist das überhaupt, was man erkennen will.“ Und wenn man es erkennt, dann führt es zur Unsterblichkeit. Jnana, welches Krishna hier im 13. Kapitel immer wieder erwähnt, ist nicht nur eine intellektuelle Erkenntnis. In Jnana steckt auch ein Verstehen. Wenn du DAS erkennst, hast du die Unsterblichkeit erreicht.

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13-13 Kommentar Sukadev

Brahman (reines Bewusstsein) wirkt durch alle Hände, alle Füße, alle Köpfe, alle Münder. Eine Analogie: Brahman und Welt sind wie Hand und Handschuh. Angenommen, man sieht einen Handschuh, dann scheint es so, als würden die Finger einzeln fungieren. Aber was die Finger des Handschuhs bewegt, ist die Hand, die in der Mitte ist. Und diese Hand ist natürlich eins. Jetzt magst du lauter Einzelwesen um dich herum wahrnehmen. Aber was jeden einzelnen bewegt, ist letztlich Brahman.

13-17 Kommentar Sukadev

Brahman ist zum einen das Wissen, deshalb auch Chid (Bewusstsein) und Jnana (Wissen) genannt. Es ist das zu Wissende. Das, was wir erkennen wollen, ist Das. Brahman ist das Ziel allen Wissens. Deshalb ist der Mensch immer neugierig. Der Mensch ist niemals mit dem zufrieden, was er kennt, er will immer mehr wissen. Das ist deshalb so, weil der Mensch immer das höchste Wissen erreichen will. Er wird erst zufrieden sein, wenn er BRAHMAN erkannt hat. Und dieses höchste Wissen ist im Herzen aller.

13-18 Kommentar Sukadev

Hier macht es Krishna so wie immer: Nachdem er hohen Jnana Yoga beschrieben hat, sagt er:  „Du kannst auch an mich glauben und annehmen, was ich dir erzählt habe. Auch dann gehst du in mein Wesen ein.“ Die Verse 11-17 sind hohe Philosophie. Wenn du dazu die Kommentare von Swami Sivananda oder Shankaracharya liest, kommst du zu sehr hoher, abstrakter Philosophie. Das kann dich erheben und zu einem hohen Grad von Bewusstheit führen. Vielleicht magst du aber auch sagen: Das ist mir jetzt alles zu kompliziert. Ich verehre Gott, das ist leichter. Gott wird mich dorthin führen. Das gibt Krishna immer wieder zum Trost. Er scheut sich nicht, diese Jnana Yoga Weisheiten immer wieder zu beschreiben. Danach kommt er aber immer auf Bhakti Yoga zurück.

13-19 Kommentar Sukadev

Hier wechselt er von der Vedanta Philosophie in die Samkhya Philosophie. In Vedanta spricht man von Brahman, dem Absoluten, im Samkhya gibt es Purusha und Prakriti. In der deutschen Übersetzung von Swami Sivanandas Bhagavad Gita Kommentar steht an dieser Stelle „Geist“, im Sanskrit Purusha. Mit der Übersetzung ins Deutsche ist es etwas schwierig: Das Wort „Geist“ kann manchmal Gemüt bedeuten, dann ist es die Übersetzung der Sanskrit Wörter Manas, Chitta oder Antahkarana. „Geist“ kann natürlich auch „Ewiger Geist“ bedeuten, dann ist „Geist“ die Übersetzung von Purusha. Purusha (Bewusstsein) und Prakriti (Natur, Energie, Universum) sind ohne Anfang, Natur und Bewusstsein. Im Vedanta sind Natur und Bewusstsein eins. Vedanta gilt daher als „monistisches“ Philosophiesystem (Advaita). Im Samkhya sind Purusha und Prakriti auf ewig 2 Urprinzipien. Samkhya gilt deshalb als „dualistisches“ Philosophiesystem. Krishna interessiert sich nicht für diese Spitzfindigkeiten – letztlich sind Philosophiesysteme nur wie ein Finger, mit dem man auf die Wahrheit zeigt. Die Wahrheit ist dann doch etwas anderes als das Bild, das wir uns von der Wahrheit machen. Die Wahrheit ist erfahrbar. Krishna nimmt sehr spielerisch mal den einen, mal den anderen Standpunkt ein,alles sehr praxisnah und verbindend. Die Bhagavad Gita ist eine verbindende Schrift. Letztlich ist es philosophisch nicht so wichtig, sich für eine der beiden Philosophien zu entscheiden. Es geht um die Verwirklichung des Höchsten.

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13-20 Kommentar Sukadev

Für äußere Dinge gibt es Ursache und Wirkung, äußere Dinge verändern sich, bewegen etwas. Das Bewegen sind nicht wirklich wir. Der Körper tut etwas, er folgt den Naturgesetzen. Aber wer etwas erfährt, das ist das Bewusstsein. Ohne Bewusstsein gibt es keine Erfahrung. Ohne Bewusstsein gibt es keine Erfahrung von Vergnügen oder Schmerz. Wenn mir zum Beispiel etwas auf meinen Arm fällt, dann ist das erst einmal Ursache und Wirkung. Eine Ursache hat einen Ziegel gelöst, dieser fällt auf meinen Arm. Folge ist, dass im Arm Schmerzrezeptoren gereizt werden. Diese geben die Information über den sensoriellen Nerv weiter an den Rückenmarkskanal. Dieser gibt es weiter ans Gehirn. Das ist alles fassbar über Ursache und Wirkung, über physikalische, chemische, biologische Gesetze, heutzutage sogar messbar, von den Sinneszellen über die Nervenreizübertragung bis zur Stimulierung von Hirnarealen, elektrischer Aktivität in den Nervenzellen und dem Ausschütten von Botenstoffen. Aber, dass ich nachher Schmerz spüre, dazu muss das Bewusstsein da sein. Ist das Bewusstsein nicht da, kann durchaus ein Ziegelstein auf meinen Arm fallen, ohne dass ich mir dessen bewusst werde, ohne dass Schmerz da ist. Während ich dies schreibe, befinde ich mich gerade in einem Zug. Ich bin ein moderner Yogi: Wenn ich unterwegs bin, nehme ich mein Notebook mit. Angenommen, ich wäre jetzt sehr konzentriert beim Schreiben dieses Buches. Plötzlich fällt etwas aus dem Gepäcknetz von oben herunter. Dann mag es auf meinen Arm fallen, die Sinneszellen werden tatsächlich gereizt, der Nerv gibt es weiter, es wäre sogar etwas messbar, nur in dem Teil des Gehirns, wo das Bewusstsein ist, ist nichts messbar. Ist das Bewusstsein nicht dabei, passiert nichts. Die Seele ist das, was erfährt und die Seele kann ihre Aufmerksamkeit irgendwo hinrichten oder auch nicht. Nur wenn die Aufmerksamkeit irgendwo hingerichtet ist, werden Vergnügen und Leiden erfahren. Daher gilt: das Bewusstsein ist die Ursache für alle Erfahrungen, insbesondere für Vergnügen und Schmerz. Daher kommt eine einfache Technik, Leiden zu vermeiden: Ziehe deine Aufmerksamkeit vom Schmerz weg, richte deine Bewusstheit auf etwas anderes. Dann gibt es auch keinen Schmerz.

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13-21 Kommentar Sukadev

Die Seele (Purusha) befindet sich jetzt innerhalb der Prakriti. Was nicht heißt, dass die Seele durch Prakriti wirklich begrenzt wird. Die Seele ist mit Prakriti verbunden, ihre Bewusstheit geht in die Prakriti. Und so erfährt die Seele die aus der Natur stammenden Eigenschaften. Wenn die Seele (Purusha) sich ganz von Prakriti lösen würde, könnte sie nichts mehr erfahren. So wie bei Nirvikalpa Samadhi – da mag die Welt zerbrechen, die Seele merkt davon nichts. Eine ähnliche Analogie: Einmal hat sich Swami Sivananda einen Tag zur Meditation zurückgezogen. Die Schüler hatten vergessen, dass neben Swami Sivanandas Haus Straßenarbeiten durchgeführt werden sollten. Es gab einen Riesenlärm, Presslufthammer oder ähnliches. Als Swami Sivananda am nächsten Tag ins Büro kam, entschuldigten sie sich, dass sie nicht Bescheid gesagt haben, dass diese lauten Straßenarbeiten geplant waren. Swami Sivananda war sichtlich überrascht. Er sagte nur: „Ich habe nichts gehört.“ Bewusstsein kann sich vom Relativen, von der Sinneswahrnehmung lösen. Aber normalerweise ist unser Bewusstsein im Wachzustand in dieser Welt (Prakriti). Wir erfahren alle Dinge, die in der Natur geschehen. Dann identifizieren wir uns damit und denken nicht mehr: „Ich sehe jetzt diesen Körper, ich sehe diese Welt“ oder „Ich sehe die Welt durch diesen Körper.“ Wir denken stattdessen: „Ich bin dieser Körper.“ Und sind dann identifiziert. Du sagst und spürst: „Mein Körper. Das ist meine Kleidung, meine Brille, mein Auto, meine Wohnung und mein Mann, meine Frau, mein Kind, meine Katze, meine Schildkröte, mein Goldhamster, mein Meerschweinchen, mein Yoga-Center, mein Ashram, mein Aufnahmegerät.“ Man kann sich mit allem identifizieren, sogar wenn es einem nicht gehört.

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13-24 Kommentar Sukadev

Hier sagt Krishna: „Es gibt verschiedene Wege zur Verwirklichung.“ Der Wege sind viele, aber Wahrheit ist eins, pflegte mein Meister Swami Vishnu-devananda zu sagen. Ein Weg zur Verwirklichung ist die Meditation über das Selbst. Du meditierst solange, bis du zum Selbst kommst. Das ist der Weg des Raja Yoga, der natürlich auch noch eine Reihe weiterer Techniken der Geisteskontrolle umfasst. Ein zweiter Weg ist der Yoga der Erkenntnis (Jnana Yoga), so wie Krishna das im 13. Kapitel beschreibt. Auch auf dem Weg der Erkenntnis gehört Meditation dazu. Auch hier können Aspiranten ein wenig Asanas und Pranayama üben. Aber das sind nur Hilfen für den Yoga der Erkenntnis. Auf diesem Weg lernt man auch, sich im Alltag von allem Wahrnehmbaren zu lösen und sich immer wieder das Selbst zu vergegenwärtigen. Ein dritter Weg ist der Yoga der Handlung, Karma Yoga. Indem man für andere etwas Gutes tut, ohne daran zu haften, öffnet man sein Herz und fühlt sich als das Selbst aller Wesen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, beinhaltet den Dienst an allen Wesen. Und damit hört dieses Ego auf. Damit gelangt man zur Erfahrung von Verbundenheit und Einheit.

13-25 Kommentar Sukadev

Hier kommt Krishna wieder zum Bhakti Yoga zurück. Für manche ist Jnana Yoga zu hoch, zu komplex und zu abstrakt. Dann kann man einfach sagen: „Ja, es wird schon irgendetwas Höchstes geben. So sagt es Krishna in der Bhagavad Gita. So steht es in den Upanishaden, in der Bibel, im Koran. So steht es im Pali Kanon. Etwas Genaues weiß ich nicht, aber ich nehme dazu Zuflucht. Ich verehre es. Und dann wird Gott mich auch retten.“

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13-26 Kommentar Sukadev

Ein Wesen, ein Lebewesen hat immer ein Bewusstsein. Wo immer es ein Lebewesen gibt, da gibt es auch immer eine Verbindung (Samyoga) aus Kshetra (Feld) und Kshetrajna (Kenner des Feldes). Yoga heißt unter anderen „Vereinigung“. Samyoga heißt „Verbindung“. Wenn sich Purusha (Bewusstsein) mit einem Teil von Prakriti, den er dann als Körper bezeichnet, verbindet, entsteht ein Einzelwesen. Dann folgt die Identifikation der Seele mit Körper und Geist – damit beginnt RagaDwesha, Karma und die Notwendigkeit der Befreiung