Suche
  • TIPP: Nutze die Suche, um bestimmte Verse zu finden.
  • z. B.: die Eingabe 01-21 bringt dir 1. Kapitel, 21 Vers.
Suche Menü

11. Kapitel: Die Erfahrung der Kosmischen Gestalt

Arjunas VisionDas 11. Kapitel ist der Wendepunkt der Bhagavad Gita. Bis dahin einschließlich des Anfangs des 11. Kapitels fragt Arjuna immer wieder, stellt Krishnas Worte zum Teil fast respektlos in Frage. Er hat Zweifel, er glaubt nicht, dass er umsetzen kann, was Krishna ihm empfiehlt. Er weiß nicht, was er tun soll. Im 11. Kapitel hat Arjuna eine ganz besondere Erfahrung, nämlich die Erfahrung von Vishvarupa, der Kosmischen Gestalt Gottes. Mit anderen Worten, Arjuna macht die Erfahrung von Sarvikalpa Samadhi. Er sieht Gott in seiner Kosmischen Gestalt. Ab da sind die Zweifel von Arjuna erheblich schwächer. Wer einmal eine wirklich tiefe Gotteserfahrung hatte, für den wird der spirituelle Weg sehr viel klarer und sicherer. Zweifel werden viel schwächer. Darum war das 11. Kapitel auch eines der Lieblingskapitel von Swami Vishnu-devananda. Ich habe ihn mehrmals über dieses Kapitel sprechen hören. Swami Vishnu-devananda legte besonderen Wert auf die eigene Erfahrung. Er sagte, man kann das Pferd zur Tränke führen, aber trinken muss es selbst. So hat er uns auf den Weg zur Tränke geführt. Bis man das Wasser getrunken hat, mag man zweifeln, ob überhaupt Wasser zu finden ist. Wenn man es getrunken hat, weiß man, ja, da ist tatsächlich Wasser.
So ist es auch mit dem spirituellen Weg: Die Meister erzählen von der Großartigkeit Gottes, dass es möglich ist, Gott zu erfahren und dass nur die Erfahrung Gottes allen menschlichen Sehnsüchten wirklich gerecht wird. Dann zeigen sie uns den Weg dahin. Auf dem Weg mag man immer wieder Zweifel haben. Wenn man dann Sarvikalpa Samadhi, die Gotteserfahrung, gemacht hat, verschwinden diese Zweifel.

 ...>>> weiter zum vollen Artikel...

11-01 Wort-für-Wort Übersetzung

arjunaḥ – Arjuna
uvāca – sprach
mat-anugrahāya – mir (mat) zu Gefallen (anugraha)
paramam – das höchste
guhyam – Geheimnis (betreffend)
adhyātma-saṃjñitam – welches als (Wissen) über das Selbst (adhyātma) bezeichnet (saṃjñita) wird
yat – welches
tvayā – von dir
uktam – gesprochen wurde
vacaḥ – das Wort (d.h. die Aussagen)
tena – durch dieses
mohaḥ – Täuschung
ayam – diese
vigataḥ – ist verschwunden
mama – meine

11-02 Wort-für-Wort Übersetzung

bhava-apyayau – über Ursprung (bhava) und Zerstörung (apyaya)
hi – gewiss
bhūtānām – der Wesen
śrutau – wurde gehört
vistaraśaḥ – ausführlich, in vollem Umfang
mayā – durch mich
tvattaḥ – von dir
kamala-patra-akṣa – oh Lotusäugiger „dessen Augen (akṣa) wie Lotosblätter (kamala-patra) sind“ (Kṛṣṇa)
māhātmyam – Größe, Majestät
api – auch
ca – und
avyayam – (über deine) unerschöpfliche

11-03 Wort-für-Wort Übersetzung

evam etat – nun („so ist es“)
yathā – wie
āttha – beschrieben hast
tvam – du
ātmānam – dich selbst
parama-īśvara – oh höchster Herr
draṣṭum – zu sehen
icchāmi – wünsche ich
te – deine
rūpam – Form
aiśvaram – göttliche
puruṣa-uttama – oh höchster (uttama) Geist (puruṣa)

11-04 Wort-für-Wort Übersetzung

manyase – du hältst
yadi – wenn
tat – das
śakyam – für möglich
mayā – von mir
draṣṭum – (es) gesehen werden kann
iti – dass
prabho – oh Herr
yoga-īśvara – oh Herr des Yoga
tataḥ – dann
me – mir
tvam – du
darśaya – zeige
ātmānam – Selbst
avyayam – (dein) unvergängliches

11-05 Wort-für-Wort Übersetzung

śrī-bhagavān – der Erhabene
uvāca – sprach
paśya – sieh
me – meine
pārtha – oh Sohn Pṛthās (Arjuna)
rūpāṇi – Formen
śataśaḥ – hundertfach
atha – und
sahasraśaḥ – tausendfach
nānā-vidhāni – von unterschiedlicher (nānā) Art (vidha)
divyāni – göttlichen
nānā-varṇa-ākṛtīni – mannigfaltig (nānā) in Farbe (varṇa) und Gestalt (ākṛti)
ca – und

11-05 Kommentar Swami Sivananda

Divyani: göttlich; übernatürlich.
Satasah, Sahasrasah: Hunderte und Tausende – unzählige.
Oh Arjuna, Ich möchte, daß du die kosmische Form siehst. Alle Wesen sind darin. Die fetten und die mageren, die kleinen und die großen, die roten und die schwarzen, die tätigen und die untätigen, die reichen und die armen, die klugen und die dummen, die gesunden und die kranken, die lauten und die leisen, die wachen und die schlafenden, die schönen und die häßlichen und all die Stufen der Wesen mit ihren unterschiedlichen Merkmalen gibt es dort. Das Blau des Himmels, das Gelb der Seide, das Rot der Dämmerung, das Schwarz der Kohle, das Weiß des Schnees und das Grün der Blätter wirst du erblicken. Du wirst die Dinge auch in verschiedener Gestalt sehen.

11-06 Wort-für-Wort Übersetzung

paśya – sieh
ādityān – die Ādityas
vasūn – die Vasus
rudrān – die Rudras
aśvinau – die beiden Aśvins (Ärzte der Götter)
marutaḥ – die Maruts
tathā – ebenso
bahūni – viele
adṛṣṭa-pūrvāṇi – zuvor (pūrva) noch nie gesehene (adṛṣṭa)
paśya – sieh
āścaryāṇi – Wunder
bhārata – oh Nachkomme des Bharata (Arjuna)

11-06 Kommentar Sukadev

Er sagt ihm: „Du wirst jetzt auch die Astralwesen sehen, die Engelswesen, die verschiedenen Götter im Sinne von höheren Astralwesen. All das wirst du sehen können.“ Wir können vielleicht jetzt schon Engelswesen oder Naturwesen spüren, manchmal vielleicht auch ein Leuchten oder Glänzen, manchmal etwas hören oder etwas mehr sehen. Aber Krishna sagt hier zu Arjuna: „Gleich wirst du es vollständig sehen.“ So wie wir jetzt diese Welt sehen, bestehend aus verschiedenen Einzelwesen, die miteinander in Verbindung treten. Aber wir sehen, riechen, schmecken, hören, fühlen hauptsächlich die physische Welt. Wir können in anderen Bewusstseinsebenen auch die Astralwesen sehen, riechen, schmecken, hören, fühlen. Sie sind dann genauso wirklich wie das, was wir jetzt in der physischen Welt sehen. Und wir können sie als Teil Gottes erleben.

Seite 1 von 9123456789